Die USA haben Angriffe auf Stützpunkte des venezolanischen Militärs gestartet. Laut Trump wurden in diesem Zuge auch Präsident Maduro und seine Frau entführt. Die US-Regierung hatte bereits monatelang mit einem Regime Change gedroht – unter anderem, um Zugang zu den Ölressourcen des Landes zu bekommen.
In der Nacht vom 2. auf den 3. Januar hat das US-amerikanische Militär mit Offensiven auf das Festland Venezuelas begonnen. Laut Medienberichten und Videos in sozialen Netzwerken wurden über der Hauptstadt Caracas Luftangriffe geflogen.
Gegen 2 Uhr Ortszeit wurden mehrere tieffliegende Flugzeuge und Helikopter sowie mindestens sieben Explosionen beobachtet. Getroffen wurden dabei die Militärbasis Fort Tiuna, der Luftwaffenstützpunkt La Carlota, der Marinestützpunkt Miranda, der Hafen La Guaira sowie Kommunikationsantennen in Cerro El Volcán.
Die USA bestätigten am frühen Morgen die Angriffe und kündigten eine Pressekonferenz für 17 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (11 Uhr EST) auf Trumps Anwesen Mar-a-Lago in Florida an.
Maduro von US-Militär entführt
Donald Trump erklärte um 5:21 Uhr venezolanischer Zeit auf Truth Social, die USA hätten Maduro im Zuge der Angriffe in Gefangenschaft genommen: „Die Vereinigten Staaten von Amerika haben erfolgreich einen groß angelegten Schlag gegen Venezuela und dessen Staatschef, Präsident Nicolás Maduro, durchgeführt, der zusammen mit seiner Ehefrau gefasst und außer Landes gebracht wurde.“
Laut dem Sender CBS nahmen Soldat:innen der Delta Force den venezolanischen Präsident am frühen Samstagmorgen fest. Die Delta Force ist eine führende Spezialeinheit für Sondermissionen des US-Militärs. Weitere Informationen über den aktuellen Aufenthaltsort Maduros sind bisher nicht bekannt.
Die US-Justizministerin Pam Bondi teilte jedoch bereits mit, dass Maduro und seine Ehefrau in den USA wegen Drogenhandel und Terrorismus angeklagt worden seien. Auf X erklärte die Justizministerin, sie würden bald mit „dem ganzen Zorn der amerikanischen Justiz auf amerikanischem Boden in amerikanischen Gerichten konfrontiert werden“.
Parallelen zu dem aktuellen Vorgehen zeigen sich mit Blick auf einen anderen Karibikstaat. 1989 hatte das US-Militär den damaligen panamaischen Präsidenten Manuel Noriega festgenommen, nachdem dieser während der US-Invasion in die vatikanische Botschaft geflüchtet war. Nach seiner Verschleppung in die USA wurde er dort zu 60 Jahren Haft verurteilt. Auch ihm warfen die US-Behörden Drogenhandel vor.
Trump auf Pressekonferenz: „We are gonna run it.“
Gegen 18 Uhr desselben Tages fand dann die von US-Präsident Donald Trump einberufene Pressekonferenz statt. Nach einigen Worten der Begeisterung für die Operation erläuterte Donald Trump seine Pläne für Maduro, seine Frau und Venezuela. Beide stünden nun unter Anklage im Bundesstaat New York wegen „Unterstützung von Narco-Terrorismus gegen die USA“. Trump wiederholte auch seine bislang unbewiesene Anschuldigung, Maduro sei der „König“ eines Drogenkartells gewesen, das „Kartell der Sonnen“ heißen soll.
Ob das Gericht Maduro und seiner Frau tatsächlich einen Prozess machen, geschweige denn sie verurteilen wird, scheint vom heutigen Standpunkt aus unwahrscheinlich. Maduro werde laut dem US-Präsidenten aber in jedem Fall „niemals wieder in die Position kommen“ Unheil anzurichten.
In Bezug auf die Zukunft des südamerikanischen Landes solle Venezuela dem US-Präsidenten zufolge von der USA regiert werden, „bis ein neues gerechtes Regime“ eingesetzt werde: „We are there now and we are gonna stay there. (…) We are gonna run it.“, sagte Trump auf der Pressekonferenz. Für diesen Job sieht er seinen Außenminister Marco Rubio und seinen Kriegsminister Pete Hegseth vor. Rubio habe bereits mit Venezuelas Vize-Präsidentin telefoniert. Diese habe ihm Kooperation zugesichert.
Zugleich soll das Öl-Business wieder auf die Beine gestellt werden – US-Unternehmen sollen übernehmen. Davon würden dem US-Präsidenten zufolge „die Venezolaner:innen“ profitierten.
Venezuela ruft Ausnahmezustand aus
Die venezolanische Regierung hat nach den Angriffen den Ausnahmezustand ausgerufen. Nach der Entführung Maduros hatte Vizepräsidentin Delcy RodrÃguez in einer Audiobotschaft im Fernsehen „einen sofortigen Beweis“ gefordert, dass Maduro und seine Frau noch am Leben seien.
„Wir fordern die Achtung des Völkerrechts. Wir verurteilen diese brutale, grausame Form der Aggression gegen unser Volk, die das Leben von Militärangehörigen gefordert hat, die zu Märtyrern für unser Vaterland geworden sind, und die das Leben unschuldiger venezolanischer Zivilisten an den verschiedenen Orten der Angriffe gefordert hat, sowohl in der Hauptstadt als auch in den Bundesstaaten Aragua, Miranda und La Guaira“, erklärte RodrÃguez.
Wenige Stunden nach den Angriffen hatte sich zuerst der Verteidigungsminister Vladimir Padrino López zu Wort gemeldet: Das venezolanische Volk sei „Ziel der verbrecherischsten militärischen Aggression seitens der Regierung der USA geworden“. Er kündigte einen „massiven Einsatz aller Land-, Luft-, Marine-, Fluss- und ballistischer Mittel“ an.
Die Kommunistische Partei Venezuelas (PCV) verurteilte die Angriffe des US-Imperialismus und ruft zu Solidaritätsaktionen auf: „Angesichts dieser Lage ruft die PCV die kommunistische und Arbeiterbewegung international, die Volks-, Demokratie- und Antiimperialismuskräfte der Welt auf, sich sofort gegen diese neue und gefährliche militärische Offensive zu mobilisieren und aktive Solidarität mit dem venezolanischen Volk zu zeigen. Hinaus mit dem imperialistischen Stiefel aus Venezuela und Lateinamerika!“
Internationale Reaktionen
Kaja Kallas, Vizepräsidentin der EU-Kommission und Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, betonte nach ihrem Gespräch mit US-Außenminister Marc Rubio die fehlende Rechtmäßigkeit von Maduros Präsidentschaft: „Die EU hat wiederholt erklärt, dass Herr Maduro keine Legitimität besitzt, und hat sich für einen friedlichen Übergang eingesetzt.“
Die deutsche Regierung hat sich bisher noch nicht öffentlich zu den Angriffen geäußert. Im Laufe des Tages soll allerdings der Krisenstab der Bundesregierung zusammentreten. „Wir beobachten die Lage in Venezuela sehr aufmerksam und verfolgen die aktuellen Meldungen mit größter Sorge“, heißt es laut Tagesschau im Auswärtigen Amt. Die Lage sei derzeit „in Teilen noch unübersichtlich“.
Der Präsident von Venezuelas Nachbarland Kolumbien, Gustavo Petro, verurteile die Angriffe in mehreren Erklärungen auf X. Auch der kubanische Präsident Miguel Diaz-Canel Bermudez bezeichnete die „kriminellen Angriffe“ auf Venezuela als „staatlichen Terrorismus“.
Das russische Außenministerium verurteilte ebenfalls den „Akt bewaffneter Aggression“ und erklärte in einem Statement: „Wir bekräftigen unsere Solidarität mit dem venezolanischen Volk und unsere Unterstützung für die Politik seiner Führung, die darauf abzielt, die nationalen Interessen und die Souveränität des Landes zu verteidigen.“
Monatelange Drohungen und Angriffe
Seit September hatte das US-Militär immer wieder vermeintliche Drogenschmugglerboote vor der Küste bombardiert. Bei insgesamt 33 Luftschlägen wurden mindestens 115 Menschen getötet. Die offizielle Begründung der US-Regierung ist die Bekämpfung des Drogenhandels. Trump bezeichnete Maduro in diesem Zuge als „globalen Terrorführer“ und Kopf eines Drogenkartells.
In den folgenden Wochen zog das US-Militär im Zuge der Operation Southern Spear zahlreiche Kriegsschiffe und Luftstreitkräfte vor der Küste Venezuelas zusammen, darunter auch den größten US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford.
Eine Invasion galt bisher jedoch als unwahrscheinlich, da die Truppenpräsenz vor der Küste mit rund 15.000 Soldat:innen als „lächerlich gering“ galt. Für eine effektive Invasion bräuchte es nach Einschätzung des venezolanischen Forschers Jesus Renzullo vom German Institute for Global and Asia Studies (GIGA) wenigstens 100.000 Soldat:innen
Im Dezember hatten die USA dann mehrere Öltanker vor Venezuela beschlagnahmt. Zuvor hatte US-Präsident Trump am 16. Dezember eine Blockade all derjenigen Öltankschiffe angeordnet, die auf US-Sanktionslisten stehen würden.
Laut Berichten von CNN hatte die CIA im Dezember bereits Drohnenangriffe auf einen Hafen an der venezolanischen Küste durchgeführt.
US-Hegemonie über amerikanischen Kontinent
Mitte Dezember veröffentlichte die Trump-Regierung dann ihre neue Nationale Sicherheitsstrategie. Als Teil davon soll es eine Wiederbelebung der sogenannten Monroe Doktrin geben. Dabei geht es um einen geostrategischen Fokus auf die westliche Hemisphäre, besonders den amerikanischen Kontinent.
Die USA wollen dafür die Kontrolle über die strategischen Standorte des Kontinents erlangen und verhindern, dass ausländische Mächte in ihrem Interessengebiet eingreifen oder kritische Infrastruktur dort übernehmen. Ebenso solle die „Massenmigration“ in die USA verhindert werden.
Das erklärte Ziel der US-Regierung für Venezuela ist dabei die Absetzung des Präsidenten Nicolas Maduro. Stattdessen will sie die kürzlich Friedensnobelpreisträgerin MarÃa Corina Machado als Präsidentin installieren. Sie hatte ihren Preis auch dem US-Präsidenten gewidmet: „Ich widme diesen Preis dem leidenden Volk Venezuelas und Präsident Trump für seine entschlossene Unterstützung unserer Angelegenheit.“
Friedensnobelpreis für Machado – eine Legitimation für den nächsten Putsch
Zudem hatte sie bereits offen Sympathien für eine US-Invasion geäußert und einen Sturz Maduros gefordert. Machado sieht für Venezuela weitreichende neoliberale Reformen und eine Privatisierung der Wirtschaft vor, die US-amerikanischen Interessen zugute kommen würden. „Wir sprechen über eine Chance, eine Geschäftsmöglichkeit, von mehr als 1,7 Billionen Dollar. Das ist einzigartig“, hatte sie im Oktober auf dem Fortune Global Forum erklärt.
Die Feindlichkeiten der USA gegenüber Venezuela reichen Jahrzehnte zurück. Unter dem früheren Präsidenten Hugo Chávez, der 1999 ins Amt kam, wurde der Zugriff US-amerikanischer Konzerne auf die Ölreserven Venezuelas beschränkt. Zudem baute der von sozialistischen Ideen beeinflusste Präsident enge Beziehungen zu anderen karibischen Staaten wie Kuba auf, um der US-Hegemonie etwas entgegenzusetzen.
Demonstrationen gegen US-Operation
In verschiedenen Städten in Deutschland finden am Samstag bereits Demonstrationen gegen die US-Operation auf Venezuela statt.
Stand: 03.01.25, 19:00 Uhr

