Deutsche Journalistin Eva Maria Michelmann weiter vermisst

Seit über 50 Tagen wird Eva Maria Michelmann, eine Journalistin aus Köln, nun vermisst. Sie wurde während der Belagerung der Stadt Raqqa in Syrien festgenommen; seitdem fehlt von ihr jede Spur. In einer Pressekonferenz am Dienstag gaben ihr Anwalt Roland Meister sowie ihre Familie Auskunft über die aktuelle Entwicklung.

Eva Maria Michelmann, eine Journalistin aus Köln, gilt weiterhin als vermisst. Die Journalistin wurde zuletzt am 18. Januar 2026 gemeinsam mit dem türkischen Journalisten Ahmet Polad in Raqqa in Syrien gesehen, so die türkische Nachrichtenagentur „Etkin Haber Ajansı“ (ETHA). Nach der Belagerung der Stadt Raqqa durch Einheiten der syrischen Übergangsregierung sollen die beiden Journalist:innen zunächst festgesetzt worden sein. Aktuell fehlt von ihnen weiter jede Spur.

Am Dienstag, den 10. März, gaben Evas Familie sowie der Anwalt der Familie, Roland Meister, Einblick in die aktuelle Arbeit zu ihrem Verschwinden, welche Schritte unternommen werden und welche nötig sind, um ihr Schicksal aufzuklären. Die Pressekonferenz wurde von der Rojava-Solidaritätsstruktur People’s Bridge moderiert.

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„Seit über 50 Tagen ist Eva Maria spurlos verschwunden. Das ist beängstigend“

Der Anwalt der Familie wurde von der Familie beauftragt, die Auffindung und Freilassung von Eva Maria Michelmann zu erreichen. In der Pressekonferenz gab er einen Überblick darüber, in welchen Situationen sich Michelmann derzeit befinden könne. Es sei möglich, dass „sie sich in Gefangenschaft befindet oder dass sie sich in informeller Gefangenschaft befindet – das bedeutet, dass sie verschleppt und noch nicht der offiziellen Regierung übergeben wurde.“ Weiterhin bestehe aber auch die Möglichkeit, dass sie an den türkischen Staat übergeben worden seien. Denn der kurdische Journalist, mit dem sie gemeinsam festgenommen wurde, Ahmet Polad, besitzt die türkische Staatsangehörigkeit. Zuletzt sei es auch möglich, dass Michelmann nicht mehr am Leben sei.

Arbeit zur Aufklärung von Evas Verschwinden

Am 3. März 2026 wurde das Auswärtige Amt über das Verschwinden von Eva informiert. Seitdem folgten Veröffentlichungen und Tätigkeiten der deutschen Journalistenunion (DJU), verschiedener Strukturen wie beispielsweise Reporter ohne Grenzen, Committee to Protect Journalists (CPJ), der internationalen Föderation von Journalisten, der Gewerkschaft ver.di und ihrem Nachrichtenmagazin und der Rojava-Solidaritätsstruktur People’s Bridge.

Darüber hinaus sei auch das internationale Rote Kreuz eingeschaltet worden. Das Rote Kreuz habe daraufhin auch direkten Kontakt in die Region, unter anderem zu Mazlum Abdi, Vertreter der autonomen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien, aufgenommen. Auch Cansu Özdemir, Mitglied des Deutschen Bundestags, sei informiert. Sie habe sich bereits an das Auswärtige Amt gewendet.

In einem Telefonat mit dem Auswärtigen Amt soll dieses am Tag der Pressekonferenz bestätigt haben, dass alle wesentlichen Stellen im Mittleren Osten, nicht nur in Syrien, durch die deutsche Regierung benachrichtigt wurden. Im Zuge dessen seien die Daten und ein Foto von Eva Maria Michelmann weitergegeben worden, um ihren Aufenthalt zu ermitteln. Bisher wurde die deutsche Regierung nicht von der syrischen Übergangsregierung informiert.

Weitere Kontakte in der Region, wie ein Journalist aus Damaskus, konnten bisher keine zusätzlichen Informationen zum Verbleib der Journalistin liefern.

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„Weltoffene, mutige und ehrliche Person“ – die Suche nach Eva geht weiter

Dr. Antonius Michelmann und Rotraut Hake-Michelmann, Eva Marias Bruder und Mutter, waren während der Pressekonferenz ebenfalls anwesend. Dr. Antonius Michelmann betonte, dass seine Schwester schon immer eine „weltoffene, mutige und ehrliche Person“ gewesen sei, die Rojava als „einen Anziehungspunkt für Solidarität und den gelebten Zusammenhalt der Völker“ verstand. Aktuell würden sich viele Menschen für die Freilassung der Gefangenen einsetzen, die während der Operation festgenommen wurden. Daraus entstehe Hoffnung, dass auch Eva darunter sein könne.

Michelmann verwies außerdem auf die engen politischen Verbindungen zwischen dem deutschen und dem syrischen Staat. Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, sicherte der syrischen Übergangsregierung bei einem Besuch um Januar 620 Milliarden Euro zu. Diese engen Beziehungen würden nun die Möglichkeit bieten, Eva ausfindig zu machen, so Michelmann.

Das Verschwinden der deutschen Journalistin hat dabei auch über die Pressekonferenz hinaus bereits Wellen geschlagen. So waren auf den diesjährigen Protestzügen zum internationalen Frauenkampftag vielerorts Schilder mit der Aufschrift „Wo ist Eva?“ oder „Kein 8. März ohne Eva!“ zu sehen. In Köln hielt gar die Mutter von Eva einen Redebeitrag vor mehreren Tausend Teilnehmer:innen.

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