Die Aufrüstung ist weltweit im Vormarsch – vor allem in Europa und Westasien. Nach den USA profitiert auch Deutschland von der steigenden Kriegsgefahr und exportiert inzwischen mehr Waffen als die Weltmacht China.
Die laufenden Aufrüstungsbestrebungen der meisten Staaten, vor allem der europäischen Staaten, sorgen für einen Anstieg des globalen Waffenhandels. Das Friedensforschungsinstitut SIPRI liefert mit seinem neuesten Bericht genaue Zahlen für die letzten fünf Jahre. In diesem Zeitraum stieg der globale Waffenhandel im Vergleich zum Zeitraum 2016–2021 um 9,2 Prozent. Vor allem die Aufrüstungsinitiativen der europäischen Staaten treiben diese Zahl nach oben. Während die Zahlen in Europa und Amerika steigen, waren sie in allen anderen Regionen rückläufig.
Der Anstieg der Waffenhandelsaktivitäten lässt sich vor allem mit den Waffenlieferungen an die Ukraine begründen. Doch laut dem Direktor des SIPRI-Waffentransferprogramms, Mathew George, haben „die meisten anderen europäischen Staaten […] auch damit begonnen, deutlich mehr Waffen zu importieren, um ihre militärischen Fähigkeiten gegen eine wahrgenommene wachsende Bedrohung durch Russland zu stärken.“
USA auf Platz 1
Die meisten Waffen kommen aus den Vereinigten Staaten. 42 Prozent aller internationalen Waffenexporte im Zeitraum 2021–2025 stammen aus den USA – ein Anstieg um 6 Prozent gegenüber dem vorherigen Zeitraum. Immerhin befinden sich 36 US-Waffenkonzerne in der Top-100-Liste der weltweiten Rüstungskonzerne. Westasien war lange Zeit die Region, in die die meisten US-Waffen exportiert wurden, und westasiatische Staaten sind weiterhin große Abnehmer: Im betrachteten Zeitraum erhielt Saudi-Arabien beispielsweise 12 Prozent der US-Waffenexporte. Doch in den letzten Jahren änderte sich dies – Hauptabnehmer sind nun 35 europäische Staaten, die 38 Prozent der US-Waffenexporte empfingen.
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Frankreich liegt mit einem Anteil von 9,8 Prozent an den weltweiten Waffenexporten deutlich hinter den USA auf Platz 2. Hauptempfänger waren Indien (24 Prozent) und Ägypten (11 Prozent). Auch wenn die Waffenexporte an andere europäische Staaten sich mehr als verfünffacht haben, bilden sie weiterhin nur rund 20 Prozent der französischen Waffenexporte. Ursache für den vergleichsweise geringen Wert ist die eigene Waffenindustrie in den anderen Ländern.
Russland liegt weiterhin auf Platz 3, jedoch sanken die russischen Waffenexporte um 64 Prozent. Fast die Hälfte der russischen Waffenexporte ging an Indien.
Deutsche Waffenexporte auf dem Vormarsch
Deutschland überholte in den Jahren 2021–2025 China und liegt nun mit einem Anteil von 5,7 Prozent der weltweiten Waffenexporte auf Platz 4. Dabei ging rund ein Viertel der deutschen Waffenexporte an die Ukraine. Davon profitieren vor allem Rüstungskonzerne wie Rheinmetall. Allein im vergangenen Jahr steigerte der Konzern seinen Profit um fast ein Fünftel.
Der wirtschaftliche Erfolg zeigt sich auch an der Börse. Mit der Gabler Group geht nun das sechste Unternehmen aus der Rüstungsbranche auf der Suche nach Investitionsgeldern an die Frankfurter Börse. Der Konzern, der sich nach außen gern als Vertreter für „intelligente, nachhaltige und transformative Meerestechnologie“ darstellt, produziert allerlei Zubehör für militärische U-Boote.
Auch wenn Europa bei den Waffenexporten an Relevanz zugenommen hat, ist die Betrachtung der Waffenimporte nach Europa ebenso von Bedeutung. Hier finden ein Drittel der weltweiten Waffenexporte ihre Abnehmer – beinahe die Hälfte davon kommt aus den USA. Die größten Importeure waren dabei die Ukraine, Polen und Großbritannien.
Die europäischen NATO-Staaten steigerten ihre Waffenimporte dabei um 143 Prozent. Dies lässt sich laut SIPRI vor allem mit der Bedrohungswahrnehmung durch Russland, aber auch mit dem angekündigten teilweisen Rückzug der USA aus Europa begründen. Unter den US-Waffen sind vor allem Kampfflugzeuge und Langstrecken-Luftverteidigungssysteme gefragt.
China: Einfluss auf einen ganzen Kontinent
Die Waffenlieferungen nach Asien und Ozeanien sanken vor allem durch die Abnahme von Chinas Importen. Die Weltmacht importierte 72 Prozent weniger Waffen als im Vergleichszeitraum zuvor. Dies liegt vor allem an den Fähigkeiten der chinesischen Industrie, die benötigten Waffen selbst zu produzieren. Taiwan, Japan und Pakistan steigerten in den letzten Jahren ihre Waffenimporte deutlich.
Laut Siemon Wezeman von SIPRI beeinflusst „die Angst vor Chinas Absichten und seinen wachsenden militärischen Fähigkeiten […] weiterhin die Rüstungsbemühungen in anderen Teilen Asiens und Ozeaniens, die oft noch von importierten Waffen abhängen“.

