Aufrüstung, Militarisierung, Wehrpflicht – aktuelle Entwicklungen, die nicht nur die Jugend in Deutschland beschäftigen. Auf einer internationalen Jugendkonferenz gegen den Krieg haben sich junge Menschen aus ganz Europa vernetzt und ausgetauscht. Perspektive war vor Ort und berichtet aus Mailand.
Am 21. März fand in Mailand eine antimilitaristische Jugendkonferenz statt. Unter dem Motto „Krieg dem Krieg! Wir lassen uns nicht rekrutieren!“ trafen sich dort verschiedene sozialistische und kommunistische Jugendorganisationen, um über die aktuelle Lage, die Aufrüstung, Militarisierung und die Proteste dagegen zu diskutieren.
Zur Konferenz aufgerufen hatten verschiedene Gruppen aus Italien, Deutschland und Frankreich. Darunter Cambiare Rotta. Opposiszione Studentesca di Alternative (OSA), Jeunesse Communiste, Young Struggle und In Aktion gegen Krieg und Militarisierung.
Die Jugend in Europa – verschiedene Länder, gemeinsamer antimilitaristischer Kampf
Ziel der Konferenz war es, einen Erfahrungsaustausch über Analysen zur europäischen Wiederbewaffnung und Aktionen dagegen zu organisieren, aber darüber hinaus auch zu gemeinsamen Losungen und Perspektiven für den Kampf gegen den Militarismus zu kommen.
Immer wieder wurde dabei die Bedeutung des gemeinsamen, internationalistischen Kampfes in Europa sowie darüber hinaus die Konferenz als ersten Schritt in diese Richtung betont. Denn Aufrüstung, Militarisierung, Rechtsruck und Wehrpflicht sind Probleme, mit denen sich nicht nur die Jugend in Deutschland herumschlagen muss.
So berichtete beim 1. Programmpunkt am Samstagmorgen die kommunistische Schüler:innenorganisation OSA, die in mehreren italienischen Städten aktiv ist, davon, dass es in Italien eine fortwährende Militarisierung der Schulen gibt. Gleichzeitig verlieren immer mehr Schüler:innen die Hoffnung in die Zukunft oder brechen die Schule ab.
Vorangetrieben wird diese Militarisierung laut OSA maßgeblich von der faschistischen Meloni-Regierung, die alles gibt, um die Aufrüstung, das Militär und letztlich auch den Krieg als „normal“ erscheinen zu lassen. Gegen diese Normalisierung, gegen die Aufrüstung und gegen den Krieg zu kämpfen, darin sieht OSA die Hauptaufgabe der kommunistischen Jugendlichen in Italien, aber auch dem Rest Europas.
Auch andere Reden und Diskussionsbeiträge drehten sich vor allem um die Fragen der gemeinsamen Praxis. „Heute geht es darum, Erfahrungen auszutauschen und aus diesen Erfahrungen praktische Schritte abzuleiten. Mit dieser Konferenz gehen wir erste Schritte darin, eine Welle des Widerstands in Europa loszustoßen“, hieß es zum Beispiel in der Rede der europaweiten sozialistischen Jugendorganisation Young Struggle.
Solidarität mit Kuba
Später am Tag wurde ein Mitglied von Cambiare Rotta, das sich zurzeit als Teil einer Solidaritätsdelegation auf Kuba befindet, der Konferenz per Videotelefonat zugeschaltet. Die Delegation brachte dringend benötigte Güter nach Kuba, die sie im Vorhinein als Spenden gesammelt hatte.
Kuba leidet schon seit der Revolution von 1959 unter wirtschaftlichen Sanktionen und Blockaden, die dem Land vor allem von den USA auferlegt werden. Während es bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion 1989/90 noch einen relativ stabilen Handelspartner für die kleine Inselrepublik gab, wurde die Lage in den darauffolgenden Jahrzehnten immer öfter prekär.
Zuletzt verloren die Kubaner:innen nach der Entführung Maduros und der Unterwerfung Venezuelas ihren wichtigsten Lieferanten für Öl und damit die Grundlage für das Strom- und Versorgungsnetz des ganzen Landes. Seitdem kämpft die Bevölkerung Kubas mit Stromausfällen und extrem hohen Preisen für Benzin und Diesel.
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Neben diesen Berichten von Cambiare Rotta gab es auch noch einen Redebeitrag einer Vertreterin des kubanischen Konsulats. Sie überbrachte den Teilnehmer:innen der Konferenz Grüße und Danksagungen der kubanischen Regierung und bekräftigte, dass Kuba die Errungenschaften der Revolution weiter verteidigen würde.
Schulstreiks gegen die Wehrpflicht – am 8. Mai dann europaweit?
Eine wichtige Rolle in den Diskussionen auf der Konferenz spielten auch die Schulstreiks gegen Wehrpflicht in Deutschland, die am 5. Dezember und 5. März landesweit stattgefunden haben. In Redebeiträgen der Freien Deutschen Jugend, Schule gegen Krieg und der Internationalen Jugend wurden verschiedene Perspektiven und Eindrücke von der Bewegung geschildert und darüber diskutiert, was es braucht, um den Widerstand gegen die Wehrpflicht weiter voranzutreiben.
Die italienische Schüler:innenorganisation OSA brachte die Initiative ein, den 8. Mai, für den in Deutschland der nächste Schulstreik angekündigt wurde, zum europaweiten Kampf- und Streiktag gegen Aufrüstung und Wehrpflicht auszurufen. Schon zuvor gab es an den Tagen der Streiks in unterschiedlichen Städten Italiens Solidaritätsaktionen. Anschließend wurde die Konferenz mit Livemusik und Getränken, nach vielen spannenden Eindrücken und ausgiebigen Diskussionen, erfolgreich beendet.

