Deutsche Industrie: Der Aufschwung bleibt aus

Vor einigen Monaten zeigten sich zaghafte Anzeichen, dass sich die seit Jahren ins Stocken geratene deutsche Industrie wieder erholt. Nun erhielt die Konjunktur einen erneuten Dämpfer.

Das Statistische Bundesamt gab kürzlich einen doppelten Rückschlag für die deutsche Industrie bekannt: Im Januar brachen die Aufträge so stark ein wie seit zwei Jahren nicht mehr, die Produktion wurde außerdem den zweiten Monat in Folge gedrosselt.

Vor allem im Vergleich zum Vorjahresmonat, der einen längerfristigen Niveauvergleich ermöglicht und von saisonalen Schwankungen und Kalendereffekten unabhängig ist, verdeutlicht den Rückgang: So verzeichnete die Industrieproduktion im Januar 2026 im Vergleich zu Januar 2025 ein Minus von 2,6 Prozent; die Produktion in den energieintensiven Industriezweigen lag sogar um 4,3 Prozent niedriger.

Die Industrie stolpert durch die Krise und Arbeiter:innen zahlen den Preis

In den Monaten zuvor hatte es mehrere Anzeichen einer sich anbahnenden Erholung in der deutschen Industrie gegeben. Die Industrieproduktion beispielsweise war vier Monate in Folge angestiegen. Sonja Martens, Chefsvolkswirtin bei der DZ Bank, schrieb noch im Januar in einem Gastbeitrag bei der FAZ, dass die „deutsche Wirtschaft die Talsohle wohl durchschritten“ habe. Maßgeblich zu dieser Erholung beigetragen hatten vor allem staatliche Großaufträge für Aufrüstung und Infrastruktur.

Diese Großaufträge wurden 2025 unter anderem durch die Grundgesetzänderung des zu diesem Zeitpunkt de facto bereits abgewählten Bundestags ermöglicht. Insgesamt 500 Milliarden Euro will der deutsche Staat in den nächsten zehn Jahren als sogenanntes Fiskalpaket in die deutsche Infrastruktur investieren. Hinzu sollen auch zukünftig weiterhin milliardenschwere Aufträge für die Rüstungsindustrie im Zuge der Kriegsvorbereitungen kommen. Die staatlichen Ausgaben sollen der seit Jahren stagnierenden deutschen Wirtschaft langfristig zu neuem Aufschwung verhelfen. Prognosen gingen zuletzt noch davon aus, dass die staatlichen Aufträge allein 2026 mit 0,8 Prozentpunkten die Hälfte eines deutschen Wirtschaftswachstums ausmachen könnten.

Weiterer Rückgang durch Iran-Krieg?

Das Bundeswirtschaftsministerium warnte in einer Mitteilung außerdem davor, dass die spürbare Abschwächung der Industriekonjunktur zu Jahresbeginn durch den Krieg im Iran noch verschärft werden könnte. Die deutlich gestiegenen Rohöl- und Gaspreise würden sich in den veröffentlichten Zahlen noch nicht widerspiegeln.

Ölkonzerne bereichern sich an Unsicherheit durch den Iran-Krieg

Seit dem Angriff der USA und Israel auf den Iran blockiert das iranische Regime die wichtige Handelsroute durch die Meerenge von Hormus. Dadurch und durch weitere Störungen im See- und Luftverkehr entstehen längere Transportzeiten und höhere Kosten. Um ihre Profite zu sichern und sogar in die Höhe zu treiben, reagierten einige Mineralölkonzerne bereits unmittelbar nach Kriegsbeginn mit Preissteigerungen.

Auch andere für die Industrieproduktion notwendige Vorprodukte könnten, je länger der Krieg der USA und Israel gegen den Iran andauert, in den nächsten Monaten teurer werden. Durch Engpässe in der Lieferung von tiefkaltem Flüssigerdgas und Helium könnte bald die Halbleiterproduktion und dementsprechend auch die Versorgung der deutschen Industrie mit Chips beeinträchtigt werden.

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