Israel und USA greifen den Iran an

Die USA und Israel starteten am Morgen ihre sich anbahnende militärische Offensive gegen den Iran. Das iranische Militär sowie verbündete Kräfte reagieren mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel und US-Stützpunkte in der Region.

Am Samstagmorgen gegen 8:00 Uhr deutsche Ortszeit begannen Israel und die USA einen Angriff auf den Iran in Form von Luftangriffen auf diverse Ziele. Besonders im Fokus stehen Regierungsgebäude in Teheran. So wird unter anderem von Angriffen auf das iranische Parlament, Gebäude des Nationalen Sicherheitsrats, des Geheimdienst-Ministeriums und der Atomenergiebehörde berichtet.

Auch die Armee-Zentrale wurde angegriffen. Zudem berichten israelische Nachrichten von der Tötung Amir Hatimis – dem Oberbefehlshaber der iranischen Armee (Artesch). Ob diese Ereignisse in Verbindung stehen, ist unklar. Ebenso gibt es Berichte über einen erfolgreichen Schlag gegen Mohammad Pakpour – den Oberbefehlshaber der Islamischen Revolutionsgarde (Pasdaran oder IRGC). Die iranischen Streitkräfte wiederum berichten, dass „Kommando- und Kontrollstrukturen völlig intakt“ seien und zahlreiche Attentate verhindert wurden. Außerdem sei kein hochrangiger Kommandant der Armee getötet worden, zur Revolutionsgarde gibt es keine Angabe.

Insgesamt scheinen ranghohe iranische Politiker:innen und Militärs Ziele mit besonders hoher Priorität zu sein. Quellen aus Washington berichten, dass gezielt Gebiete angegriffen wurden, in denen der Ayatollah Ali Chamenei vermutet wird. Ali Shamkhani – ein leitender Berater – soll derweil bereits durch einen Luftangriff getötet worden sein.

Doch nicht nur Teheran ist von den israelischen und US-amerikanischen Angriffen betroffen. Gleichzeitig gibt es Angriffe auf diverse weitere iranische Ziele – darunter wohl auch Bushehr, wo ein russisches Nuklearkraftwerk betrieben wird.

Al Jazeera, CC BY-NC-SA 4.0

Irans Reaktion: Angriffe auf Israel und US-Stützpunkte

Die iranische Regierung sieht derweil nicht tatenlos zu. In Reaktion verkündeten die iranischen Streitkräfte: „Wir werden Israel und Amerika eine Lektion erteilen, die sie nie in ihrer Geschichte erlebt haben.“ Ein hochrangiger Beamter erklärte außerdem „alle amerikanischen und israelischen Einrichtungen und Interessen im mittleren Osten“ zum legitimen Ziel: „Es gibt keine roten Linien nach dieser Aggression und alles ist möglich, auch Szenarien, die zuvor nicht überlegt wurden.“

Ganz in diesem Sinne fliegen seit Samstagmorgen zahlreiche Drohnen- und Raketenangriffe auf US-Militärbasen in der Region, darunter unter anderem solche in Bahrain, Kuwait, Saudi Arabien und Jordanien, sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten(VAE). Bei den Angriffen auf die US-Militärbasis in Abu Dhabi (VAE) soll es auch zu Verlusten auf US-amerikanischer Seite gekommen sein.

Ebenso Ziele in Israel werden wiederholt attackiert. Zwar werden die meisten Raketenangriffe durch Israels Abwehrsysteme abgefangen, trotzdem gibt es auch vermehrt Berichte von Treffern und Explosionen – so zum Beispiel in Tel Aviv. Bei den Angriffen scheint es bisher zu keinen Todesfällen in Israel gekommen zu sein, lediglich von einer Verletzung bei einem Angriff auf ein Wohngebäude wird berichtet.

Neben dem Iran selbst fliegen auch einige Verbündete in der Region Raketenangriffe auf Israel – so zum Beispiel die Huthis im Jemen oder die Hisbollah im Irak. Auf die Gegenangriffe soll Israel teils bereits mit eigenen Schlägen reagiert haben. Zudem intensiviert Israel schon seit einigen Tagen die Angriffe auf den Libanon und fährt diese im Zuge der Offensive noch weiter hoch.

Krieg gegen den Iran – beschlossene Sache?

Kampf gegen den „Terrorstaat“ – Trump und Netanjahu rechtfertigen Angriffe

Kurz nach dem Start der militärischen Offensive richtet sich US-Präsident Donald Trump mit einer Rede an die Öffentlichkeit. In dieser versucht er die gemeinsamen Angriffe Israels und der USA zu rechtfertigen.

Als ersten Punkt führt er hierbei die Bedrohung durch den „Terrorstaat“ Iran an und holt dabei weit aus: Von der Geiselnahme von US-Diplomat:innen im Verlauf der islamischen Revolution in 1979, über diverse militärische Angriffe auf US-Stützpunkte und -Streitkräfte, bis hin zum Aufbau und der Aufrechterhaltung verschiedener Proxy-Gruppen in der Region – Trump nennt eine Vielzahl an Beispielen, welche die iranische Aggression darstellen sollen.

Um den „weltweiten Nummer-eins-Staatssponsor von Terror“ zu beseitigen, brauche es diesen Angriff, so seine Argumentation. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu pflichtet ihm bei und erklärt, die Operation entferne eine „existenzielle Bedrohung“.

Atomdeal geplatzt, Angriffe als Konsequenz?

Vor allem gehe es aber – das betonen sowohl Trump als auch Netanjahu – darum zu verhindern, dass der Iran an Atomwaffen kommt. So erklärt Netanjahu, dass der Iran in den letzten Monaten weiterhin an einem Aufbau seines Atomwaffenprogramms arbeite und dieses unterirdisch, außerhalb der Reichweite von Luftangriffen stationiere. „Wenn wir sie jetzt nicht stoppen, werden sie unverwundbar“, argumentiert der israelische Ministerpräsident.

Bereits im Juni 2025 griff Israel den Iran auf Grundlage seines vermeintlich voranschreitenden Nuklearprogramms an. Auch die USA stiegen am 22. Juni 2025 in den Krieg ein und bombardierten iranische Atomanlagen. Wenige Tage später schlossen Israel und die USA einen Waffenstillstand, was den sogenannten 12-Tage-Krieg zunächst beendete. Nach den Angriffen der USA auf den Iran im Juni 2025 hatte Trump noch erklärt, dass das iranische Atomprogramm durch den Angriff „ausgelöscht“ worden sei.

Neue Stufe des Kriegs: USA greift Iran direkt an

 

Der Iran scheint mehrere im vergangenen Jahr beschädigte Einrichtungen für ballistische Raketen rasch instand gesetzt zu haben, während an den großen Atomanlagen, die von Israel und den Vereinigte Staaten angegriffen wurden, bislang nur begrenzte Reparaturen erfolgt sind. So wurden an mehr als der Hälfte der rund zwei Dutzend angegriffenen Atomanlagen Bautätigkeiten verrichtet, wobei die Satellitenbilder nur oberirdische Arbeiten zeigen.

Die neuen Angriffe der USA und Israels stehen vor allem auch im Kontext der Verhandlungen zu einem Atomdeal zwischen den USA und dem Iran. Die letzte Verhandlungsrunde fand am Donnerstag statt und endete ohne Ergebnis. Während die US-Regierung so nach eigener Angabe sicherstellen wollte, dass der Iran keine Nuklearwaffen herstelle, erklärte der iranische Außenminister Abbas Araghchi, die USA müsse von ihren „übermäßigen Anforderungen“ abrücken. Der Iran bestehe weiterhin auf seinem Recht, Uran anzureichern.

Eine Einigung schien also spätestens nach den ergebnislosen Verhandlungen am Donnerstag unwahrscheinlich, und die militärische Auseinandersetzung bahnte sich immer deutlicher an. Daran konnten auch Gespräche zwischen Vize-Präsident J.D. Vance und dem vermittelnden omanischen Außenminister Badr bin Hamad Al Busaidi unmittelbar vor den Angriffen nichts ändern.

Aufruf zur Machtübernahme

Dass die jetzigen Angriffe aber mehr bezwecken sollen, als die Herstellung von iranischen Atomwaffen zu verhindern, geben sowohl Donald Trump als auch Benjamin Netanjahu offen zu. Stattdessen soll die Offensive die iranische Regierung stürzen.

Dafür appellieren beide an die iranische Bevölkerung: „Die Stunde eurer Freiheit ist nahe“, erklärt Trump und fordert die Iraner:innen auf, die Kontrolle über die Regierung zu übernehmen, „wenn wir fertig sind“. „Das wird wahrscheinlich eure einzige Chance für Generationen sein“, behauptet Trump weiter, denn er sei der erste US-Präsident, der die Hilferufe der iranischen Bevölkerung erhöre.

Netanjahu bringt die Pläne für die Offensive in einer Videoansprache ganz deutlich auf den Punkt: „Zusammen mit den USA werden wir das Terror-Regime hart angreifen und die Umstände erschaffen, die es dem tapferen iranischen Volk erlauben, sich von diesem mörderischen Regime zu befreien.“

Während Trump und Netanjahu also von der Befreiung der iranischen Bevölkerung sprechen, werden jedoch mutmaßlich auch zivile Ziele angegriffen. Laut iranischen Staatsmedien starben so beispielsweise 40 Menschen bei einem Luftangriff auf eine Schule.

Auch fordern beide Staatsoberhäupter iranische Soldat:innen und Polizist:innen auf, ihre Waffen niederzulegen und sich zu ergeben. So werde die Sicherheit des iranischen Volks sichergestellt, erklärt Netanjahu. Trump verspricht denjenigen, die sich ergeben, sogar Amnestie. Ob diese Aufforderungen zur Machtübernahme beitragen oder lediglich die Militäroperation vereinfachen sollen, ist unklar.

Iranische Schwäche ausgenutzt

Auch der Zeitpunkt der Offensive wurde keinesfalls zufällig gewählt: Nicht nur wurde der Angriff bereits wochenlang durch eine massive Verstärkung der Militärpräsenz vorbereitet, vor allem soll er auch einen Moment der beispiellosen iranischen Schwäche ausnutzen.

Diese Schwäche hatte sich zum einen seit geraumer Zeit angebahnt: Sowohl die USA selbst, als auch vor allem Israel als ihr größter Verbündeter in Westasien hatten jahrelang systematisch daran gearbeitet, die vom Iran gestützten Proxy-Gruppen und strategischen Verbündeten in der Region zu schwächen und eigene Alternativen aufzubauen. Das zeigt sich unter anderem ganz konkret an Beispielen wie dem Sturz der Assad-Regierung, an den Militäroperationen gegen die Huthis oder auch an dem Völkermord in Gaza.

Darüber hinaus gab es zuletzt auch innenpolitisch eine sprunghafte Entwicklung im Iran, welche die iranische Regierung ins Straucheln brachte: Eine massive Protestwelle, ausgelöst durch die starke Inflation, fegte durch das gesamte Land und wurde mit der brutalen Niederschlagung und der Ermordung tausender Protestierenden erwidert. Doch auch mit diesem Einschüchterungsversuch gelang es der Regierung nicht, die Protestwelle zu ersticken – zuletzt hatten sich im Rahmen der Trauerphase für die Getöteten neue Proteste gebildet.

Wieder Proteste im Iran – Kurdische Kräfte machen sich bereit

Diese Schwäche wollen die USA und Israel nun nutzen, um die iranische Regierung vollends zu stürzen. Auch in diesem Kontext ist Trumps Bemerkung der „einzigen Chance für Generationen“ zu verstehen: Man will zuschlagen, bevor es der iranischen Regierung gelingt, sich neu aufzustellen und wieder zu einem stärkeren Widersacher zu werden.

Geostrategische Interessen im Vordergrund

Trumps und Netanjahus Worte machen also deutlich, dass das Ziel der Angriffe weit über das Verhindern von iranischen Atomwaffen hinausgeht. Auch das Handeln der beiden Regierungen in den Monaten und Jahren zuvor zeigt klar: Israel und die USA haben eigene geopolitische Interessen in Westasien, die es gilt umzusetzen.

Israel nutzt die Lage in Westasien seit dem 7. Oktober aus, um offensiv seine eigenen Interessen durchzusetzen und das auch mit größeren militärischen Operationen. Dabei führt Israel nicht nur einen Genozid gegen die palästinensische Bevölkerung in Gaza und treibt die Siedlungspolitik im Westjordanland voran, sondern mischt auch in anderen Ländern Westasiens stark mit: Seit der Machtübernahme der HTS-Übergangsregierung in Syrien im Dezember 2024 versucht Israel beispielsweise, seinen Einfluss in Syrien weiter auszubauen – vor allen Dingen auch, um einer weiteren Regionalmacht in Syrien, der Türkei, Konkurrenz zu machen. Auch bombardiert das israelische Militär den Libanon, um ebenso dort die vom Iran unterstützte Hisbollah zu schwächen.

Auch die USA verfolgen stringent ihre eigene Außenstrategie. Nicht nur durch die Beteiligung und das Gutheißen israelischer Aggressionen, sondern auch durch diplomatische und militärische Manöver, welche die eigene Position stärken und diejenige des stärksten regionalen Konkurrenten Iran schwächen sollen.

Insgesamt geht es darum, die Kontrolle über das geostrategisch enorm wichtige Gebiet Westasien vollends zu erlangen – ein Ziel, dem die USA näher sind als je zuvor. Sie soll es der US-Regierung ermöglichen, sich auf den Konflikt mit dem Hauptfeind China zu konzentrieren.

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