Fußball-WM: Irans Teilnahme nach Angriffen fraglich

Der Krieg im Iran greift auf die Fußballwelt über: Eine Teilnahme des Irans an der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ist fraglich. Die FIFA und der DFB verurteilen die Angriffe derweil getreu ihrer Linie nicht.

Die dreiundzwanzigste Fußballweltmeisterschaft steht diesen Sommer an. Veranstaltet wird sie in Kanada, Mexiko und in den USA – die meisten Spiele sollen in den USA stattfinden. Doch die neuesten geopolitischen Ereignisse werfen einen gewaltigen Schatten auf die Veranstaltung.

Ende letzter Woche griffen die USA und Israel den Iran unter Vorwand eines Präventivschlags an. Bis jetzt vermeldet der Iran bereits über tausend Verstorbene durch den Angriff, darunter wurde laut Berichten auch eine Schule getroffen, wodurch mindestens 165 Schüler:innen getötet wurden.

Der Krieg gegen den Iran geht weiter

Nimmt der Iran an der WM teil?

Im Kontext der WM 2026 ist das vor allem interessant, da sich auch der Iran für das Turnier qualifiziert hat. Alle drei Vorrundenspiele würden in den USA stattfinden. Ob das iranische Team nun noch antreten kann, ist dementsprechend fraglich. Dies liegt allerdings nicht nur am von der USA und Israel gestarteten Krieg, bereits im Vorhinein kamen Fragen dazu auf, ob iranische Athlet:innen überhaupt in die USA reisen könnten.

Grund dafür ist ein von US-Präsident Donald Trump verhängtes Einreiseverbot. Zwar sollen Athlet:innen und ihn zugehöriges Personal nicht von den Beschränkungen betroffen sein, jedoch kam es schon bei der Auslosung für die WM im vergangenen Dezember dazu, dass Mitglieder der iranischen Delegationen kein Visa genehmigt bekommen haben. In Reaktion boykottierte die gesamte iranische Delegation die Veranstaltung. Die Angriffe verschärfen die Lage nun natürlich noch weiter.

Eine Teilnahme wird auch vom iranischen Team selbst bezweifelt. So erklärte der Präsident des iranischen Fußballverbandes Mehdi Taj: „Nach den Angriffen durch die USA ist es schwer vorstellbar, dass wir mit Zuversicht auf die Weltmeisterschaft blicken können. Aber entscheiden müssen darüber die Führer des Sports“.

FIFA weigert sich, Angriffe zu verurteilen

Eine starke Reaktion zeigte die FIFA nach den Angriffen nicht. Wie genau der Umgang mit der Situation sein wird, dazu äußerte sich die FIFA ebenfalls nicht konkret. Zuletzt hieß es vom FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström der Fokus läge darauf, eine sichere Weltmeisterschaft, an der alle Teams teilnehmen können, auszutragen. Präsident Trump erklärte wiederum in Antwort auf die Frage, ob der Iran teilnehmen würde: „Es ist mir wirklich egal“, und widerspricht der FIFA-Position damit zumindest im Ton.

Eine Verurteilung der kriegerischen Aggressionen gegen eines ihrer Mitglieder bleibt von Seiten der FIFA aus. Stattdessen erklärten sie, dass sie die Situationen und Probleme weiter beobachten werden und dass es zu früh sei, über Details zu sprechen. Mit der Neutralitätspflicht scheint die FIFA mit der Annäherung an die US-Regierung immer mehr zu brechen, womit die Integrität des größten Fußballevents der Welt ins Wanken gerät.

FIFA und US-Regierung teilen Interessen

Die FIFA und die US-Regierung stehen sich dabei schon länger recht nah. So verlieh der FIFA-Präsident Gianni Infantino einen extra neu geschaffenen FIFA-Friedenspreis an den US-Präsidenten Donald Trump.

Verleihung des FIFA Friedenspreis: Weniger Fußball, mehr Trump

Dieses Verhältnis geht auch über den Fußball hinaus; der FIFA-Präsident Gianni Infantino mischt auch politisch mit, so etwa beim „Friedensrat“, welcher aus Politikern, Geschäftsleuten und Familienangehörigen aus dem Umfeld Trumps besteht und sich über das Vorgehen in Gaza berät.

Dementsprechend profitieren beide von der Zusammenarbeit: Trump kann sich mit der WM im eigenen Land profilieren und mit guter PR punkten, während Infantino auch auf der weltpolitischen Bühne an Einfluss gewinnt und beim Wiederaufbau Gazas mitbestimmen darf. Ganz konkret drückt sich dies beispielsweise durch einen FIFA-Plan zum Bau eines neuen Nationalstadions mit 20.000 Plätzen aus. Auch will die FIFA dabei helfen, 75 Millionen US-Dollar für geplante Investitionen im Gazastreifen aufzutreiben.

Stille auch von DFB

Auch der DFB leistete keine Kritik am Ausrichter des Turniers – zu dem Thema wurde bisher keinerlei Stellung bezogen.

Bereits als zuvor wegen der aggressiven und rassistischen Abschiebepolitik Trumps Boykott-Forderungen im Raum standen, weigerte sich der DFB Stellung zu beziehen. In einen kurzen Statement wurde ein Boykott abgelehnt. Es wurde außerdem erklärt, dass das DFB-Präsidium sich einig wäre, „dass sportpolitische Debatten intern und nicht öffentlich geführt werden“. Ein Kurswechsel nach den Angriffen auf den Iran ist nicht abzusehen.

Damit reiht man sich gewissermaßen in die deutsche Außenpolitik zu diesem Thema ein. Denn unkritisch zeigt sich auch die BRD selbst: Kanzler Friedrich Merz rechtfertigte das Vorgehen der USA und Israels als notwendigen Präventivschlag. Er betonte auch: „Deutschland will zu einer neuen Friedens- und Stabilitätsordnung im Nahen Osten beitragen.“

Iran: EU-Staaten unterstützen Angriffskrieg durch USA und Israel

Die Bundesregierung nimmt dabei sogar eine unterstützende Rolle bei den Angriffen ein. Zwar kam nicht die Bundeswehr selbst zum Einsatz, jedoch werden deutsche Luftwaffenstützpunkte wie Rammstein für die Angriffe der USA genutzt. Dafür ließ sich Merz am Dienstag bei einem Treffen mit Trump in Washington loben.

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