Deutschlands größte Suchtklinik für Jugendliche schließt

Die Dietrich Bonhoeffer Klinik in Ahlhorn ist die einzige Einrichtung Deutschlands, die über nennenswerte Kapazitäten in der Behandlung von suchtkranken Jugendlichen verfügt. Nun wird sie wegen fehlender finanzieller Mittel geschlossen.

Im Landkreis Oldenburg befindet sich mit der Dietrich Bonhoeffer Klinik die größte Einrichtung für die stationäre Behandlung von suchtkranken Jugendlichen. Von den 85 Betten in diesem Bereich befinden sich 60 in dieser Klinik im niedersächsischen Ahlhorn. Jedoch ist die Klinik chronisch unterfinanziert. In den letzten beiden Jahren sollen jeweils bis zu 1,5 Millionen Euro an Budget gefehlt haben. Nun wurde die Entscheidung getroffen, dass die Einrichtung zum 30. Juni dieses Jahres geschlossen wird.

Die Leinerstift-Gruppe, eine diakonische Institution der evangelischen Kirche, ist die Eigentümerin der Klinik. In Gesprächen zwischen der Leinerstift-Gruppe und der für die Finanzierung verantwortlichen Deutschen Rentenversicherung konnte bislang keine Einigung erzielt werden, sodass die Schließung der Klinik unausweichlich wird. Ein Vorstandsmitglied der Gruppe nennt Reformen in der Finanzierung von Rehabilitationseinrichtungen als eine der Ursachen der Unterfinanzierung. Ein entsprechendes Gesetz ist Anfang 2026 in Kraft getreten.

200.000 suchterkrankte Jugendliche auf 25 Betten?

Sollte die Schließung der Dietrich Bonhoeffer Klinik also nicht mehr abgewendet werden können, stehen nur noch 25 Betten zur Verfügung. Dem gegenüber stehen in etwa 200.000 Jugendliche, die in ganz Deutschland unter „substanzbezogenen Störungen“ leiden.

Über alle Altersgruppen hinweg ist Alkoholsucht der häufigste Grund für eine stationäre Behandlung: So standen im Jahr 2024 61,9 Prozent aller Diagnosen in stationären Suchteinrichtungen im Zusammenhang mit Alkohol. Der Anteil der Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren, die einmal wöchentlich Alkohol konsumierten, lag 2023 bei 9,7 Prozent. Dies ist zwar signifikant weniger als in den vergangenen Jahrzehnten, doch lässt sich in den letzten Jahren ein erneuter Anstieg feststellen. Eine weitere Zuspitzung der aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Krisen könnte die Situation möglicherweise verschärfen, da ein Zusammenhang zwischen sinkender Lebensqualität in Krisenzeiten und steigendem Drogenkonsum vermutet wird. Unabhängig davon sind die bestehenden Kapazitäten des deutschen Gesundheitssystems bereits jetzt bei weitem nicht ausreichend.

Kürzungen und Reformen treffen Psychotherapie und Sozialversicherungen

Die Probleme in der Suchtbehandlung Jugendlicher müssen deshalb in einen größeren Kontext eingeordnet werden: Das gesamte Gesundheitssystem wird derzeit durch Kürzungen bedroht. So betrug der Gesundheitsetat für das Haushaltsjahr 2023 noch 24,5 Milliarden Euro, während er sich in diesem Jahr nur noch auf insgesamt 21,8 Milliarden Euro beläuft.

Hinzu kommen weitreichende Reformen im Bereich der Sozialversicherungen, wie etwa in der Kranken- und Rentenversicherung. Auch die Honorare für Psychotherapie sollen ab April 2026 sinken, was trotz partieller Ausgleiche insgesamt Kürzungen bedeutet.

Kürzungen in der Psychotherapie beschlossen

Betroffen sind vor allem Behandlungen von gesetzlich Versicherten, Privatpatient:innen sind nicht betroffen. Besonders stark wirken sich die Kürzungen auf Frauen aus, da sie den Großteil der Beschäftigten in diesem Bereich stellen. Gleichzeitig ist auch die Versorgungslage bereits angespannt, mit langen Wartezeiten und zu wenigen Therapieplätzen. Fachverbände warnen, dass sich die Situation für Patient:innen weiter verschlechtern könnte.

Perspektive Online
Perspektive Onlinehttp://www.perspektive-online.net
Hier berichtet die Perspektive-Redaktion aktuell und unabhängig

MEHR LESEN

PERSPEKTIVE ONLINE
DIREKT AUF DEIN HANDY!