Das Finanzloch im Bundeshaushalt des vergangenen Jahres ist größer als erwartet. Verantwortlich dafür sind besonders Sozialausgaben und Aufrüstung. Im Sozialen sollen Reformen Kürzungen bringen, während die Rüstungsausgaben weiter gesteigert werden.
Das Defizit im Bundeshaushalt 2025 ist größer als ursprünglich angenommen. Das berichtete das Statistische Bundesamt am Mittwoch. Demnach beträgt das Haushaltsloch des vergangenen Jahres 119,1 Milliarden Euro. Mitte Januar wurde das Defizit noch auf 107 Milliarden Euro geschätzt. Die Finanzlöcher sind besonders auf Bundesebene und in den Kommunen zu finden. Zwei Drittel des Finanzierungslochs entfielen auf die Bundesebene.
Auf der Bundesebene stieg das Minus im Vergleich zum Jahr 2024 von 60,9 auf 79,6 Milliarden Euro. Das Haushaltsloch auf kommunaler Ebene stieg sogar um ein Drittel von 21 auf 28,1 Milliarden Euro. Im Gegensatz dazu konnte auf Länderebene das Defizit um mehr als die Hälfte von 21,6 auf 9,8 Milliarden Euro gesenkt werden. Auch die Sozialversicherungen konnten das Defizit senken. Es ging von 11,8 auf 1,7 Milliarden Euro zurück.
Sozialbeiträge wurden 2025 erhöht
Dass Defizite in Sozialversicherungen sanken und der Staat insgesamt deutlich höhere Einnahmen in 2025 gemacht hat, liegt laut Statistischem Bundesamt auch an den um 8,9 Prozent erhöhten Sozialbeiträgen. Im Jahr 2025 wurden etwa die Zusatzbeiträge der Krankenkassen um 0,8 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent des Einkommens erhöht.
Der Haushalt der Herrschenden – Vorbereitung auf den Sturm
Auch die Beiträge zur Pflegeversicherung wurden 2025 um 0,2 Prozentpunkte erhöht. Zudem wurden die Beitragsbemessungsgrenzen für Sozialversicherungen 2025 erhöht. Das hat für viele eine Beitragserhöhung zur Konsequenz.
Mehr Ausgaben als Einnahmen
Der deutsche Staat nahm in 2025 deutlich mehr Steuern ein als im Vorjahr. Die Summe stieg um 5,7 Prozent auf 2.140,2 Milliarden Euro. Die gesteigerten Einnahmen können aber nicht die höheren Ausgaben kompensieren. Besonders in den Bereichen Renten, Pflege, Krankenhausbehandlungen und Arbeitslosengeld stiegen laut Statistischem Bundesamt die Ausgaben.
Hoch ist jedoch auch der Anstieg der staatlichen Ausgaben im Bereich Bruttoinvestitionen um 10,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dazu gehören in erster Linie die zusätzlichen Sondervermögen für Infrastruktur und Aufrüstung sowie die generell steigenden Militärausgaben der Bundeswehr.
Rentenreform soll 2026 kommen
Zum Haushaltsdefizit tragen also besonders die gesteigerten Ausgaben für Soziales und Gesundheit, aber auch für Sondervermögen und Aufrüstung bei. Der mit Abstand größte Einzelposten in den Ausgaben des deutschen Staatshaushalts sind Ausgaben für Rente. Der Anstieg der Ausgaben für Rente hängt maßgeblich mit der Überalterung der Gesellschaft zusammen. Immer weniger Menschen in Arbeit müssen für immer mehr Rentner:innen aufkommen. Die umlagefinanzierte Rentenversicherung in Deutschland kann dem immer weniger gerecht werden.
Daher hat die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) für 2026 einen „Marathon der Reformen“ ausgerufen. Im Zuge dessen sollen besonders Rente, Bürgergeld und das Gesundheitssystem reformiert und eingekürzt werden. Im November 2025 wurde das bisherige Rentenmodell noch verlängert. Jedoch arbeitet aktuell eine Kommission an einer umfassenden Rentenreform. Derzeit steht etwa die Rente mit erst 70 Jahren zur Debatte.
Rente, Bürgergeld, Gesundheitssystem: Widerstand gegen den Reformmarathon
Rüstungsausgaben sollen weiter steigen
Während bei Rente, Gesundheit, Pflege oder Arbeitslosengeld gespart werden soll, gibt es im Bereich der Sondervermögen und Aufrüstung keine Kürzungspläne der Bundesregierung. Im Gegenteil, so sollen sich die Rüstungsausgaben des deutschen Staates gegenüber knapp 62 Milliarden in 2025 bis 2029 auf über 152 Milliarden fast verdoppeln.
Erst Mitte Februar forderte Kanzler Merz bei der Münchener Sicherheitskonferenz eine stärkere Führungsrolle Deutschlands und damit verbunden eine Stärkung und Aufrüstung der Bundeswehr. Die Aufhebung der Schuldenbremse für Militärausgaben aus dem Frühjahr 2025 will diese Mehrausgaben ermöglichen.
In allen anderen Bereichen wird jedoch in den Finanzplanungen der kommenden Jahre laut Bundesregierung noch stärker der Rotstift angelegt werden müssen, signalisierte Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) während der Haushaltsverhandlungen 2025. Demnach klaffe im Finanzplan bis 2029 eine Lücke von mehr als 170 Milliarden Euro, maßgeblich bedingt durch Zinsausgaben für Rüstungskredite. Um diese Lücken zu schließen, plant die Bundesregierung in den kommenden Monaten und Jahren weitere Kürzungen in allen Bereichen.

