Die Verwicklungen der Deutschen Bank in Jeffrey Epsteins Geschäfte

Im Jahr 2013 kündigt die größte Bank der USA Jeffrey Epstein. Der Grund: verdächtige Transaktionen und Hinweise auf Menschenhandel. Daraufhin wirbt ihn die Deutsche Bank. Auch Donald Trump wird Kunde.

Zwischen 2000 und 2013 war Jeffrey Epstein Kunde bei JP Morgan, dem größten Kreditinstitut der USA. Obwohl er schon im Jahr 2008 aufgrund von Anstiftung zur Prostitution einer Minderjährigen zu 18 Monaten Haft verurteilt wurde, unterhielt die Bank Epsteins Konten weiter.

Erst nach mehreren internen Verfahren und Warnungen durch Mitarbeitende kündigte JP Morgan im Jahr 2013 die Zusammenarbeit mit Jeffrey Epstein auf. Als Rechtfertigung werden Reputationsgründe genannt.

Im selben Jahr umwarb die Deutsche Bank den Banker Paul Barrett – bei JP Morgan für die Leitung der „Key Clients Partner“ zuständig. Dies ist die Gruppe Bankangestellter, die für Investitionen der reichsten Kund:innen, unter anderem auch Jeffrey Epstein, zuständig war.

Laut internen Dokumenten der Deutschen Bank hatte Barrett auch abseits der Geschäfte einen engen Draht zu Epstein. Obwohl der Abwerbeversuch bezüglich Barrett scheiterte, wurde Epstein im Jahr 2013 Kunde bei der Deutschen Bank.

Deutsche Bank begeistert über Epsteins Netzwerk

Zwischen 2013 und 2018 unterhielt Jeffrey Epstein mehr als 40 Konten bei der Deutschen Bank. Dort soll der Großteil seines Vermögens verwahrt worden sein. Des Weiteren soll die Bank nicht nur aufgrund des hohen Vermögens an einer Zusammenarbeit mit Epstein interessiert gewesen sein. Denn Epstein hatte durch sein weitgefächertes Netzwerk auch interessante Kontakte zu einer Vielzahl anderer Milliardär:innen.

So soll im Jahr 2015 ein Treffen zwischen Epstein und mehreren führenden Vermögensberater:innen der Privatkundenabteilung der Deutschen Bank stattgefunden haben, in dem Epstein als Berater im Umgang mit Superreichen fungierte.

So konnte die Deutsche Bank den gescheiterten Abwerbeversuch des führenden Beraters bei JP Morgan ausgleichen und stattdessen Epstein als Vermittler und Berater für Geschäfte mit Privatkunden nutzen. Im Gegenzug verwaltete die Bank sein Vermögen und soll ihm außerdem lukrative Exklusivangebote wie zum Beispiel den Kauf mehrerer tausend Twitter-Aktien angeboten haben.

Kaum Konsequenzen für Epstein-Verstrickungen bis in die EU-Elite

Erneute Vorwürfe 2014 – ohne Konsequenzen

Im Jahr 2014 schließlich veröffentlichten über 40 Frauen Missbrauchsvorwürfe gegen Epstein. Daraufhin sollen interne Gespräche über die Zusammenarbeit stattgefunden haben, die aber ohne Ergebnis blieben. Erst 2015 wird eine umfangreiche interne Risikoprüfung eingeleitet. Diese kommt lediglich zum Ergebnis, dass Epstein zwar ein hohes Reputationsrisiko darstelle, eine weitere Zusammenarbeit jedoch weiterhin möglich sei, sofern genauer auf verdächtige Transaktionen geachtet würde.

Inwiefern diese genauere Betrachtung verdächtiger Transaktionen wirklich durchgeführt wurde, lässt sich nur schwer sagen. Die New York Times sprach im Jahr 2019 mit mehreren Whistleblowern darüber. Ihnen zufolge sollen Geldwäschevorgaben nicht ernsthaft verfolgt worden sein.

Eine weitere ehemalige Anti-Geldwäsche-Beauftragte berichtet gegenüber dem FBI, dass die Untersuchung von Top-Kunden durch bestimmte Einstufungen der Konten erheblich erschwert worden seien. Nach eigener Aussage wurde die Compliance-Beauftragte der Deutschen Bank aufgrund der Weiterleitung dieser Informationen gekündigt. Zu diesen Vorwürfen äußerte sich die Deutsche Bank nicht.

Donald Trumps Vermögen bei der Deutschen Bank

Nach einer Anfrage über ihre Kundenbeziehungen zu Epstein beteuert die Deutsche Bank, die Geschäftsbeziehungen „zutiefst [zu] bedauern“ und „aus diesem Fehler gelernt“ zu haben. Doch mehr als leere Phrasen und dem Versprechen, in Schulungen und Kontrollen zu investieren, konnte die Bank nicht bieten.

Einen weiteren Fall, in dem ein Top-Kunde vor unliebsamen Untersuchungen geschützt worden sein soll, stellt die Kontroverse um den Ursprung des Vermögens von Donald Trump dar: Auch dieser war langjähriger Kunde bei der Deutschen Bank. Aus den jüngsten Epstein-Akten geht nun erstmals hervor, wie viel Vermögen der amtierende US-Präsident bei der Deutschen Bank angelegt hatte. Nach einer Top 50-Kundenliste lagerte er im Jahr 2014 mehr als 200 Millionen Dollar auf Konten der Deutschen Bank – ein Vermögen, das der Bank einen Gewinn von ca. einer Million Dollar pro Jahr versprach.

Auch in diesem Fall äußerte sich die ehemalige Compliance-Mitarbeiterin der Deutschen Bank, die ebenfalls für die Untersuchung der Konten mehrerer Angehöriger der Trump-Familie zuständig war. Auch dort sollen Schwierigkeiten bei der Rückverfolgung des Vermögens aufgetreten sein. Diese Untersuchung, die den Ursprung des angelegten Gelds feststellen soll, gilt als notwendige Information, um Geldwäsche-Risiken vorzubeugen.

Das Verfahren soll dabei durch verschiedene Sonderregelungen der Bank behindert worden sein: So galt Trump als „covered client“, ein Status, der besondere Rechte in Sachen Privatsphäre mit sich brachte. Nur ausgewählte Mitarbeiter:innen konnten die Informationen des Kontos einsehen. Die Compliance-Abteilung soll dieses Recht nicht bekommen haben, was die Untersuchung erheblich erschwerte.

„Epstein Files“: Die Akten, die geheim bleiben sollen

Skrupellos auf der Suche nach Profit

In beiden Fällen, sowohl bei Epstein als auch bei Trump, zeichnet sich ein relativ klares Handlungsmuster der Deutschen Bank ab: Schon bei der Vertragsschließung waren Vergehen der potenziellen Kunden entweder öffentlich oder vermutbar. Epsteins Konten bei JP Morgan waren gerade aufgrund von dubiosen Geschäften aufgekündigt worden, und auch Trumps erste Beziehungen zur Deutschen Bank in den 1990ern entstanden zu einem Zeitpunkt, als dieser in Geldnot geriet.

Zudem hatten mehrere Frauen den beiden Männern sexualisierte Gewalt vorgeworfen, Epstein war im Jahr 2008 sogar bereits dafür verurteilt worden. All dies führte aber weder zu genaueren Überprüfungen oder gar einer Absage. Vielmehr griff man diese „Notlagen” dankend auf, um neue Top-Kunden für sich zu gewinnen.

Das größte Risiko, das dabei eingegangen wurde, war kein finanzielles. Wie aus internen Dokumenten vermehrt hervorgeht, ging es allein ums „Reputationsrisiko“. Die Kündigung von Epsteins Konten wurde zwar bereits 2018 mitgeteilt, aus den veröffentlichten Epstein-Akten lassen sich jedoch noch bis Mitte 2019 Transaktionen auf seinen Konten finden. Die endgültige Schließung wurde erst nach der Verhaftung Epsteins vorgenommen.

Auch Trumps Konten und Kredite blieben trotz einiger Verwerfungen und Gerichtsprozesse zwischen ihm und der Deutschen Bank bis zum Januar 2021 aktiv. Erst in Reaktion auf seine verlorene Wahl und den darauffolgenden Sturm auf das Kapitol in Washington distanzierte sich die Bank von Trump.

Die Lösung aller Probleme: Geld

Die Verwicklung der Deutschen Bank in Epsteins Geschäfte regte natürlich auch die Aufmerksamkeit der US-amerikanischen Finanzaufsichtsbehörden. Diese verhängten im Jahr 2020 eine Strafe von 150 Millionen Dollar gegen die Bank (im Vergleich zu anderen Strafen ein eher mildes Urteil). Auch die Betroffenen des Systems Epstein klagten gegen die Deutsche Bank, und auch in diesem Prozess wurde die Bank für schuldig befunden. Den Betroffenen wurde eine Zahlung von 75 Millionen Dollar zugesprochen.

Die Bilanz der internen Aufarbeitung des Falls lässt sich nicht genau festmachen: Einerseits beteuert die Deutsche Bank, operative Prozesse nachbessern und personelle Konsequenzen ziehen zu wollen. Andererseits setzte sie solche bislang nur gegen Mitarbeitende durch, die unliebsame Informationen weiterleiteten, wie gegen besagte ehemalige Anti-Geldwäsche- bzw. Compliance-Beauftragte.

„Ich möchte, dass die Deutsche Bank die Verantwortung für das übernimmt, was sie mir angetan hat.“

Fabrizio Campelli hingegen, ein Spitzenmanager der Deutschen Bank, kommentierte im April 2017 eine Erhöhung von Epsteins Einlagen noch mit „excellent well done„. Heute ist er weder entlassen, noch scheint es eine interne Aufarbeitung gegeben zu haben. Laut Medienberichten wird er heute gar als Vize-Chef der Deutschen Bank gehandelt.

So zeigt sich, wie die großen Banken im globalen kapitalistischen System um Superreiche, Milliardäre, Top-Kunden werben, nur um möglichst viel Kapital auf sich zu vereinen. Dabei schauen sie getrost über dubiose Transaktionen oder Vorwürfe sexualisierter Gewalt hinweg. Allein in Ausnahmefällen, wie Epsteins Verhaftung wegen Menschenhandels, sehen sie sich ab einem gewissen Punkt gezwungen, die Reißleine zu ziehen. Das maximale Risiko, das in diesem Fall eingegangen wird, bleibt eine – häufig bereits einkalkulierte – Geldstrafe.

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