Rojava: Kobanê trotz Abkommen unter schwerer Belagerung

Seit über drei Wochen ist die Stadt Kobanê belagert. Trotz Waffenstillstand bleiben humanitäre Korridore geschlossen und die grundlegende Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten, Wasser und Strom ist akut gefährdet. Eine internationale Reaktion bleibt aus.

Die überwiegend kurdische Stadt Kobanê steht seit Wochen unter Belagerung. Die Strom-, Wasser-, Treibstoff-, Lebensmittel- und Medizinversorgung ist knapp und läuft in wenigen Tagen aus, gleichzeitig bleiben humanitäre Korridore geschlossen. Zusätzlich zu den 600.000 Einwohner:innen befinden sich derzeit auch mehr als 200.000 Vertriebene aus den umliegenden Gebieten in Notunterkünften innerhalb der Stadt.

Seit dem Angriff auf die demokratischen Kräfte (SDF) und die Selbstverwaltung in Rojava (DAANES) durch die syrische Übergangsregierung (STG) am 13. Januar wurde ein Großteil der Gebiete Rojavas besetzt und die Stadt Kobanê vom verbliebenen Cizîrê-Kanton isoliert. Während sich die Lage durch einen Waffenstillstand, der am 29. Januar ausgehandelt wurde, etwas beruhigt hat, bleiben die Hilfskorridore trotz ausgehandeltem Stopp der Belagerung geschlossen und die Stadt durch Kräfte der STG und verbündete Milizen mit Unterstützung der Türkei umzingelt. Auch die nördliche Grenze zur Stadt Suruç bleibt geschlossen und mit türkischen Panzern besetzt.

Rojava: Was das Abkommen zwischen SDF und HTS bedeutet

Die Lage in der Stadt

Dadurch kommt es in Kobanê derzeit zu starken Engpässen. Laut dem Sprecher des UN-Generalsekretärs Stéphane Dujarric hätten zwischen dem 25. Januar und dem 10. Februar insgesamt nur 10 Konvois aus 154 LKWs die Regionen Qamişlo und Kobanê erreicht.

Trotz einiger Reparaturen von durch die STG gekappten Elektrizitätsleitungen reicht die Stromversorgung in der Stadt nicht aus und bleibt unzuverlässig. Dadurch leidet auch die Wasserversorgung, da die Pumpstationen nicht betrieben werden können. Krankenhäusern und Bäckereien geht schnell der Diesel für Generatoren aus. Wenn sich die Situation nicht verbessert, würden diese in wenigen Tagen nicht mehr funktionieren können. Die Krankenhäuser sind überfüllt, es fehlt an Medikamenten und auch die Lebensmittelversorgung und das Heizmaterial werden knapp. Die Vertriebenen aus den umliegenden Gebieten müssen in Häusern von Familien, Schulen, ungenutzten Läden und teilweise sogar in Autos untergebracht werden.

Internationale Reaktion nur von Aktivist:innen

Eine internationale Reaktion zur Öffnung der Hilfswege bleibt bisher aus, auch die mediale Berichterstattung fehlt oft, oder sie verbreitet wie im Fall eines SPIEGEL-Artikels falsche Vorwürfe gegenüber den SDF und die kurdische Selbstverwaltung. Dies führte unter anderem zu einer Besetzung des SPIEGEL-Verlagshauses in Hamburg. Auch deutsche Waffenunternehmen profitieren durch Waffenlieferungen an die Türkei von den Angriffen gegen die kurdische Selbstverwaltung.

Warum der Westen zu den Angriffen auf Rojava schweigt

In ganz Europa finden weiterhin täglich Demonstrationen von Kurd:innen und Internationalist:innen statt, um Druck auf die STG, die Medien und die Regierungen aufzubauen und durch Karawanen und Delegationen nach Kurdistan internationale Solidarität zu zeigen.

Perspektive Online
Perspektive Onlinehttp://www.perspektive-online.net
Hier berichtet die Perspektive-Redaktion aktuell und unabhängig

MEHR LESEN

PERSPEKTIVE ONLINE
DIREKT AUF DEIN HANDY!