Vor einem Monat griffen die USA den Iran an und lösten eine globale Energiekrise aus. China zeigt ebenso wie Venezuela bisher trotz eines Einbruchs der Ölimporte aus dem Iran wirtschaftliche Stabilität. Im globalen Chaos präsentiert sich China dabei als verlässlicher Partner. – Ein Kommentar von Leon Wandel
Vor exakt einem Monat, am 28. Februar 2026, griffen die USA und Israel den Iran an. Dabei wurden hohe Regierungsmitglieder getötet, die wirtschaftliche Infrastruktur zerstört und zahlreiche Zivilist:innen umgebracht. Der Iran antwortete mit Drohnen- und Raketenbeschuss auf beteiligte Mächte wie Israel und Militärbasen der USA, aber auch auf unbeteiligte Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), um den wirtschaftlichen Preis für den Krieg möglichst in die Höhe zu treiben.
Der Iran kontrolliert außerdem die Straße von Hormus im Persischen Golf, welche die großen Öl- und Gasförderländer am Persischen Golf – darunter Saudi-Arabien, die VAE, Kuwait, Katar und den Irak – mit den Weltmärkten verbindet, und löste durch die de-facto-Sperrung der Handelsroute einen globalen Versorgungsschock aus.
Neben Öl und Gas wird auch etwa ein Drittel der weltweiten Düngemittel über die Wasserwege verfrachtet. Gerade die Region Südostasien ist in besonderem Maße von den Rohstoff-Engpässen betroffen. Die Philippinen riefen am Dienstag den nationalen Energienotstand aus und ordneten eine Vier-Tage-Woche in der öffentlichen Verwaltung an, um Energie zu sparen.
 Auch andere Staaten arbeiten derzeit an Plänen, um die Energieversorgung zu gewährleisten und die Logistik nicht zum Erliegen zu bringen.
Zwar haben die USA jüngst einen 15-Punkte-Plan vorgelegt, der den Krieg beenden soll. Die Vorstellungen über ein mögliches Kriegsende gehen derzeit jedoch noch stark auseinander: US-Präsident Trump fordert die „bedingungslose Kapitulation“ des iranischen Regimes, dessen militärische Begrenzung, eine Ende der Uran-Anreicherung, die Übergabe sonstigen Urans an die USA und die vollständige Öffnung der Straße von Hormus. Der Iran lehnte den Plan kurz nach der berichteten Übergabe ab und stellte eigene Forderungen für ein Ende des Krieges auf, unter anderem einen Stopp der Angriffe und die vollständige Kontrolle der Straße von Hormus durch das sein Regime.
Nach einer baldigen Einigung und Ende des Krieges sieht es also nicht aus – vielmehr ist aufgrund der Versorgungsengpässe und der damit einhergehenden Teuerungen von Gütern mit langfristigen Folgen zu rechnen. Diese könnten sich auch noch weit nach Ende des Kriegs hinziehen.
Will man die globalen Folgen für die zukünftigen Machtkämpfe der imperialistischen Staaten verstehen, lohnt es sich, auch auf China zu blicken: Denn obwohl China als enger Handelspartner des Iran direkt von dem Einbruch des Exports der Energieträger betroffen ist, ergeben sich für den chinesischen Imperialismus auch Gelegenheiten, Vorteile aus dem Krieg zu schlagen.
Trotz Ölimport-Einbruch bleibt China vorerst wirtschaftlich stabil
Allem Anschein nach hat China als größter Ölimporteur den Versorgungsschock im ersten Monat gut weggesteckt: China hat nicht nur vom Iran, sondern auch von Venezuela große Mengen Öl importiert. Dass China trotz der Angriffe der USA auf diese beiden Staaten und dem damit einhergehenden Importstopp nicht sofort in eine Krise stürzte, hat mehrere Gründe: China setzt seit Jahren auf eine Strategie der Diversifikation, auf seine großen Ölreserven und langfristige Handelspartnerschaften. Hinzu kommt, dass China sich in seinem letzten Fünfjahresplan den strategischen Ausbau von erneuerbaren Energien als wichtiges Ziel gesetzt hat, um von globalen Schwankungen, wie derzeit dem Krieg im Iran, unabhängiger zu werden.
 Auch langfristige Handelspartnerschaften führen dazu, dass China sich im Zweifelsfall günstige Deals sichern kann.
Auch jetzt, während des Iran-Kriegs gehen die wenigen Lieferungen, die der Iran selbst durchführt, an China. Zudem gibt es Anzeichen, dass Russland seine Lieferungen sowohl über Pipelines, wie auch über den Seeweg kürzlich hochgefahren hat. Im Februar sollen die russischen Exporte nach China auf bis zu 2,1 Millionen Barrel pro Tag gestiegen sein, was einem Zuwachs von über 20 Prozent im Vergleich zum Januar entspricht.
Die chinesischen Ölreserven sollen etwa 100 bis 140 Tage vom Bedarf des Landes abdecken. Hinzu kommen eigene Förderungen, die etwa ein Viertel des Bedarfs ausmachen und die Versorgungslage zusätzlich stabilisieren. Außerdem hat China zu Beginn des Monats seine größten Ölraffinerien angewiesen, den Export von Diesel und Benzin auszusetzen.
All diese Faktoren ändern nichts daran, dass China auch bei einem sich weiter hinziehenden Krieg im Iran zunehmend in Bedrängnis geraten wird. Auch dort sind die Spritpreise seit Beginn des Iran-Krieges stark gestiegen. Doch im direkten Vergleich mit dem Rivalen Japan steht China gut da: denn Japan bezieht 95 Prozent seiner Ölimporte aus Westasien, wovon 70 Prozent durch die Sperrung der Straße von Hormus blockiert sind.
Ölkonzerne bereichern sich an Unsicherheit durch den Iran-Krieg
Ein weiterer Faktor der Krise, der die chinesische Wirtschaft künftig stärken könnte, besteht darin, dass einige Staaten vermehrt auf erneuerbare Energiequellen umsteigen könnten. Genau wie bei China wird diese Entscheidung nicht der Umwelt zuliebe getroffen werden, sondern um unabhängiger zu werden. Da China in diesem Industriezweig weltweit die Nase vorn hat, könnten sich in der Volksrepublik die Auftragsbücher füllen. China strebt allgemein an, die gesamte Industrie technologisch weiterzuentwickeln und unabhängiger von internationalen Handelsketten zu werden. Das Land möchte, eigenen Worten zufolge, von einer „Führerschaft der Masse“ zu einer „Führerschaft der Stärke“ übergehen.
China als Fels in der Brandung?
China nutzt die aktuelle Stabilität nicht nur wirtschaftlich, sondern setzt sie auch politisch auf der globalen Bühne ein, um sich als verlässliche Konstante in unruhigen Zeiten zu präsentieren. Gerade im Vergleich zum impulsiven, wenig berechenbaren US-Präsidenten Donald Trump tritt Präsident Xi Jinping als Ruhepol und Fels in der Brandung auf.
Tatsächlich hat sich China im Iran-Krieg bisher zurückgehalten: Zwar verurteilte China den Krieg gegen den eigenen Handelspartner verbal, eine militärische Intervention stand jedoch nie im Raum. Chinas Militär wäre im Vergleich zum US-Militär auch nicht im gleichen Maße in der Lage, globale Militäroperationen zu starten. Die strategische Ausrichtung der Zusammenarbeit, die China mit anderen Staaten eingeht, liegt auf dem Handel und Investitionen, statt auf militärischen Bündnissen oder Allianzen, wie die USA sie anstreben.
Hinzu kommt, dass es für China vorteilhaft ist, wenn der größte Rivale im Kampf um Taiwan einen Großteil seiner Streitkräfte in Westasien gebunden hat. Nachdem die USA ihre Interessen in Venezuela in Windeseile umgesetzt hatten – und das mit vergleichsweise geringeren Kosten – wollte Trump diesen Raubzug ein weiteres Mal im Iran vollziehen.
Dabei scheinen sich die USA teilweise verschätzt zu haben: Obwohl Zerstörung und Todesopfer auf iranischer Seite deutlich höher sind, deutet allein die Tatsache, dass der Krieg bereits einen Monat andauert, darauf hin, dass sich die USA zumindest teilweise verzockt haben.
Ein sich hinziehender Krieg zwischen USA und Iran könnte China auch aus einem noch anderen Grund Vorteile bringen: Zwar zeigt China verbal Solidarität mit dem Iran, und ein Sondergesandter Chinas reiste in den vergangenen Wochen unter anderem in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Ägypten, um für Deeskalation zu werben. Gleichzeitig hat China ebenfalls ein Interesse daran, seinen Einfluss im Iran und anderen Staaten der Region auszubauen. Für China wäre es deshalb ideal, wenn der Iran so geschwächt wäre, dass Peking als stabiler und verlässlicher Handelspartner auftreten könnte, während der Iran nur noch begrenzt Gegenwehr leisten kann. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die iranische Regierung weder vollständig kollabiert, noch unter Kontrolle der USA steht.

