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Neuer Vorstoß zur Abschaffung des Acht-Stunden-Tags

Im Zuge des Jahreswirtschaftsberichts startet Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) einen neuen Vorstoß zur Abschaffung des Acht-Stunden-Tags. Die DGB-Gewerkschaften kündigen Protest an. Wie groß dieser ausfallen wird, ist unklar.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) fordert die Abschaffung des Acht-Stunden-Tags. Die Höchstarbeitszeit ist in Deutschland seit 1918 gesetzlich festgeschrieben und kann auf bis zu zehn Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von einem Monat im Durchschnitt acht Stunden pro Tag nicht überschritten werden.

Der Acht-Stunden-Tag stellt einen Grundpfeiler der Arbeiter:innenrechte dar und ist eine der ältesten Forderungen der Arbeiter:innenbewegung. So entstand auch der 1. Mai als Kampftag der Arbeiter:innenklasse aus Protesten für den Acht-Stunden-Tag in den 1880er Jahren.

Abschaffung des Achtstundentags

Forderungen nach einer „Flexibilisierung“ der Arbeitszeit wurden zuletzt immer wieder laut – vor allem aus CDU/CSU-Kreisen. Den Jahreswirtschaftsbericht 2026 nimmt sich Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nun zum Anlass für einen erneuten Vorstoß in dieser Sache.

Jahreswirtschaftsbericht 2026: Kleines Wachstum und große Angriffe auf die Arbeiter:innenklasse

Konkret soll nach ihrer Idee die Arbeitszeitbegrenzung von acht Stunden pro Tag aufgehoben, die reguläre Wochenarbeitszeit von 40 Stunden allerdings behalten werden. Während Überstunden und Zehn-Stunden-Tage für viele Arbeiter:innen in Deutschland bereits zum Alltag gehören, sollen damit bald auch längere Arbeitstage bis zu zwölf Stunden zur Regel statt zur Ausnahme werden. Mit einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit ließen sich diese nämlich noch mit kürzeren Tagen ausgleichen.

Frauen sollen mehr arbeiten

Auch forderte Reiche, dass kinderlose Frauen vermehrt in Vollzeit arbeiten sollten. Dabei geht es der Wirtschaftsministerin aber nicht etwa darum, patriarchale Strukturen aufzubrechen, sie begründet diese Forderung schlichtweg damit, dass es in Deutschland „zu viel ungenutztes Erwerbspotential“ gebe. Auch strukturelle Gründe dafür, dass Frauen öfter in Teilzeit arbeiten, werden von Reiche nicht angesprochen.

Gegen die Angriffe auf Frauen, auch durch Kürzungen bei Frauenschutzangeboten, Bildung und Sozialleistungen, organisieren die Plattform ENOUGH! und Initiativen wie Frauen, streikt! 2026 am 09. März einen internationalen Frauenstreik.

Krieg und Ausbeutung stärken

Der bayrische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach sich sogar gleich für Mehrarbeit aus: „Eine Stunde Mehrarbeit in der Woche würde uns enorm viel Wirtschaftswachstum bringen und ist wirklich nicht zu viel verlangt.“

Im Zuge der Forderung nach Mehrarbeit sprach Söder die Wünsche der deutschen Kapitalist:innen direkt aus: Die Bundesregierung habe „nur zwei große Aufgaben“: Die Verteidigungsfähigkeit und die Wettbewerbsfähigkeit müssten gesteigert werden.

Noch mehr Steuergeschenke? Söder will Senkung der Körperschaftssteuer vorziehen

Der deutsche Staat soll sich also übersetzt im internationalen Wettbewerb eine gute Position sichern. Sowohl im wirtschaftlichen Konkurrenzkampf der Großmächte, der sich in den letzten Jahren immer weiter zuspitzt, als auch in der Vorbereitung auf militärische Auseinandersetzungen. Dafür sollen laut Söder der Ausbau der Kriegsmaschinerie und die stärkere Ausbeutung der Arbeiter:innen sorgen.

Widerstand der Gewerkschaften?

Auch die DGB-Gewerkschaften planen gegen die Abschaffung des Achtstundentags vorzugehen. „Wir sind bereit, für den Erhalt des Arbeitszeitgesetzes zu kämpfen, in den Betrieben und auf der Straße“, sagte der Bundesvorsitzende von Ver.di Frank Werneke.

Auch Christiane Benner, die Vorsitzende der IG-Metall, gibt sich kämpferisch: „Demonstrationen, Aktionen, auf die Straße gehen und laut werden, das ist für uns als Gewerkschaft immer eine Möglichkeit.“ Auch andere Gewerkschaftsvorsitzende, sowie die DGB-Chefin Yasmin Fahimi haben sich bereits gegen Reiches Vorstoß ausgesprochen.

Mit der Kampagne „Mit Macht für die 8“ haben die DGB-Gewerkschaften bereits vor einigen Monaten gegen die Abschaffung des Acht-Stunden-Tags mobilisiert. Inwiefern die Ankündigung von Ministerin Reiche das Aktionsniveau steigern wird, bleibt abzuwarten. Zuletzt verhinderten Gewerkschaften wie Ver.di immer wieder kämpferische Intitiativen, wie unbefristete Streiks und zeigten sich gegenüber der Bundesregierung durchaus kompromissbereit.

DGB-Gewerkschaften auf Irrwegen

Zahlreiche Angriffe auf die Arbeiter:innenklasse

Nach dem Herbst der Reformen Ende 2025 steht ein Jahr der Reformen 2026 an. Mit Kürzungen und „Anreizen“ zu Mehrarbeit in den Bereichen Grundsicherung und Rente gab die Regierung im letzten Jahr den Startschuss für Sozialreformen. Nun sollen eben Arbeitszeitreformen folgen.

Auch im Gesundheits– und Pflegesystem kommen weitere Kürzungen auf uns zu. So soll beispielsweise der Pflegegrad 1 abgeschafft werden, der es leicht pflegebedürftigen Menschen ermöglicht, für eine längere Zeit zuhause zu bleiben, indem sie finanzielle Unterstützung erhalten.

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