Islamabad: Anschlag in Pakistan führt erneut zu Spannungen mit Indien

Ein Anschlag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad tötete über 30 Menschen. Der Islamische Staat bekannte sich, doch Pakistan wirft auch Indien Verstrickungen vor. Deutschland verdient derweil mit Waffenlieferungen an beide Konfliktparteien.

Am Freitag beklagte Pakistan einen Terroranschlag in seiner Hauptstadt Islamabad durch einen Selbstmordattentäter. Dieser nahm 31 Menschen das Leben und verletzte mindestens 169. Zu dem Anschlag bekannte sich einige Stunden später der pakistanische Ableger des sogenannten Islamischen Staats (IS). Der Anschlag selbst wurde bei der schiitischen Khadija Tul Kubra-Moschee während des Freitagsgebets verübt.

Dieser Angriff reiht sich ein in eine ganze Reihe von Anschlägen innerhalb Pakistans in den vergangenen Monaten. Der Attentäter des jüngsten Anschlags soll dabei aus Afghanistan eingereist sein. Der Verdacht der pakistanischen Behörden liegt nahe, dass die Taliban, die seit 2021 in Afghanistan an der Macht sind, diese Anschläge unterstützen. Diese bestreiten jedoch jegliche Beteiligung.

Explosionen und Bombenanschläge in Pakistan und Indien

Denn der IS ist nicht die einzige islamisch-fundamentalistische Organisation, die für Anschläge in den letzten Jahren und Monaten verantwortlich ist. Auch in Pakistan gibt es einen Ableger der Taliban, die Pakistan in einen fundamentalistischen Staat ähnlich wie Afghanistan umbauen wollen.

Spannungen mit Indien – Gibt es eine Verbindung?

Neben den Verbindungen, die es nach Afghanistan geben soll, vermutet Pakistan auch von Indien unterstützte Gruppen hinter diesem und anderen Anschlägen. Der pakistanische Innenminister Mohsin Naqvi erklärte, Pakistan habe „Beweise mit Nachbarländern geteilt, die zeigen, dass der Terrorismus in Pakistan von Indien unterstützt wird“.

Dies bestreitet die indische Regierung und verurteilte im Gegenzug den Anschlag auf die Moschee: „Es ist bedauerlich, dass Pakistan, anstatt sich ernsthaft mit den Problemen auseinanderzusetzen, die sein gesellschaftliches Gefüge belasten, sich dafür entscheidet, sich selbst zu täuschen, indem es anderen die Schuld für seine hausgemachten Probleme gibt. Indien weist jede einzelne dieser Anschuldigungen zurück.“

Beide Länder stehen sich seit langem feindlich gegenüber. Vor weniger als einem Jahr fand ein Terroranschlag im indisch besetzten Teil Kaschmirs statt. Danach suchte Indien die Schuld für den Anschlag bei Pakistan und eskalierte den Konflikt militärisch.

Kriegerische Eskalation zwischen Indien und Pakistan

Auch wenn sich die Lage seitdem wieder entspannt hat, sind Anschläge in Indien und Pakistan keine Seltenheit. Angesichts der langjährigen Feindschaft beider Staaten wird jeweils ein Eingreifen des anderen vermutet. Zuletzt fanden Anfang November kurz nacheinander Anschläge sowohl in Delhi (Indien) als auch in Islamabad statt, die insgesamt 25 Menschen töteten. Dahinter steckten ebenfalls islamisch-fundamentalistische Gruppen.

Deutsche Unterstützung für Indien

Doch auch Deutschland lässt sich trotz der Distanz nicht aus den Konflikten herausrechnen. So sind Deutschland und die EU zuletzt sehr viel enger mit der indischen Regierung in Austausch getreten. So wurde Anfang Februar zwischen der EU und Indien die größte Freihandelszone der Welt vereinbart.

Rüstungsexporte und Handelsabkommen: Merz zu Besuch in Indien

Bei einem Treffen zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Indiens Präsident Narendra Modi im Januar wurde zudem ein neues Rüstungsabkommen über 8 Milliarden Euro geschlossen. Vorwiegend geht es bei dem Deal um U-Boote der Kieler Rüstungsfirma TKMS. Daneben bekräftigten sie die gemeinsame Produktion militärischer Ausrüstung sowie einen engeren Austausch zwischen den Streitkräften, wozu auch gemeinsame Übungen gehören sollen. Wenige Monate zuvor hatte die Bundesregierung bereits Exportbeschränkungen für 110 Rüstungsgüter aufgehoben, unter anderem von der Handfeuerwaffe MP5 von Heckler & Koch.

Die deutschen Waffen werden vom indischen Militär auch eingesetzt: Mit deutschen Waffen im Inventar führt der indische Staat einerseits einen Bürgerkrieg gegen kommunistische Kräfte im Innern. Aber auch in aktiven militärischen Auseinandersetzungen wie gegen Pakistan könnten deutsche Waffen zum Einsatz kommen. Gleichzeitig exportiert Deutschland auch Rüstungsgüter nach Pakistan und verdient somit auf beiden Seiten des Konflikts.

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