US-Präsident Donald Trump hat das erste Treffen seines „Board of Peace“ abgehalten. Geplant sind Milliardeninvestitionen in Infrastruktur und Immobilien und internationale Truppen in Gaza. Palästinenser:innen bleiben außen vor, Israel begrüßt das Vorhaben – während der Genozid in Gaza weitergeht.
In Washington wurde am Donnerstag das erste Treffen von Donald Trumps „Board of Peace“ („Friedensrat“) veranstaltet. Die Teilnehmer:innen erörterten, wie sich die Pläne des amerikanischen Präsidenten für Gaza in die Tat umsetzen ließen.
Der sogenannte Friedensrat wird von US-Präsidenten Donald Trump als Vorsitzendem auf Lebenszeit angeleitet. Im achtköpfigen Vorstand (Executive Board) befinden sich jedoch auch weitere Politiker, Kapitalisten und Unternehmer aus der Immobilienbranche: So sind Marc Rowan (CEO von Apollo Global Management), Jared Kushner (Trumps Schwiegersohn, Kapitalist und Investor), Ajay Banga (Präsident der Weltbank), Marco Rubio (US-Außenminister) und sogar Tony Blair (ehemaliger Premierminister des Vereinigten Königreichs) Teil dessen.
Vertreten waren bei dem ersten Treffen des Board of Peace neben den USA auch verschiedene Regionalmächte und kleinere Verbündete der USA: Die Türkei, Ägypten, Saudi-Arabien, Pakistan und Indonesien gehören dabei in die erste Kategorie, während El Salvador, Jordanien oder der Kosovo eher Anhängsel des amerikanischen Imperialismus sind. Auch der Staat Israel ist Mitglied des sogenannten Friedensrats. Neben den Ländern, welche die Einladung der USA angenommen haben, haben auch eine Reihe an Ländern das Angebot abgelehnt. Eingeladen wurde auch Russland.
Sieben Milliarden Dollar, Truppen und Polizei
Wie Trump im Meeting bekannt gab, haben Kasachstan, Aserbaidschan, Marokko, Bahrain, Katar, Saudi-Arabien, Usbekistan, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gemeinsam mehr als 7 Milliarden US-Dollar zu einem Hilfspaket beigetragen. Die USA selber wollen 10 Milliarden US-Dollar beitragen. Schätzungen zufolge braucht es jedoch mindestens 70 Milliarden US-Doller, um Gaza wieder aufzubauen.
Bei diesem ersten Treffen am Donnerstag wurde auch beschlossen, dass einige Mitgliedsstaaten Soldat:innen für eine sogenannte „Stabilisierungstruppe“, die sogenannte Internationale Stabilisierungseinheit (ISF), stellen werden: Marokko, Kasachstan, Kosovo, Albanien und die Türkei haben bereits angekündigt, Truppen nach Gaza zu entsenden.
US-General Jasper Jeffers wurde vom Trump-Rat zum Leiter der Einheit ernannt: „Unser Plan sieht vor, dass die ISF in fünf verschiedenen Sektoren eingesetzt wird, wobei jeder Sektor eine ISF-Brigade erhält. Kurzfristig planen wir zunächst den Einsatz im Rafah-Sektor, zusätzlich zur Ausbildung der Polizei“, so Jeffers.
Ferner wollen die unmittelbar angrenzenden Staaten Ägypten und Jordanien Polizeikräfte für das palästinensische Küstengebiet ausbilden.
Bebauung Gazas geplant
Das Board of Peace plant laut US-Präsident Trump ein riesiges Immobilienprojekt in Gaza: Zunächst sollen in Rafah 100.000 Wohnungen für 500.000 Menschen gebaut und 5 Mrd. US-Dollar in Infrastruktur investiert werden. Langfristig sind 400.000 Wohnungen für die gesamte Bevölkerung sowie über 30 Mrd. US-Dollar für Infrastruktur vorgesehen. Ein Promo-Video zeigte funkelnde Türme, künstliche Wasserwege und Straßen, die Gaza „mit Ägypten, Israel, Saudi-Arabien, den VAE sowie bis nach Indien und Europa“ verbinden sollen. Der Gesamtwert wird auf 115 Mrd. US-Dollar geschätzt.
Nicht erwähnt wurde, wo die Palästinenser:innen während der Bauphase wohnen sollen oder wie die neuen Immobilien ünerhaupt verteilt werden.
Positive Reaktionen aus Israel
Israel zeigt sich positiv gegenüber dem Board of Peace: Trump habe „den ersten Plan zur Bekämpfung der Wurzel des Problems“ vorgelegt, so der israelische Entsandte Gideon Saar, und verwies auf die „Entwaffnung von Hamas und Islamischem Dschihad, die Entmilitarisierung des Gazastreifens sowie die Deradikalisierung der palästinensischen Gesellschaft vor Ort“.
Auch Deutschland hatte hochrangiges Personal zum Treffen des Board of Peace entsandt.
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Gaza unter Fremdherrschaft
Nicht im Board of Peace vertreten sind hingegen die betroffenen Palästinenser:innen – dafür aber Israel, dessen Regierung offen Annexions- und Vertreibungsfantasien vorantreibt und seit über zwei Jahren einen Genozid gegen die palästinensische Bevölkerung begeht. Bereits im Vorfeld hatte Israel die Präsenz der Türkei und Katar im Board of Peace kritisiert.
UN-Alternative: „Friedensrat“ als imperialistischer Golfclub der USA?
In seiner Anfangsrede lobte der US-Präsident das im Oktober in Kraft getretene „Waffenstillstandsabkommen“ und behauptete, der „Krieg in Gaza sei beendet“. Dabei hat Israel den Waffenstillstand zwischen dem 10. Oktober 2025 und dem 10. Februar 2026 laut dem Government Media Office in Gaza mindestens 1.620 Mal verletzt – unter anderem durch Luftangriffe, Artilleriebeschuss und direkte Schüsse.
Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums in Gaza wurden bis zum 16. Februar mindestens 72.063 Todesopfer registriert. Jedoch geht man davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Getöteten sogar noch darüber liegt.

