Die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Islamischen Republik Iran haben sich auf ein Niveau zugespitzt, das unmittelbar militärische Konfrontation und einen regionalen Krieg befürchten lässt. Vor dem Hintergrund massiver US-Truppenverlegungen und gegenseitiger Kriegsdrohungen kämpft der Iran mit eigenen Widersprüchen eines theokratisch-kapitalistischen Regimes.
Die Lage im Persischen Golf ist derzeit von einer fast beispiellosen Konzentration militärischer Kräfte geprägt. Die USA haben einen Flugzeugträgerkampfverband um die „USS Abraham Lincoln“ in die Region verlegt, begleitet von Zerstörern, Bombern und Kampfflugzeugen.
US-Präsident Donald Trump hat erklärt, diese Schiffe seien „für alle Fälle“ in Richtung Iran unterwegs, und dem Land gedroht, es werde „die Konsequenzen spüren“, wenn es seine „Aggression“ nicht stoppe. Diese Mobilisierung erfolgte nach Trumps Androhung eines möglichen Angriffs „mit Geschwindigkeit und Gewalt“, sollten die iranischen Führer seinen Forderungen nicht nachkommen.
Die iranische Antwort ließ nicht auf sich warten. Der Oberste Führer Ayatollah Ali Chamenei warnte: Ein US-Angriff würde dieses Mal einen regionalen Krieg auslösen. Zugleich bereiten sich iranische Streitkräfte und die mächtigen Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) auf eine solche Konfrontation vor. Die Drohgebärden beider Seiten sind keine bloße Rhetorik, sondern werden durch konkrete Vorbereitungen untermauert.
Erste militärische Kämpfe ließen nicht lange auf sich warten: Erst am Dienstag näherte sich eine iranische Drohne dem US-amerikanischen Flugzeugträger im Arabischen Meer. Daraufhin wurde diese kurzerhand durch das US-Militär abgeschossen.
Von vermeintlicher Diplomatie zum nuklearen Schlachtfeld
Der Kern der anhaltenden Kriegsdrohungen ist nach wie vor das iranische Atomprogramm. Die USA fordern einen dauerhaften Stopp der Urananreicherung, Beschränkungen für das ballistische Raketenprogramm und das Durchtrennen der Verbindungen zu regionalen Verbündeten wie Hamas und Hisbollah.
Die Verhandlungen über diese Forderungen stehen auf der Kippe. Für Ende dieser Woche war ein Treffen zwischen dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi und dem US-Sondergesandten Steve Witkoff in der Türkei geplant. Die Aussichten sind jedoch unklar. Während Araghtschi signalisierte, man sehe die Möglichkeit für Gespräche, falls die US-Seite auf einen „fairen und gerechten Deal“ ohne Atomwaffen hinarbeite, stellte Chamenei in einer Rede jegliche Verhandlungsbereitschaft in Frage. Dabei beschuldigte er die USA, den Iran „verschlingen“ und seine Ressourcen übernehmen zu wollen.
Die Krise folgt auf den direkten militärischen Schlagabtausch zwischen den USA, Israel und dem Iran im Juni 2025. Bei diesen Angriffen, die sich laut offizieller Erklärung gegen das iranische Atomprogramm richteten, erlitt die Islamische Republik erhebliche Schäden. Analyst:innen weisen darauf hin, dass dieser Angriff eine strategische Zäsur darstellte.
Er habe jegliche Illusionen der iranischen Führung über die Wirksamkeit ihrer konventionellen Verteidigung zerstört und die Botschaft vermittelt, dass der Status als Schwellenstaat, der kurz vor der Bombenproduktion steht, keinen verlässlichen Schutz bietet. Diese Erfahrung könnte andere Staaten zu der Schlussfolgerung bringen, dass wahre Sicherheit nur durch den tatsächlichen Besitz von Atomwaffen zu erreichen ist.
Innerer Zerfall und Konflikt des iranischen Regimes
Das außenpolitische Bedrängnis trifft auf einen Staat in Westasien, der von tiefgreifenden inneren Widersprüchen und einer schweren Wirtschaftskrise zerrüttet ist. Seit Ende Dezember 2025 erschüttern Proteste, die durch die desolate Wirtschaftslage und hohe Inflation ausgelöst wurden, alle 31 Provinzen des Landes.
Die Währung, der Rial, hat massiv an Wert verloren, die jährliche Inflation liegt seit fünf Jahren über 30 Prozent, bei Nahrungsmitteln sogar über 70 Prozent. Die Proteste sind die umfassendsten seit der „Frau, Leben, Freiheit“-Bewegung von 2022, auch wenn sie bisher kleiner als diese bleiben.
Die Reaktion des Staates war Repression. Menschenrechtsorganisationen berichten von Dutzenden Toten, über 2000 Festnahmen und einem Internet-Blackout. Der Gebrauch der Todesstrafe stieg im Jahr 2025 deutlich an – laut einer in Norwegen ansässigen Organisation wurden mindestens 1500 Menschen hingerichtet.
Diese Unterdrückung dient der Aufrechterhaltung der Macht eines Regimes, das eindeutig charakterisiert werden kann: Als eine kapitalistische theokratische Diktatur, die von religiösem Klerus und militärischen Kräften, insbesondere den Revolutionsgarden, gemeinsam regiert wird.
Konsequenzen eines Krieges: Am Ende leiden die Arbeiter:innen
Experten und Militäranalysten warnen eindringlich vor den unkalkulierbaren Folgen eines US-Angriffs. Ein solcher Schlag würde die regionale Stabilität irreparabel erschüttern und einen Krieg entfesseln, der weit über die Grenzen des Irans hinausreichen könnte. Auch ist unklar, ob eine kriegerische Auseinandersetzung überhaupt einen Sturz der iranischen Regierung zur Folge hätte.
So sind Szenarien wie der erste Golfkrieg, in dem Saddam Hussein an der Macht blieb, das Land und die Wirtschaft durch den Krieg zerstört und der Irak zu einem gescheiterten Staat degradiert wurde, durchaus denkbar.
Zudem bestünde die Gefahr eines globalen nuklearen Kaskadeneffekts. Die Botschaft, dass ein Land, das an der Schwelle zur Atomwaffe steht, angegriffen werden kann, könnte andere Staaten mit nuklearen Ambitionen erst recht zum Erhalt von Nuklearwaffen drängen. So beispielsweise Saudi-Arabien, auch wenn dieser Staat bessere Beziehungen zum US-Imperialismus pflegt. Dies würde das internationale Nichtverbreitungsregime, das bereits durch die Angriffe auf Libyen und die Erfahrungen der Ukraine mit Russland beschädigt wurde, ein für alle Mal überflüssig machen.
Proteste wegen Inflation: Irans Regierung steckt in der Krise
Auch die wirtschaftlichen und humanitären Kosten wären verheerend. Ein Krieg würde die bereits leidende iranische Bevölkerung in noch tiefere Not stürzen und Fluchtbewegungen auslösen. Die ohnehin angespannte Versorgungslage mit Energie und Nahrungsmitteln in neokolonial ausgebeuteten Ländern könnte sich durch die Unterbrechung der Schifffahrt durch die strategische Straße von Hormus dramatisch verschlechtern. Welche Auswirkungen eine imperialistische Intervention auf vom Krieg zerrüttete Länder haben kann, lässt sich aktuell gut am Beispiel Syrien verfolgen.

