Eine deutsche Journalistin und ein kurdischer Kollege wurden Mitte Januar von der syrischen Übergangsregierung verschleppt. Seitdem gibt es keine Informationen über ihren möglichen Aufenthaltsort oder ihr Schicksal. Doch die Rufe nach ihrer Freilassung werden lauter.
Mitte Januar wurde die Selbstverwaltung in Nordost-Syrien von den islamisch-fundamentalistischen Regierungstruppen der syrischen Übergangsregierung angegriffen. Im Rahmen diese Angriffes kam es dabei innerhalb der ersten Tage zu massiven Gebietsgewinnen der Regierungstruppen unter der Führung der HTS (Haiʾat Tahrir asch-Scham).
Dabei wurden tausende Menschen vertrieben, Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung verübt und Zivilist:innen und Journalist:innen festgenommen. Seit dem 25. Januar herrscht ein Waffenstillstand, und ein Integrationsprozess der Selbstverwaltung in den syrischen Staat wurde begonnen.
Verschleppt und nie mehr gesehen
Die internationale Journalistin Eva Maria Michelmann, sowie Ahmed Polad, Autor bei Kurdistana Azad und Moderator bei ÖzgürTV, werden seit dem 18. Januar vermisst. Polad hatte gelegentlich auch für die türkische Nachrichtenagentur ETHA berichtet. Michelmann hatte 2020 und 2021 auch Perspektive Artikel zukommen lassen.
Laut People’s Bridge befanden sich die beiden Journalist:innen während eines Angriffs der Regierungstruppen in Ar-Raqqa. Ein Versuch der SDF (Demokratischen Kräfte Syriens), Zivilist:innen aus dem Kriegsgebiet zu evakuieren, scheiterte. Laut Aussagen von wieder freigelassenen Augenzeugen wurden Polad und Michelmann von Regierungstruppen in ein Auto gesetzt und seitdem nicht mehr gesehen.
Aktuell ist das Schicksal der beiden Journalist:innen unklar. Die Forderungen von People’s Bridge ist klar: „Wir rufen alle dazu auf, schnell zu handeln, um das Schicksal der Vermissten aufzuklären. (…) Wir fordern die deutsche Regierung auf, Druck auf die Übergangsregierung auszuüben, um Aufklärung über das Ergehen der deutschen Staatsbürgerin Eva Maria Michelmann zu schaffen.“
Sie fordern die Freilassung der festgenommen Journalist:innen und rufen alle internationalistischen Organisationen, Journalist:innen und Presseverbände auf, für die Freigabe der beiden zu kämpfen.
Repression gegen sozialistische Kräfte
Anfang Februar hatte es zudem starke Repressionen gegen die sozialistische Bewegung in der Türkei gegeben. Dort war es unter dem Vorwand einer „Anti-Terror-Operation“ zur Verhaftung von fast 100 Politiker:innen, Gewerkschafter:innen und Journalist:innen gekommen.
Große Verhaftungswelle gegen Sozialist:innen in der Türkei
Besonders betroffen von der Repressionswelle ist die Nachrichtenagentur ETHA. Bei Razzien in Istanbul wurden Redaktionsräume durchsucht, Türen gewaltsam aufgebrochen und technische Geräte wie Laptops und Festplatten beschlagnahmt. Unter den Festgenommenen befinden sich mehrere Journalist:innen, darunter der Redakteur Pınar Gayip sowie die Korrespondent:innen Züleyha Müldür und Müslüm Koyun.
Zur Unterstützung der Nachrichtenagentur wurde kürzlich eine Spendenkampagne gestartet. Um die anfallenden Prozess- und Anwaltskosten zu stemmen und das zerstörte und gestohlene Material zu ersetzen, werden Spenden über ein GoFundMe gesammelt.

