Frauenstreik: Symbolische Protestaktionen in ganz Deutschland

Nicht nur am internationalen Frauenkampftag wurde bundesweit protestiert. Am Montag kam es unter der Fahne des Frauenstreiks zu diversen Aktionen in ganz Deutschland.

Am Montag – ein Tag nach dem internationalen Frauenkampftag – kam es in zahlreichen deutschen Städten zu Protestaktionen. Verschiedene Organisationen und Bündnisse hatten unter dem Banner des Frauenstreiks dazu aufgerufen. Darunter unter anderem das Töchterkollektiv, das Enough-Bündnis und die Initiative Frauen streikt!.

So sollte auf die Doppelbelastung durch Frauen in unserem patriarchalen System aufmerksam gemacht werden – diese kommt durch die Lohnarbeit und die Reproduktionsarbeit, also die unbezahlte Sorgearbeit in Wohnung und Familie zustande. Auch allgemein ansteigende Bedrohungen, die Frauen besonders betreffen – so zum Beispiel Kriege, Diskriminierung und der Aufstieg rechter autoritärer Regierungen und Politiker:innen –, sowie das damit verbundene Ohnmachtsgefühl wurden angesprochen. Besonders im Mittelpunkt stand vielerorts auch der Kampf gegen patriarchale Gewalt und die bis heute ausbleibende reale Gleichstellung aller Geschlechter.

Klassenkampf und Frauenkampf verbinden

In Köln veranstaltete das Frauenstreikkomitee eine klassenkämpferische Kundgebung an der rund 50 Personen teilnahmen. Dabei wurde nicht nur die patriarchale Reproduktionsarbeit und antipatriarchale Arbeit angesprochen, sondern Frauenkampf auch mit diversen Themen in Verbindung gebracht, die Frauen besonders betreffen, wie etwa Streik in der Fabrik und Antimilitarismus.

Eine Rednerin des Frauenkollektivs erklärte beispielsweise: „Wir, die Arbeiter:Innenklasse, sollen für ihre Interessen, für ihre Profite, in den Krieg ziehen und im Schützengraben sterben. Dabei haben wir viel mehr gemeinsam mit der „feindlichen“ Soldat:in als mit irgendeinem der Kapitalisten!(…)Wir sagen ganz klar: Nein zur Wehrpflicht! Nein zum Krieg! Wir sterben nicht für die Interessen der Reichen!“

Anschließend veranstaltete man eine lautstarke Zubringerdemo zu der Kundgebung des Töchterkollektivs durch die Kölner Innenstadt. An der Kundgebung nahmen rund 1000 Menschen teil.

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Tausende Menschen in ganz Deutschland auf der Straße

Ähnlich lief es in Hamburg, wo sich am Vormittag rund 100 Menschen zu einer Demonstration des klassenkämpferischen Frauenstreikbündnis zusammenfanden. Viele verschiedene Perspektiven wurden hier eingebracht, auch viele Hebammen nahmen an der Demonstration teil. Am Nachmittag fand dann eine Kundgebung vom Töchterkollektiv und dem Enough-Bündnis statt, an der rund 500 Menschen teilnahmen.

Auch in Leipzig kam es sowohl zu Aktionen vom Enough-Bündnis als auch von verschiedenen klassenkämpferischen Organisationen. Letztere erklärte eine Rednerin des Solidaritätsnetzwerks wie folgt: „Das ist ein symbolischer Akt, um auf die Doppelbelastungen, denen Frauen jeden Tag in diesem System ausgesetzt sind, aufmerksam zu machen“. Auch beteiligten sich einige streikende Frauen an der Kundgebung.

Auch in vielerlei anderen Städten veranstalteten das Töchterkollektiv und das Enough-Bündnis Kundgebungen im Rahmen des Frauenstreiks. So etwa in Essen, wo rund 300 Menschen zusammenkamen, oder in Nürnberg, wo rund 500 Menschen protestierten.

Symbol gegen patriarchale Unterdrückung

Letztendlich fand der Frauenstreik in vielen Städten nicht durch eine tatsächliche Arbeitsniederlegung Ausdruck. Vielmehr wurde der 9. März genutzt, um durch diverse Aktionen auf patriarchale Unterdrückung aufmerksam zu machen.

Dies geschah in vielen verschiedenen Formen und mit einem weitreichendem Spektrum an Forderungen und Inhalten: Vom Sichtbarmachen unbezahlter Reproduktionsarbeit über die tatsächliche Umsetzung der gesetzlichen Gleichstellung bis hin zu Protesten gegen patriarchale Gewalt.

Auch wenn die Proteste unter dem Oberbegriff Frauenstreik liefen, war also kein bundesweiter Arbeitskampf geplant oder erwartet. Dennoch kann man die verschiedenen Aktionen als symbolischen Akt verstehen, der auf die Doppelbelastung von Frauen und die Missstände des patriarchalen Systems aufmerksam machte und so lautstark eine Verbesserung der Lage von Frauen in Deutschland auf die Tagesordnung setzte.

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