Der europäische Koordinator von Samidoun sollte für eine Diskussionsveranstaltung über die aktuellen Entwicklungen in Palästina nach Kreta kommen. Nach seiner Ankunft in Heraklion nahmen ihn dort die griechischen Behörden fest. Erst im Dezember 2025 hatte Griechenland seine Zusammenarbeit mit Israel verstärkt.
Für den 7. Februar hatte die Versammlung der Solidarität mit dem palästinensischen Volk in der Stadt Heraklion auf Kreta eine Veranstaltung über die Bedeutung des ausgerufenen Waffenstillstandes in Gaza, die Situation von politischen Gefangenen und die Rolle des Widerstandes geplant.
Eingeladene Sprecher:innen waren Konstantina Kartsioti vom Zusammenschluss Anti-Imperialist Front sowie Mohammed Khatib, europäischer Koordinator des Solidaritätsnetzwerks für palästinensische Gefangene Samidoun. Zudem war eine Online-Zuschaltung mit Abdel Nasser Issa Teil des Programms. Er ist ein ehemaliger palästinensischer Gefangener, der nach drei Jahrzehnten in israelischer Gefangenschaft letzten Februar im Zuge des Geiseldeals freigelassen wurde und sich seitdem in Kairo befindet.
Protest gegen Festnahme
Zu der Veranstaltung hat es Mohammed Khatib nicht geschafft. Nach dem Verlassen des Flugzeugs wurde er gemeinsam mit Konstantina Kartsioti von den griechischen Behörden ohne rechtliche Grundlage festgenommen. Während die Polizei Kartsioti nach etwa einer Stunde entließ, brachten sie Mohammed Khatib aus Gründen der „nationalen Sicherheit“ zur Polizeistation Heraklions.
Daraufhin versammelten sich davor rund 50 Aktivist:innen mit Palästina-Fahnen und einem Transparent mit der Aufschrift „Sumud: Der Widerstand wird siegen, Palästina wird frei sein“ und forderten Khatibs sofortige Freilassung. Der griechische Staat jedoch hält ihn weiterhin in Gewahrsam und bereitet seine Abschiebung nach Belgien vor, wo er seit 2015 lebt und aktiv ist.
Enge Zusammenarbeit zwischen Griechenland und Israel
In einem Statement Samidouns nach der Inhaftierung des Aktivisten wird betont, dass dieser staatliche Angriff ein weiterer Versuch sei, die pro-palästinensische Bewegung einzuschüchtern und zu kriminalisieren. Weiter heißt es, die Anordnung der Festnahme sei vor dem Hintergrund des trilateralen Gipfeltreffens zwischen Israel, Griechenland und Zypern am 22. Dezember 2025 zu betrachten.
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Bei diesem Treffen in Jerusalem hatten die Regierungschefs vereinbart, ihre Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit und Militärkooperation zu vertiefen. Mit Blick auf die enge Kooperation zwischen dem griechischen und israelischen Staat sei dieses Vorgehen gegen Samidoun nicht verwunderlich.
Die Organisation ruft daher zu Solidaritätsaktionen auf: „Wir rufen alle Unterstützer:innen Palästinas dazu auf, auf Repression mit Organisierung und Aktion zu antworten, unsere Aktivitäten zur Unterstützung des palästinensischen Volkes und seines Kampfes für Rückkehr und Befreiung zu intensivieren und solidarisch an der Seite Gazas zu stehen.“
Anhaltende Repression gegen Samidoun
Es ist nicht das erste Mal, dass die Organisation Samidoun ins Visier der staatlichen Repressionsapparate gerückt ist. Kurz nach dem 7. Oktober wurde in Deutschland ein Betätigungsverbot ausgerufen. In Frankreich gab es ebenfalls Versuche, die Organisation zu verbieten, und in Belgien wurden rechtliche Maßnahmen gegen führende Mitglieder ergriffen – darunter auch gegen Mohammed Khatib. Letztes Jahr wurde ihm sein Asylstatus aberkannt, wogegen er in Berufung gegangen ist. Das Verfahren dauert noch an.
Trotz der Kriminalisierungsversuche des griechischen Staats riefen die Aktivist:innen in Heraklion dazu auf, an der Diskussionsveranstaltung teilzunehmen. Nachdem durch die Verhaftung des Samidoun-Aktivisten die geplante Übersetzung für Abdel Nasser Issa wegfallen musste, übermittelte dieser eine Sprachnachricht.
Dennoch erschienen zahlreiche Menschen, diskutierten die vorgesehenen Themen und machten deutlich, dass sie den Kampf für ein freies Palästina und den Widerstand gegen die Komplizenschaft des griechischen Staats fortführen werden.

