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Kaum Konsequenzen für Epstein-Verstrickungen bis in die EU-Elite

Im Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein gab es eine neue Welle an Veröffentlichungen vom US-Justizministerium. In den Dokumenten werden Verbindungen zu dutzenden Politiker:innen aus beiden großen Parteien der USA sowie zu Promis und Kapitalist:innen aufgedeckt. Auch international war Epstein wohl gut vernetzt – große Teile der Akten sind jedoch geschwärzt und Konsequenzen für mutmaßliche Mittäter bleiben aus.

Seit mehreren Jahren ist der Fall rund um den Sexualstraftäter und ehemaligen Finanzinvestor Jeffrey Epstein ein Thema von großem öffentlichem Interesse in den USA und außerhalb. Beide großen Parteien in den USA werfen sich gegenseitig vor, enge Verbindungen zu Epstein gehabt zu haben und an seinen Sexualstraftaten beteiligt gewesen zu sein. Donald Trump hat auch mit der Veröffentlichung der sogenannten „Epstein-Files“ Wahlkampf gemacht. Als er dann im Amt war, war er jedoch auf einmal gar nicht mehr so begeistert von der Veröffentlichung.

Nach großem öffentlichem Druck wurde dann im November letzten Jahres ein Gesetz verabschiedet, welches die Veröffentlichungen der Akten anordnete. Folglich wurde die erste Welle an Dokumenten – etwas verspätet und stark geschwärzt – Ende Dezember veröffentlicht. Die Schwärzungen dienen vermeintlich dem Schutz der Betroffenen. Doch vollständig enthüllte Dokumente zeigen, dass auch Verbindungen und Taten von Personen, die der Administration nahe stehen, geheim gehalten werden sollen.

„Epstein Files“: Verzögerte Veröffentlichung und weitreichende Schwärzungen

Neue Veröffentlichungen – auch europäische Namen tauchen auf

Vor wenigen Tagen gab es eine weitere Welle an Veröffentlichungen. Über drei Millionen weitere Seiten aus den Dokumenten sind nun auf der Website des Justizministeriums öffentlich einsehbar. Neben schon bekannten Namen wie Trump, Elon Musk, Bill Clinton und dem ehemaligen britischen Prinz Andrew sind auch neue Verbindungen bekannt geworden.

Interessant ist dabei vor allem, dass Epstein scheinbar international sehr gut vernetzt war. Zum Beispiel hatte er enge Beziehungen zu Mona Juul, einer der bekanntesten Diplomat:innen Norwegens, und ihrem Mann. Die Kinder des Paares sollen sogar als Erben von ca. 8,5 Millionen Euro in Epsteins Testament festgehalten sein.

Auch der ehemalige französische Kulturminister Jack Lang wurde in den Dokumenten erwähnt. Wie viele andere gab auch dieser an, dass seine Beziehung zu Epstein ausschließlich vor der Öffentlichmachung seiner Sexualstraftaten bestand und er von diesen nichts gewusst habe. Zusätzlich hatte Epstein zu dem langjährigen slowakischen Außenminister Miroslav Lajčák Kontakt.

„Epstein Files“: Die Akten, die geheim bleiben sollen

In einem der Dokumente heißt es außerdem, dass für Epstein Frauen und minderjährige Mädchen aus der ganzen Welt, beispielsweise aus der Türkei, Tschechien, verschiedenen Regionen in Asien und vielen weiteren Ländern, verschleppt wurden. Neben den Namen, die in diesem Artikel ausgelassen wurden, ist also noch von vielen weiteren Verbindungen auszugehen, die bisher noch nicht öffentlich bekannt wurden.

Insgesamt wird immer mehr deutlich, dass Epstein ein sehr breites Netz an Beziehungen zu hochrangigen Politiker:innen, Promis und Kapitalist:innen auf der ganzen Welt pflegte, auch über ein breites Spektrum an Parteien und politischen Einstellungen hinweg. Auch mit dem sich als links verstehenden Professor und Autor Noam Chomsky bestand anscheinend eine Freundschaft.

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Wirkliche Konsequenzen bleiben aus

Auch wenn nach der Veröffentlichung der Dokumente nun schwere Vorwürfe gegen hochrangige Politiker:innen und Personen des öffentlichen Lebens bestehen, bleiben wirkliche Konsequenzen bisher aus. Die einzigen zwei Personen, die in dem Prozess bisher Konsequenzen erfahren haben, sind Epstein selber, der 2019 tot in seiner Zelle aufgefunden wurde, sowie seine enge britisch-amerikanisch-französische Verbündete Ghislaine Maxwell, welche seit 2021 eine 20-jährige Haftstrafe absitzt.

Außerdem waren die „Konsequenzen“ weitestgehend symbolisch. Der ehemalige britische Prinz Andrew hat zum Beispiel seinen royalen Status verloren und die erwähnten Beamten in Norwegen und der Slowakei sind zurückgetreten. Auch Bill Clinton und seine Frau Hillary Clinton haben sich bereit erklärt, vor dem Kongress zu dem Fall auszusagen. Diese „Konsequenzen“ stehen jedoch in keinem Verhältnis zu der Schwere der Taten und der großen Anzahl der Betroffenen.

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