LGBTI+ feindliche Angriffe auf Schiedsrichter nach Heiratsantrag im Stadion

Ende Januar hatte der Schiedsrichter Pascal Kaiser vor einem Bundesligaspiel des 1. FC Köln seinem Partner einen Antrag gemacht. Nach der Veröffentlichung seiner Adresse wurde er Opfer von zwei Angriffen. LGBTI+ Personen werden besonders oft Opfer von Hasskriminalität.

Nachdem der 28-jährige Amateurschiedsrichter Pascal Kaiser vor einem Bundesligaspiel des 1. FC Köln Ende Januar seinem Partner einen Heiratsantrag gemacht hatte, wurde er Opfer von zwei LGBTI+ feindlichen Angriffen. Im Vorfeld des Angriffs war es online schon zu Gewaltandrohungen gegen den Schiedsrichter gekommen.

Dann kam es zum ersten körperlichen Angriff, bei dem Pascal Kaiser in einem kurzen Moment, in dem er vor die Tür trat, um zu rauchen, von drei Männern angegriffen wurde. Zuvor war seine Privatadresse veröffentlicht worden. Ein alter Arbeitgeber von Kaiser hatte sie ins Internet gestellt, mitsamt Anschuldigungen, dass dieser, als er bei ihnen gearbeitet hatte, 5.000 bis 6.000 Euro gestohlen habe.

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Wenige Tage später kam es dann zum zweiten Angriff auf Pascal Kaiser. Nachdem seine Fenster mit Steinen beworfen wurden, griffen ihn zwei Unbekannte vor seinem Haus an. Nach beiden Angriffen musste er im Krankenhaus behandelt werden.

Kaiser ist einer der wenigen sichtbaren queeren Personen im deutschen Männerfußball. In einem Interview im Jahr 2022 erklärte er offen, dass er bisexuell sei. Dabei erzählte er bereits von Beschimpfungen und dass er Angst habe, dass die verbalen Attacken irgendwann zu körperlichen Angriffen werden könnten.

Rolle von Polizei und Staatsanwaltschaft

Kaiser hatte sich vor beiden Angriffen an die Polizei gewendet. Doch diese bewertete vor beiden Vorfällen, dass keine unmittelbare Bedrohung vorliege, und ließ ihn dann allein. Neben der fehlenden Hilfe der Polizei schüttete die Staatsanwaltschaft Köln mit einem „Büroversehen“ noch Öl ins Feuer.

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Denn als diese bezüglich der Anschuldigungen gegen Kaiser von der Polizei gefragt wurde, hatte sie bestätigt, dass nach dem jungen Schiedsrichter gefahndet werde. Kurz darauf erklärte die Staatsanwaltschaft dann, dass doch nicht nach ihm gesucht werde. Die Wiederaufnahme des Verfahrens sei „in unserem Datensystem aufgrund eines Büroversehens bedauerlicherweise zunächst nicht erfasst worden“.

Pascal Kaiser bestreitet derweil die Vorwürfe gegen ihn, die kurz nach seinem Antrag veröffentlicht wurden.

Zunahme von LGBTI+ feindlichen Angriffen

Pascal Kaisers Fall ist kein Einzelfall. In den letzten Jahren lässt sich eine Zunahme von Straftaten gegen LGBTI+ Personen beobachten. So hat sich die Anzahl an polizeilich erfassten Straftaten allein von 2020 bis 2024 verdreifacht – von 576 auf 1.765. Zudem hat sich die Zahl der erfassten Gewaltangriffe von 114 auf 253 mehr als verdoppelt.

Gewalt in Deutschland: Studie beleuchtet das riesige Dunkelfeld

Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Bundesinnenministeriums zur „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA)“ zeigt zudem, dass es ein großes Dunkelfeld der Gewalt gegen Frauen, junge Menschen, Personen mit Migrationshintergrund und Angehörige der queeren Community gibt. LGBTI+ Personen sind dabei besonders oft von gezielter Hasskriminalität betroffen, die auf die sexuelle Orientierung, geschlechtliche Identität oder den Lebensstil der Betroffenen abzielt.

Der Fall von Pascal Kaiser stellt also nur die Spitze des Eisbergs von steigender Gewalt gegen LGBTI+ Personen dar. Diese zeigte sich zuletzt auch anhand der zunehmenden Angriffe auf CSD-Veranstaltungen, die immer öfter mit Gegenprotesten und Gewaltaufrufen durch Faschist:innen bedroht wurden.

Die Organisation Pride Rebellion erklärte in einem Statement zu dem Fall Kaisers, dass „Gewalt gegen Frauen und LGBTI+ systematisch unterschätzt und ignoriert“ werde: „Die Polizei verschließt die Augen, während von rechts zugeschlagen wird.“

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