Frauenkampftag in Deutschland: Zehntausende Frauen demonstrieren für Solidarität in Zeiten von Krieg und Krisen

Zum Internationalen Frauenkampftag gingen am 7. und 8. März in ganz Deutschland tausende Menschen auf die Straße. Krieg, Krisen und Internationalismus waren an vielen Orten zentrale Inhalte. Angriffe von Polizei und Faschist:innen wurden solidarisch abgewehrt.

Vor über 100 Jahren wurde durch die deutsche Kommunistin Clara Zetkin der Frauenkampftag ins Leben gerufen. Schon ab 1910 in die Wege geleitet, legte die „Zweite Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen“ im Jahr 1921 das Datum auf den 8. März fest. Zwar hat sich die rechtliche Situation von Frauen im Großteil der Welt in den letzten 100 Jahren verbessert, dennoch ist der 8. März als Kampf-, Aktions-, und Protesttag gegen das Patriarchat und seine Auswirkungen aktueller denn je.

In Hamburg nahmen am Nachmittag über 15.000 Menschen an einer Demonstration teil. Die Teilnehmer:innen forderten einen Aufrüstungsstopp, zuverlässige Betreuungsangebote für Kinder und Pflegebedürftige und eine menschenwürdige Asylpolitik. In Hannover gingen über 10.000 Menschen unter dem Motto „Wir kämpfen bis wir frei sind“ auf die Straße.

Internationalistische Inhalte

Auch in diesem Jahr spielten internationalistische Kämpfe eine große Rolle bei vielen Veranstaltungen zum 8. März. So wurde etwa auf vielen Demonstrationen mit Schildern oder in Redebeiträgen die Freilassung der deutschen Journalistin Eva Michelmann gefordert. Bei der Kölner Demonstration am Nachmittag des 8. März mit ca. 18.000 Teilnehmer:innen hielt die Mutter von Eva Michelmann einen Redebeitrag.

Sie bekräftigte die Forderung nach Aufklärung und Freilassung ihrer Tochter. Michelmann wurde gemeinsam mit ihrem Kollegen Ahmed Polad im syrischen Ar-Raqqa durch Kräfte der islamisch-fundamentalistischen Übergangsregierung entführt. Beide wollten über die Angriffe auf Rojava im Januar berichten.

Journalist:innen in Syrien verschleppt: Wir wollen Eva und Ahmed zurück!

Die Angriffe auf die Frauenrevolution in Rojava waren auch in verschiedenen internationalistischen und revolutionären Blöcken auf Großdemonstrationen zum Frauenkampftag im Fokus. Der revolutionäre Block der Demo zum 8. März in Frankfurt formierte sich unter der Parole Jin, Jiyan, Azadî. Ein Transparent mit dem Titel „Widerstand ist Leben“ vereinte Kämpfe für Frauenbefreiung in Palästina, Kurdistan und weltweit.

An einer internationalistischen Demonstration zum Frauenkampftag in Wuppertal nahmen etwa 150 Personen teil. Kurdische, palästinensische und iranische Frauen hielten dort eine Rede. Die Demonstration zog mit der Parole „Frauen kämpfen international gegen Faschismus, Krieg und Kapital“ durch die Innenstadt. Zum Abschluss tanzten Teilnehmer:innen zusammen Halay und Dabke.

Internationale Kämpfe standen auch bei der Berliner Revolutionären Demonstration zum 8. März im Zentrum. Teilnehmende der Demonstration der „Alliance of Internationalist Feminists“ mit über 7.000 Menschen forderten ein Ende des Genozids in Gaza und den Stopp der Kriege gegen Libanon und den Iran. Wie auch im vergangenen Jahr kam es bei der Demonstration in Kreuzberg und Neukölln am Abend zu Festnahmen und Polizeigewalt. Zuvor nahmen in Berlin über 30.000 Menschen an der DGB-Demonstration teil.

Angriffe von Faschist:innen

Neben staatlicher Gewalt durch Polizeikräfte, kam es auch in mehreren Städten zu Angriffen von Faschist:innen auf Demonstrationen zum Frauenkampftag. In Freiburg wurde die sozialistische Vorabenddemo am Abend des 7. März mehrfach direkt von Faschist:innen angegriffen. Die Demonstration fand unter dem Motto „Gegen Krieg und Faschismus – Frauenrevolution verteidigen“ statt.

Während der Endkundgebung belästigten mehrere männliche Fußballfans Teilnehmer:innen. Als die Störer durch Teilnehmer:innen von der Kundgebung gedrängt wurden, beleidigten sie die Frauen als „Zecken“, wurden handgreiflich und zeigten den Hitlergruß.

Die anwesenden Polizist:innen machten gegenüber der Anmelderin der Demonstration klar, dass sie keinen Anlass sahen, einzugreifen. Eine Rednerin der sozialistischen Stadtteilorganisation Solidaritätsnetzwerk erklärte anschließend, solche Vorfälle seien der Grund „warum wir hier heute auf der Straße stehen!“.

Frauen zahlen den Preis für den Abbau des Sozialstaats

Gewaltsame Festnahmen durch Polizei

Auch in Halle (Saale) störten Faschist:innen eine sozialistische Vorabenddemo am Abend des 7. März. Zwei Männer beschimpften die Demonstration mit etwa 100 Teilnehmer:innen kurz vor der Endkundgebung frauenfeindlich. Anschließend zeigten auch sie Hitlergrüße und wurden kurz daraufhin von der Polizei festgenommen. Nach dem Ende der Demo hielten Polizist:innen abreisende Teilnehmer:innen auf um eine Person festzunehmen. Polizist:innen drückten mehrere Personen gegen eine abfahrende Straßenbahn. Nachdem eine Person in eine Polizeimaßnahme kam, starteten Teilnehmer:innen eine Spontankundgebung als Solidarität, und riefen „Du bist nicht allein!“.

Bei einer weiteren Demonstration in Freiburg am 8. März mit über 2.000 Teilnehmer:innen kam es ebenfalls zu Polizeigewalt gegen Teilnehmende. Nach einem Bannerdrop von einem Gebäude, versuchte die Polizei Personen festzunehmen. Die Demo kam dazu, um Solidarität zu zeigen und formierte sich um die Einsatzkräfte der Polizei. Diese setzen dann Gewalt ein. Es wurde Pfefferspray gezielt in Gesichter gesprüht, geschubst, Schläge gegen Köpfe verteilt. Eine Person wurde herausgezogen, im Nacken festgehalten und mit der Faust auf den Kopf geschlagen. Auch am Ende der Demonstration zeigten Teilnehmer:innen Solidarität gegen die gewaltsame Festnahme einer weiteren Person.

Unsere Antwort: Streik, Streik, Streik!

Klassenkämpferische Inhalte

In vielen Städten verbanden sozialistische und kommunistische Gruppen den Frauenkampf mit klassenkämpferischen Inhalten und Forderungen. In Leipzig riefen unter anderem die Organisationen Frauenkollektiv, ZORA und Kommunistische Frauen zur revolutionären Demonstration auf. Über 400 Teilnehmer:innen nahmen sich mit Pyrotechnik die Straße und skandierten „Dieser Staat schützt mich nicht, meine Schwestern schützen mich“.

Im bayerischen Rosenheim gingen am Sonntagnachmittag Revolutionär:innen des „Roten Aufbruchs“ unter dem Motto „Wir können uns nur selbst befreien!“ auf die Straße. Sie forderten die Frauenrevolution als Antwort auf Krieg, Krise und Patriarchat. Bereits am Tag zuvor gab es im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt eine Spontandemonstration der Organisation Kommunistische Frauen.

In Verbindung zum Frauenkampftag am 8. März, wurden für den heutigen Montag, 9. März, deutschlandweit Frauenstreiks ausgerufen. Kundgebungen und Demonstrationen dazu finden etwa Mittags in Köln statt. Auch in Berlin werden bei einer Streikdemonstration am Mittag tausende Teilnehmer:innen erwartet.

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