Fake-Anzeige im Netz: Hunderte Männer würden schlafende Frau vergewaltigen

Der Sexualstrafstäter Dominique Pelicot hat seine Ehefrau Gisèle über Jahre hinweg fremden Männern im Internet zur Vergewaltigung angeboten. Die Recherche eines kanadischen Journalisten zeigt: Gewaltfantasien gegenüber Frauen im Netz sind schon lange zur Normalität geworden.

Der Fall rund um die Französin Gisèle Pelicot erlangte spätestens im letzten Jahr internationale Bekanntheit. In einem der größten Prozesse in Frankreichs Geschichte klagte die mittlerweile 74-Jährige gegen ihren geschiedenen Ehemann und 50 weitere Täter – sie alle sollen Pelicot über Jahre hinweg schwer vergewaltigt haben. Der geschiedene Ehemann, der die schweren Gewalttaten organisiert sowie danach akribisch gefilmt und dokumentiert hat, wurde mittlerweile zu 20 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Gisèles Tochter Caroline Darian äußerte im Rahmen des Prozesses, dass der Fall wohl nur die Spitze des Eisbergs darstellen würde. Der kanadische Journalist Hugo Meunier startete daraufhin eine Recherche. Mit einer Fake-Annonce auf einer Dating-Plattform bot er seine fiktive schlafende Frau zur Vergewaltigung an. Nur zwei Tage später hatten sich bereits über 100 Männer gemeldet.

Vergewaltigungsfantasien im Netz

Wie die Recherche auf savoir.media zeigt, stellte der Journalist Meunier in seiner Annonce dieselben Bedingungen, die auch Dominique Pelicot an die etlichen Täter stellte. Sie sollen kein Parfüm tragen und außerdem nicht nach Tabak riechen, damit die Betroffene nach dem Fall nichts von der Gewalttat mitbekommt. Gisèle Pelicot selbst stand während der über 200 Vergewaltigungen unter starkem Alkohol- und Drogeneinfluss.

Frankreich: Verurteilungen im Fall Pelicot

Doch die über 100 Männer, die sich bei Meunier gemeldet hatten, beließen es nicht nur bei Interessensbekundungen. Er berichtet, dass sie zum Teil sehr detailliert erzählten, was sie mit der schlafenden Frau vorhatten. Einige schickten wohl auch Videos, auf denen sie masturbierten und offen ihr Gesicht zeigten.

Die Fake-Anzeige selbst wurde zwei Wochen später von der kanadischen Dating-Plattform gesperrt, auch mehrere Männer wurden blockiert. Seitdem wendet sich Meunier seit Ende letzten Jahres mit der Recherche an die Öffentlichkeit – in dem Wissen, dass diese selbst wohl wenig ändern wird.

Schweden: Mann zwingt Frau zum Sex mit über 100 Männern

Nicht nur die Recherche zeigt, dass die patriarchalen Gewalttaten rund um den Fall Pelicot keine Einzelfälle waren. Erst vor wenigen Tagen zeigten Ermittlungen aus Schweden, dass ein Mann über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren seine Frau zum Sex mit über 100 anderen Tätern gezwungen haben soll.

Auch der Schwede bot dabei den Körper seiner Frau über eine Website an, was scheinbar auf großes Interesse stieß. Und auch die betroffene Frau hat in Bezug auf die Gewalttaten Erinnerungslücken, da sie immer wieder unter dem Einfluss von Drogen stand.

Frauen leisten Widerstand gegen Gewalt und Unterdrückung

Bis zuletzt stieg die Zahl von registrierten Fällen von Gewalt an Frauen in Deutschland an. Eine kürzlich erschienene Studie beleuchtet außerdem Teile des massiven Dunkelfelds im Bereich der patriarchalen Gewalt: So werden geschätzt über 90 Prozent der häuslichen und sexualisierten Gewalttaten weder staatlich erfasst noch juristisch verfolgt.

Gewalt in Deutschland: Studie beleuchtet das riesige Dunkelfeld

International ist aber auch zu beobachten, dass sich in den vergangenen Jahren immer mehr Frauen gegen die gewaltsamen Auswirkungen von Kapitalismus und Patriarchat zur Wehr setzen. Sei es in den verschiedenen Bewegungen unter Mottos wie #MeToo und „Ni una menos“ („Keine mehr“) oder zu dem alljährlichen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November.

Im Zuge dessen ist besonders Gisèle Pelicot zu einer Art Vorbild im Kampf gegen sexualisierte Gewalt an Frauen geworden. Sie entschied sich – ungewöhnlicherweise – bewusst dazu, den Prozess gegen die Gewalttäter öffentlich zu führen. Das vor allem mit dem Ziel, sich selbst als Betroffene aus der zugewiesenen „Opferrolle“ zu lösen. „Die Scham muss die Seite wechseln“, so Pelicot.

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