Iran-Krieg bringt schwere Folgen für Öl, Gas und Weltwirtschaft

Eine Woche nach Beginn des Iran-Kriegs durch die USA und Israel scheint ein Ende kaum in Sicht. Während Medien und Politik rätseln, wie es weitergeht, steigen Öl- und Gaspreise wie Opferzahlen gleichermaßen.

Der Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran läuft weiter. Eine Woche nach dem Beginn des Krieges scheinen sich verschiedene Tendenzen zu festigen: die Öl- und Gaspreise steigen weiter und weder ein Ende der Materialschlacht der Raketen und Drohnen noch der Herrschaft der Islamischen Republik scheint derzeit in Sicht. Mehr als 1.300 Iraner:innen sind – Stand Samstag Morgen – laut staatlicher Quellen durch den Krieg bereits getötet worden, und auch in Israel, den Golfstaaten sowie dem US-Militär gibt es mittlerweile mehrere Dutzend Tote. Zudem weitet sich der Krieg auf andere Teile Westasiens aus, darunter Irak, Libanon und Aserbaidschan.

Nach Angaben der Iranian Red Crescent Society (deutsch: Rothalbmond-Gesellschaft) wurden seit Beginn des Krieges am 28. Februar bei US-israelischen Angriffen mindestens 6.668 zivile Einrichtungen ins Visier genommen. Nicht nur tausende Wohngebäude und Gewerbeeinheiten wurden gezielt angegriffen, sondern auch 14 medizinische Einrichtungen, 65 Schulen und 13 Einrichtungen der Rothalbmond-Gesellschaft. Zudem seien mehrere Rettungs- und Hilfsfahrzeuge beschädigt worden.

Iranische Raketen richten wirtschaftlich großen Schaden an

Nachdem zu Beginn des Kriegs noch eine Vielzahl von Gegenschlägen vom iranischen Staat ausgingen, hat sich die Aktivität der iranischen Drohnen- und Raketenschlägen nun auf einem geringen Niveau eingependelt. Bereits am Mittwoch berichtete ein US-General davon, dass man die Kapazitäten der iranischen Gegenangriffe zu einem großen Teil habe beseitigen können.

Dennoch verursachte auch der Iran Schaden: Zum einen, weil er relativ preiswerte Drohnen und Raketen einsetzt, die von den US-Alliierten mit teuren, modernen Luftverteidigungssystemen wie z.B. Patriot-Raketen abgewehrt werden. Zum anderen konnten überraschende Treffer gelandet werden, auf die vor allem die Golfstaaten nicht vorbereitet waren.

So konnte laut verschiedenen Quellen ein US-amerikanisches Frühwarn-Radar in Katar zerstört werden. Eine Schwachstelle moderner Systeme wird dabei deutlich: Während die Luftverteidigung auf schnell und hoch fliegende Raketen ausgelegt ist, fliegen Kampf- und Kamikaze-Drohnen des Irans eher tief und langsam. Dabei erzielen die kombinierten iranischen Waffensysteme immer wieder Treffer.

Die Wahl der Ziele der iranischen Streitkräfte und Revolutionsgarden, vor allem in den Golfstaaten, sorgt für erheblichen politischen und wirtschaftlichen Druck: Der Iran wählt einerseits gezielt Ziele aus, bei denen mit vergleichsweise geringem militärischem Aufwand große Wirkung erzielt werden kann. In der vergangenen Woche wurden z.B. die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) fünfmal häufiger getroffen als Israel. Andererseits führt der Iran immer wieder auch präzise Angriffe auf Hotels und den Energiesektor aus, um den wirtschaftlichen Schaden zu intensivieren und so den internationalen Druck so hoch wie möglich zu treiben.

Diese Strategie hat im Vergleich zur sonst sehr düsteren militärischen Lage für das iranische Regime Erfolg: Schon jetzt sind die Öl- und Gaspreise in die Höhe geschossen. QatarEnergy, der katarische Staatskonzern, der circa 20 Prozent des Gasmarkts versorgt, musste die Gasproduktion einstellen. Die Straße von Hormus, eine wirtschaftlich immens wichtige Meerenge im Persischen Golf zwischen Iran, Oman und den VAE, ist beinahe geschlossen. Sollte der Krieg länger andauern, könnte die gesamte Ölproduktion in Westasien eingestellt werden müssen, warnt Katars Energieminister Saad al-Kaabi.

Krieg im Iran treibt Inflation und Ölpreise weltweit

In Zahlen sind die Folgen des Krieges messbar: Der Öl-Preis der Sorte Brent liegt aktuell bei über 90 Dollar pro Fass und der britische Konzern Barclays erwartet einen Anstieg auf 120 Dollar pro Fass, sollte der Krieg noch Tage bis Wochen andauern. Das ist im Vergleich zum Beginn des Ukraine-Kriegs, als die Ölpreise kurzzeitig auf bis zu 300 Dollar pro Fass stiegen, relativ moderat, allerdings schlagen sich die erhöhten Preise schon jetzt auch an deutschen Tankstellen nieder. Am Freitagmittag standen die Dieselpreise schon bei 2,07 Euro, Tendenz steigend.

Insgesamt haben die Straße von Hormus und das Öl aus Westasien generell einen wesentlich größeren Einfluss auf die Weltmärkte als das Öl aus Russland. Selbst wenn beispielsweise die Anlagen in Katar bald erneut in Betrieb genommen werden könnten, würde es noch Wochen oder Monate dauern, bis sie wieder liefern könnten und sich die Märkte entspannen würden.

Sperrung der Straße von Hormus: Gaspreis steigt um 45 Prozent

Bei einem tatsächlichen Kriegsverlauf von mehreren Wochen oder sogar Monaten würde die Weltwirtschaft einen schweren Schlag erleiden und die Inflation wesentlich mehr als das geschätzte Prozent steigen. Ein Preis, den das iranische Regime in dieser existenziellen Krise bereitwillig akzeptiert.

Auch für die USA ist die Situation bis jetzt nicht ungünstig: Denn anders als Europa und China haben sie selbst Gas, das sie nicht nur zum alten Preis fördern, sondern auch zu den neuen Preisen exportieren können.

Die USA sind seit 2023 zum größten Exporteur von Flüssigerdgas (LNG) aufgestiegen. Möglich wurde dies durch große Schiefergas-Reserven sowie den Ausbau von LNG-Exportterminals vor allem an der Golfküste, über die täglich Milliarden Kubikfuß Erdgas verflüssigt und in alle Welt verschifft werden.

Das Gas ist nun gefragter denn je – und dürfte eher nach Asien als nach Europa gelangen. Je länger also der Konflikt andauert, desto kritischer wird die Lage für die europäische Industrie. Auch deshalb wollte Friedrich Merz bei seinem Washington-Besuch die aktuelle Lage in Westasien genau verstehen.

Iran: EU-Staaten unterstützen Angriffskrieg durch USA und Israel

Deutschland und Europa nur Zuschauer?

Insgesamt mimen die europäischen Staaten noch stark die Rolle der Zuschauenden, auch wenn nach dem iranischen Angriff auf die britischen Basen auf Zypern kurzerhand diverse Marineverbände verschiedener Staaten dorthin verlegt wurden. Dabei betrifft der Krieg nicht nur aufgrund der Ölpreise sehr direkt auch die Belange europäischer Großmächte: Zum einen ist die Aufmerksamkeit der USA derzeit auf viele andere Schauplätze als den Ukraine-Krieg gerichtet, der für Deutschland weiterhin eine sehr große Rolle in ihrer eigenen geopolitischen Strategie spielt. Zum anderen werden gerade dort unter anderem dringend genau jene Patriot-Systeme benötigt, die das US-Militär und seine Partner in Westasien derzeit einsetzen.

Das stellt zwar an sich ein Problem für die Ukraine und die deutschen wie europäischen Interessen dar, zugleich könnten jedoch zwei Konzerne von der Notwendigkeit solcher Patriot-Systeme profitieren: Die deutschen Rüstungskonzerne MBDA und Rheinmetall sind die Einzigen außer den US-amerikanischen Unternehmen Lockheed Martin und Raytheon, die solche Raketenabwehrsysteme bald produzieren könnten. Im bayerischen Schrobenhausen wird die Produktion von MBDA bereits aufgebaut und wird damit die weltweite Produktionskapazität des Abwehrsystems verdoppeln.

Ende 2026 soll die deutsche Produktion dort anlaufen, 2027 kann geliefert werden. Rheinmetall ist zwar noch nicht so weit, verhandelt aber intensiv mit Lockheed Martin über die Herstellung von noch hochwertigeren Patriot-Systemen.

Trotz der erst einmal eher ungünstigen Situation für die Ukraine, könnte diese jedoch teilweise von der Situation im Iran profitieren: Im Gegensatz zu den USA hat das ukrainische Militär ausgiebige Erfahrung mit der Abwehr von solchen Drohnen, wie der Iran sie benutzt, und bietet auch bereitwillig an, diese zu teilen. Im Gegenzug dürfte etwas von den USA erwartet werden.

Endlich den Regime Change im Iran geschafft?

Bei allen beobachtbaren Entwicklungen im Iran bleibt jedoch nach wie vor die Frage, wie es nach dem Krieg politisch mit dem Land weitergehen soll. Die Zivilbevölkerung könnte sich durch die nachhaltigen Angriffe auf sich zunehmend von einem Machthaber, der in Kooperation mit den USA steht, abwenden.

Die Nacht von Donnerstag auf Freitag war von den bisher stärksten Angriffen auf die Hauptstadt Teheran geprägt. Ein Geflüchteter berichtete, er könne bereits „Luftschläge, Jets und Luftverteidigung am Geräusch unterscheiden“. Und Donald Trump sieht für das iranische Volk nur zwei Möglichkeiten: die bedingungslose Aufgabe oder „den absolut garantierten Tod“.

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