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U-Boote von TKMS: Rekordauftrag und Staatsbeteiligung

Thyssenkrupp marine systems (TKMS), eine Tochter des Stahlgiganten Thyssen Krupp, beendet das Jahr mit dem größten Auftrag seiner Firmengeschichte. Der Marine-Spezialist ist so erfolgreich und militärisch bedeutend, dass der deutsche Staat, Kanada und Rheinmetall einsteigen wollen.

Als größter deutscher Marine-Produzent hat TKMS einen Auftrag für die Produktion von Torpedos für die Bundeswehr in Höhe von 18,2 Milliarden Euro ergattert. Die Schwergewichtstorpedos sind für die neue U-Boot-Klasse konzipiert, die auch von TKMS in einem deutsch-norwegischem Kooperationsprojekt für die Bundeswehr und das skandinavische Land produziert werden. Auch Kanada zieht in Erwägung, dem U-Boot-Projekt beizutreten und so ebenfalls zum potenziellen Kunden zu werden.

Die von dem TKMS-Segment Altas Elekronik entwickelten Torpedos gelten als hochmodern und weltklasse. Sie sollen sehr gut getarnt, in jedem Seegebiet einsatzfähig und in der Lage sein, zwischen mehreren Zielen zu unterscheiden. Insgesamt also ein Waffensystem, das die neuen U-Boote um einiges tödlicher machen wird.

Pistorius verhandelt staatliche Beteiligung an Thyssenkrupps U-Boot-Produktion

TKMS strategisch wichtig für den Krieg

Aus diesen Gründen scheint es wenig verwunderlich, dass Verteidigungsminister Boris Pistorius schon im September 2025, zum Baubeginn der neuen U-Boote, erneut das Interesse des Bundes äußerte, sich an dem Konzern zu beteiligen. Mit dem größten deutschen Waffenproduzent Rheinmetall sowie weiteren Waffenherstellern wie Hensoldt, der Defence-Sparte der Lürssen-Werft (NVL) und dem Kölner Motorenbauer Deutz sind gleich eine Reihe potenzieller Interessenten an TKMS interessiert.

Das Handelsblatt berichtete gar von einem möglichen Zusammenschluss der drei deutschen Marine-Produzenten. Navel Vessels Lürsen (NVL), German Naval Yards Kiel (GNYK) und eben TKMS sollten in den nächsten fünf Jahren zusammengelegt werden. Anfang Dezember 2025 machte der TKMS-Chef Oliver Burkhard bekannt, dass man eine Übernahme der GNYK prüfe.

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An dem Bieterverfahren für TKMS beteiligt sich der Bund direkt, da die Regierung die U-Boote der Kieler als Schlüsseltechnologie für die Landesverteidigung ansehen. Ein Verkauf an den US-Finanzinvestor Carlyle wurde bereits abgewehrt. Aufgrund der sensiblen Militärtechnologie haben Politiker von Union, SPD und Grüne signalisiert, dass sie einen Staatseinstieg mit einer Sperrminorität für realistisch und sinnvoll erachten.

Das Unternehmen sei „eine Perle“. TKMS baue „die besten nichtnuklearen U-Boote der Welt.“, sagt Haushaltsexperte Sebastian Schäfer (Grüne). „Bei Hensoldt haben wir mit dem Einstieg des Bundes gute Erfahrungen gemacht.“ Damit sei auch eine bessere Kontrolle über die Verwendung sensibler Technologien einhergegangen.

Auch die Gewerkschaftsseite unterstützt eine staatliche Beteiligung am Rüstungsbau. „Wir sind überzeugt, dass es den Staat als Ankerinvestor braucht, etwa durch eine Beteiligung des Bundes mit mindestens 25,1 Prozent“, fordert Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste.

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Wie der Auftrag selbst beweist, arbeiten Staat und Rüstungsunternehmen bereits heute eng zusammen. Durch eine staatliche Beteiligung verknappt sich die Bürokratie und Beschaffungswege werden schneller. Unterm Strich geht die Aufrüstung ungebremster voran.

Herausbildung von „Rüstungs-Champions“

Ebenfalls ein Beschleuniger der Aufrüstung ist die zunehmende Monopolisierung. In der Debatte fällt häufiger der Begriff der „Nationalen Rüstungs-Champions“, also nationaler Rüstungsmonopole. Sie bieten Staaten die nötige Autonomie, um gestützt auf einer hochentwickelten, landeseigenen Waffenindustrie, Krieg zu führen. Gerade angesichts einer immer brüchigeren NATO steigt ihre Wichtigkeit für deutsche Großmachtambitionen.

TKMS genießt weltweit eine führende Rolle bei nicht nuklearer Unterwassertechnologie. Durch die nun hinzugekommenen, für Jahrzehnte gefüllten Auftragsbücher, schneidet das Unternehmen anders als der in Schieflage geratene Mutterkonzern Thyssen Krupp exzellent auf dem Markt ab. Daher ging das Unternehmen Ende Oktober auch an die Börse.

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