Die EU und Australien schließen einen Verteidigungspakt und verhandeln über ein Freihandelsabkommen. So wollen europäische Regierende mehr Waffen für den Ukraine-Krieg heranschaffen und vor allem die Unabhängigkeit von den USA vorantreiben.
Die EU und Australien haben Verhandlungen über einen Verteidigungs- und Sicherheitspakt abgeschlossen. Der Pakt gilt als Neustart für die diplomatischen Beziehungen zwischen der EU und Australien, nachdem diese aufgrund eines gescheiterten U-Boot Deals 2021 auf Eis lagen. Parallel dazu wird ebenfalls über ein Freihandelsabkommen verhandelt.
Australische Waffen für die Ukraine
Inhalt der aktuellen Verhandlungen waren vor allem der Zugriff auf den EU-Rüstungsfonds für die Ukraine. Von diesem sollen nun auch australische Rüstungskonzerne profitieren können. So ist es vorgesehen, in Zukunft auch von australischen Unternehmen Rüstungsgüter wie Waffen und Bauteile für die Ukraine mit EU-Geldern zu kaufen. Ebenfalls Teil des Paktes sind Absprachen zur gemeinsamen Sicherung der „maritimen Sicherheit im Indopazifik“. Handelsrouten, die auch für deutsche Konzerne von Bedeutung sind, sollen also gemeinsam geschützt werden.
Dazu passend fordert EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf dem European Industry Summit 2026, die europäische Verteidigungsproduktion müsse schneller und breiter aufgestellt werden. Da die Produktion der EU-Staaten dafür nicht ausreichend sei, sollen Länder wie Großbritannien und Australien konkret Lücken schließen.
Marktplatz der Militarisierung: Münchener Sicherheitskonferenz
Australien, Indien, Mercosur: Unabhängigkeit von den USA
Die Verhandlungen mit Australien reihen sich in die Bestrebungen der EU, international unabhängiger zu sein, ein. Eine Bestrebung, die seit der Neuausrichtung der US-Außenstrategie oberste Priorität für europäische Regierende und allen voran für den deutschen Staat hat. Dies betonte auch Kanzler Friedrich Merz vor kurzem erneut bei der Jahreseröffnung der Deutsche Börse Group und verband diese Botschaft mit der Forderung nach mehr Deregulierung, um „wieder wettbewerbsfähig“ zu werden.
Diese Idee verfolgt man auch auf wirtschaftlicher Ebene und verhandelt derzeit noch über ein Freihandelsabkommen mit Australien. Mit dem Abkommen soll der EU unter anderem Zugriff auf seltene Erden und Rohstoffe gesichert werden, die in Australien in großer Menge vorkommen. Dessen Lithium- und Nickel-Reserven sind unter anderem essenziell für die europäische Produktion von E-Autos und Komponenten der Rüstungsindustrie. Die europäischen Landwirt:innen befürchten durch den Deal einen erhöhten Import von Fleisch und Milchprodukten und damit mehr Konkurrenz und Wettbewerbsnachteile.
Die Verhandlungen mit Australien sind nicht die ersten ihrer Art. Im Rahmen des Mercosur-Deals haben sich die EU-Staaten Zugang zu den Märkten von Brasilien, Paraguay, Uruguay und Argentinien gesichert. Teil des Abkommens sind unter anderen größere Importe von südamerikanischen Agrargütern. In Europa regten sich dagegen bereits Proteste von Landwirt:innen, die befürchten, durch die niedrigen Preise verdrängt zu werden.
Für ähnliche Verhandlungen reiste Friedrich Merz Mitte Januar nach Indien. Bei diesem Besuch ging es zum einen darum, die deutsche Rüstungsindustrie und die militärische Unabhängigkeit zu stärken, konkret mit einer Lieferung von U-Booten der Kieler Rüstungsfirma Thyssen-Krupp Marine Systems. Allerdings stand das Treffen auch im Zeichen eines weiteren Freihandelsabkommens der EU, das Ende Januar schließlich unterzeichnet wurde.
Die verschiedenen Verhandlungen zeigen deutlich, dass sich Deutschland und die EU auf stärkere Auseinandersetzungen mit anderen Großmächten vorbereiten und der Abbau von Abhängigkeiten dafür eine zentrale Rolle spielt. Das gilt einerseits für den klaren Konkurrenten China, aber andererseits auch für die USA, denn die transatlantische Beziehung hat sich gehörig verschoben. Auch die Gewinnung weiterer Absatzmärkte spielt gerade für die Exportwirtschaft Deutschland angesichts der US-Strafzölle eine wichtige Rolle.

