Der Krieg im Iran scheint länger zu werden als ursprünglich angekündigt. Unterdessen ringt der Iran um militärische Antworten und Stabilität im Innern. Ein Machtwechsel im Iran scheint auch von Seiten der USA aus vorerst keine Priorität mehr zu sein.
Die USA und Israel führen den Angriffskrieg gegen den Iran fort und haben die Bombardierung von Zielen im Iran ausgeweitet. Mittlerweile haben die israelischen und amerikanischen Streitkräfte in mindestens 24 der insgesamt 31 iranischen Provinzen angegriffen.
Der Iran antwortet weiterhin mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Ziele in Israel, auf amerikanische und britische Militärbasen wie Irak, Kuwait und Zypern sowie auf andere Ziele in den Golfstaaten und Saudi-Arabien. Die meisten der iranischen Angriffe werden dabei durch Raketen- und Flugabwehrsysteme vereitelt. Trotzdem wurden in Saudi-Arabien und Kuwait die US-amerikanischen Botschaften getroffen.
Im Iran selbst wurden seit dem Kriegsbeginn über 700 Menschen getötet. Vor allem die Bombardierung einer Mädchenschule in der Stadt Minab im Südosten des Landes forderte eine hohe Zahl ziviler Opfer – laut iranischen Angaben kamen 165 Schülerinnen ums Leben. In Israel wurden bislang mindestens zehn Menschen getötet. Die US-amerikanische Armee berichtete von sechs gefallenen Soldat:innen. Auch in Bahrain, Irak, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait kamen Menschen durch die Angriffe ums Leben.
Nachdem die libanesische Hisbollah Ziele in Israel angriff, weitete die israelische Armee die Bombardierungen außerdem auf weite Teile Libanons aus. Dort starben mindestens 52 Menschen, Zehntausende sind auf der Flucht.
Wenige Informationen über Lage im Iran
Es ist nach wie vor unübersichtlich, inwiefern es dem iranischen Regime gelingt, den Angriffen über einen längeren Zeitraum standzuhalten. Nachdem der oberste Führer der Republik, Ayatollah Ali Khamenei, am Samstag durch einen gezielten Militärschlag getötet wurde, setzte die Führungsriege des Landes bereits am Sonntag einen Interimsrat ein, der das Land stabilisieren und die Wehrfähigkeit aufrecht erhalten soll. Der Rat besteht aus Ministerpräsident Masoud Pezeshkian, dem Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs Gholam-Hossein Mohseni-Ejei sowie dem kurzfistig eingesetzten Ayatollah Alireza Arafi. Gerüchte, wonach Ayatollah Alireza Arafi bereits wenige Stunden nach seiner Einsetzung von amerikanischen und israelischen Militärs eliminiert wurde, wurden weder offiziell vom Iran noch von den USA und Israel bestätigt.
Von iranischer Seite aus wurde bekräftigt, nicht an einer Verhandlungslösung mit den USA interessiert zu sein. Am Freitag hatte es unter anderem von iranischen Vertretern noch geheißen, dass die beiden Länder in den diplomatischen Verhandlungen um das iranische Nuklearprogramm Fortschritte erzielen könnten. Am Samstag hatten die USA und Israel in den Morgenstunden jedoch die Bombardierung des Irans begonnen. Der iranische Sicherheitschef Ali Larijani hatte den USA und Israel daraufhin angekündigt, dass der Iran ihnen „eine Lektion“ erteilen werde.
Zum Gegenschlag des Irans gehört auch die Schließung der Straße von Hormus, was in vielen Ländern, auch in den USA selbst, für einen Anstieg des Ölpreises sorgen wird.
Sperrung der Straße von Hormus: Gaspreis steigt um 45 Prozent
Da die iranische Regierung wie zuvor in kritischen Situationen die Internetverbindungen kappen ließ, besteht wenig Einblick in die Lage und Stimmung der Bevölkerung. Noch ist keine oppositionelle Kraft sichtbar, die den Angriff auf die Regierung ausnutzt, um die Machtverhältnisse im Iran grundlegend zu ändern.
Kriegsziele der USA
Am Montag definierte US-Präsident Donald Trump die eigentlichen Kriegsziele enger, nachdem er sich zuvor nur in zwei kurzen Ansprachen über Social Media an die US-amerikanische Bevölkerung gewandt hatte. Der Präsident betonte nochmal, dass die Ziele der USA die Zerstörung der iranischen Raketensysteme und ihrer Produktionsstandorte, die Zerstörung der iranischen Marine, die Zerschlagung des iranischen Atomprogramms und das Ende der Unterstützung Irans für seine Proxies in ganz Westasien seien. Mittlerweile geht Trump von einer mehrwöchigen Dauer des Krieges aus.
Seine Aussage vom Samstag, als der Präsident das iranische Volk dazu aufforderte, die Regierung zu stürzen und die Macht selbst zu ergreifen, wiederholte er nicht. Angesprochen auf seine Pläne für den Iran nach dem Militärschlag sprach er offen über eine Liste von Kandidaten, die er für eine Übernahme der Macht innerhalb des Systems identifiziert habe. Allerdings komme, so Trump salopp, von dieser Liste niemand mehr in Frage. Der eigene Angriff sei so erfolgreich gewesen, „dass die meisten Kandidaten nicht mehr leben. Die sind alle tot.”
US-Kriegsminister Pete Hegseth betonte, dass es sich beim Krieg gegen den Iran nicht um einen „regime change war“ handele, die Übergabe der Macht an eine andere gesellschaftliche Kraft also nicht explizit ein Kriegsziel darstelle. Expert:innen hatten zuvor bereits angezweifelt, ob Luftangriffe ohne den Einsatz von Bodentruppen überhaupt ausreichen würden, um einen Machtwechsel umzusetzen. Hegseth wiederum erklärte, dass ein Einsatz von Bodentruppen nicht ausgeschlossen sei.
In der Vergangenheit verzichteten die USA beispielsweise im Krieg gegen den Irak Anfang der 1990er Jahre darauf, kurdische und andere oppositionelle Kräfte in ihrem Aufstand gegen den irakischen Machthaber Saddam Hussein zu unterstützen, nachdem amerikanische Politiker:innen das irakische Volk explizit dazu aufgerufen hatten, die Regierung Saddam Husseins zu stürzen. Weil die USA auf den Einsatz von Bodentruppen zur Hilfe der Aufständischen verzichtete, konnte die irakische Regierung den Aufstand niederschlagen.
Für die USA kommt es derzeit vor allem darauf an, die eigene Bevölkerung – von der ohnehin nur 27 Prozent hinter dem Krieg stehen – dahingehend zu beschwichtigen, dass ein langer und kostspieliger Militäreinsatz droht. Vor allem die langen Kriege in Afghanistan und Irak haben in der amerikanischen Bevölkerung für Unmut gesorgt. Trump muss nun einerseits seiner Wählerschaft glaubhaft vermitteln, dass es im Iran nicht zu einer ähnlichen Lage kommen wird. Andererseits muss er auch dem Iran gegenüber glaubhaft machen, seine Kriegsziele wirklich erreichen zu wollen. Dahingehend äußerten Trump und Hegseth zuletzt beide, dass die Angriffe auf die Hauptziele im Iran sich in den nächsten Tagen noch verstärken werden.
Israel marschiert im Libanon ein
Das israelische Militär hat Attacken der Hisbollah zum Anlass genommen, seinen Krieg auf den Libanon auszuweiten. Die israelische Armee begann dabei auch einen Vorstoß auf dem Boden in den Süden des Libanons.
Während die libanesische Regierung Tausende Zivilist:innen aus dem Süden des Landes evakuiert, hat die dem Iran nahestehende Hisbollah bereits angekündigt, die offene militärische Konfrontation mit Israel zu suchen. Bei vergangenen Bodenoffensiven der israelischen Armee war es immer wieder zu relativ hohen Opferzahlen in den Reihen der Israelis gekommen. Ob der Vorstoß in den Libanon deswegen dauerhaft sein wird, ist derzeit unklar.
Der israelische Premierminister Netanjahu kündigte wie die US-amerikanischen Kollegen ebenfalls an, dass sich die Angriffe auf den Iran noch weiter verstärken werden. Bei einem Interview zeigte sich Netanjahu erfreut über die Unterstützung der USA und erklärte, es sei nun die Zeit gekommen, um seinen seit 40 Jahren existierenden Traum, die Zerschlagung des iranischen Regimes, zu erreichen.
Deutschland hält sich zurück
Bundeskanzler Merz hatte sich bereits am Samstag auf die Seite der USA und Israels gestellt und angekündigt, den Angriffskrieg nicht in Frage zu stellen. In einer Presseerklärung am Sonntag betonte Merz, dass derzeit nicht „der richtige Moment“ sei, um die amerikanischen und israelischen „Partner und Verbündeten zu belehren“.
Heute trifft Merz in Washington den US-Präsidenten. Nachdem der Bundeskanzler zuletzt Zweifel geäußert hatte, ob Luftangriffe gegen den Iran tatsächlich zu einem politischen Wandel im Sinne der iranischen Bevölkerung beitragen können, bleibt abzuwarten, ob und wie er im direkten Austausch mit Trump tatsächlich Kritik am Vorgehen der USA vorbringen wird.
Ein direkter Kriegseintritt Deutschlands ist weiterhin unwahrscheinlich. Der deutsche Außenminister Wadephul bekräftigte zwar nach dem iranischen Angriff auf eine Militärbasis in Jordanien, wo unter anderem auch deutsche Soldat:innen stationiert sind, dass die Bundeswehr bereit sei, sich auch militärisch gegen den Iran zu verteidigen. Einen Kriegsbeitritt hat die deutsche Regierung jedoch offiziell ausgeschlossen.

