Berliner Faschisten greifen antifaschistische Jugendliche mit Machete an und verletzen sie schwer

Es hätte potentiell tödlich enden können. Faschisten haben in der Nacht zum Mittwoch zwei Jugendliche in Berlin mit einer Machete angegriffen und schwer verletzt. Antifaschistische Gruppen solidarisieren sich und haben Protest angekündigt.

Eine Kneipe im Berliner Ortsteil Friedrichshain. Als zwei 19-Jährige das Lokal gegen 1:30 Uhr verließen, sollen zwei Unbekannte sie zunächst verbal belästigt haben. Die Situation eskalierte, als einer der Angreifer eine Machete aus seiner Jacke zog und mehrmals auf die Opfer einschlug. Dabei fügte er beiden mit der scharfen Seite der Waffe schwere Verletzungen an Kopf, Gesicht und Armen zu. Laut Medienberichten haben Augenzeugen schnell eingegriffen, sodass Schlimmeres verhindert werden konnte. Die beiden Verletzten wurden zur Notfallversorgung in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Berliner Polizei meldet, dass die Angreifer unerkannt fliehen konnten. Derzeit ermittelt der Staatsschutz in dem Fall.

Deutliche Hinweise auf faschistisches Motiv

Die Gruppen Internationale Jugend und Frauenkollektiv aus Berlin geben auf Instagram an, dass eine der Angegriffenen ein aktives Mitglied bei ihnen ist und schildern deutliche Anzeichen für ein politisches Motiv der Tat.

Demnach sollen die Angreifer aus einer als Treffpunkt für Faschist:innen bekannten Szenekneipe gekommen sein. Auf der Flucht sollen sie außerdem klare faschistische Parolen wie „Sieg Heil“ gerufen haben und beschimpften die Opfer als „Scheiß Punker“. Es wird zur Solidarität aufgerufen und auch eine Demonstration in Reaktion auf den Angriff angekündigt.

Zunahme faschistischer Gewalttaten

In dem Statement ordnen die Gruppen den schweren Angriff ein in eine allgemeine Tendenz, in der die Bedrohungslage durch faschistische Gruppen zunimmt. Darin heißt es: „Dieser Angriff ist kein Einzelfall und kein isoliertes Ereignis. Er ist klar einzuordnen in das Erstarken der faschistischen Bewegung und den Anstieg rechter Gewalt in den letzten Jahren. Angriffe auf Jugendzentren und linke Räume, offenes Kampfsporttraining in unseren Parks, ständig neue Fascho-Demos – und jetzt werden Jugendliche in unseren Vierteln mit Waffen angegriffen, weil sie links aussehen und sich faschistische Pöbeleien nicht gefallen lassen.“

Über 750 offene Haftbefehle gegen Personen aus dem faschistischen Lager

Die Schwere des lebensbedrohlichen Macheten-Angriffs ist in dieser Lage eine besondere Eskalation auf neuem Niveau. Die Häufung von faschistischen Übergriffen – insbesondere im Berliner Osten – hat auch einen klaren Bezug zur Frauen- und Transfeindlichkeit, der für die gesamte rechte Bewegung prägend ist. Diesen Zusammenhang konnte man insbesondere an den faschistischen Störaktionen gegen CSDs in den letzten Jahren beobachten. Auch darin sehen die beiden Organisationen ein Tatmotiv hinter dem aktuellen Angriff: „Vor allem als Frauen und LGBTI+ werden wir alle Zielscheibe faschistischer Gewalt, wie auch unsere Genossin. Faschistische Ideologien sind ein Nährboden für Transfeindlichkeit und Frauenhass. Gewalt soll uns dabei einschüchtern und klein halten. Angriffe wie dieser sollen dazu führen, dass wir uns nicht mehr trauen, uns offen antifaschistisch zu positionieren.“

In mehreren Städten wurde bereits Protest angekündigt– auch die betroffenen Jugendlichen lassen sich nicht einschüchtern. Eine Demo in Berlin sei bereits in Planung.

Perspektive Online
Perspektive Onlinehttp://www.perspektive-online.net
Hier berichtet die Perspektive-Redaktion aktuell und unabhängig

MEHR LESEN

PERSPEKTIVE ONLINE
DIREKT AUF DEIN HANDY!