Krieg gegen den Iran: Die Zeichen stehen auf Eskalation

Im Krieg gegen den Iran ist auch in der dritten Woche kein Ende abzusehen. Ununterbrochen beschießen die USA und Israel kritische Infrastruktur wie auch zivile Ziele im Iran. Das Kriegsgeschehen verlagert sich zunehmend in die Meere rund um den Iran.

Von Regierungsmitgliedern Israels und den USA gab es in den vergangenen Tagen immer wieder widersprüchliche Angaben zu einem möglichen baldigen Kriegsende im Iran. US-Präsident Donald Trump sprach etwa davon, der Krieg sei „so gut wie beendet“. Gleichzeitig kündigte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu an, Israel sei „noch nicht fertig“.

Aktuell stehen die Zeichen jedoch eher auf weiterer Eskalation. Die USA haben am Samstag ein groß angelegtes Bombardement auf der iranischen Insel Kharg geflogen und dabei laut US-Angaben über 90 militärische Anlagen wie Munitionslager, Minen-Depots, Luftabwehr und Marineinfrastruktur zerstört.

Die Insel ist ein wichtiger Standort für die iranische Erdölindustrie, von dem aus ein Großteil des iranischen Öls verladen und verschifft wird. Iranische Quellen bestätigen, dass sich der Angriff auf militärische Infrastruktur konzentrierte, warnen aber, dass ein künftiger Schlag auf die Energieanlagen selbst die Öl‑Exportkapazität massiv beeinträchtigen würde.

US-Präsident Trump behauptet, die militärischen Einrichtungen der Insel seien „komplett zerstört“ worden und erklärt öffentlich, man könne Kharg „ein paar Mal“ erneut angreifen, „just for fun“, womit er explizit weitere Schläge in Aussicht stellt.

Krieg im Iran: Die Offensive hält an

Straße von Hormus und die internationale Dimension

Die USA stellen den Krieg zunehmend als Kampf um die Wiedereröffnung der Straße von Hormus für Öl- und Gaslieferungen dar. Trump fordert Staaten wie Japan, Südkorea, Frankreich und Großbritannien dazu auf, Kriegsschiffe zu entsenden, um gemeinsam mit den USA die Schifffahrtsroute zu sichern. Dabei wandte sich Trump sogar an den größten US-Rivalen China. Explizit drohte er auch den Staaten der NATO mit einer „sehr düsteren Zukunft“, sollten sie sich nicht an der Sicherung der Straße von Hormus beteiligen.

Bisher hat jedoch kein Staat seine militärische Unterstützung zugesichert. Trump behauptet zugleich, die USA hätten „100 Prozent“ der militärischen Fähigkeiten Irans zerstört, warnt aber, dass Iran mit relativ einfachen Mitteln wie Drohnen, Seeminen, Kurzstreckenraketen weiterhin die Schifffahrt bedrohen könne, weshalb der Einsatz internationalisiert werden solle.

Gleichzeitig zeigen sich erste dramatische Auswirkungen der Lieferengpässe von Energieträgern durch die Straße von Hormus. In Bangladesch etwa hat die Regierung damit begonnen, zeitweise den Strom abzustellen und Schulen und Universitäten zu schließen. Damit will die Regierung die für das Land zentrale Textilindustrie aufrechterhalten.

Luftabwehr der Invasoren unter Druck

Infolge des hohen Munitionsverbrauchs im Krieg gegen den Iran geraten die USA in eine Knappheit an hoch entwickelten Terminal High Altitude Area Defense (THAAD) – und Patriot‑Luftabwehrsystemen. Daher hat das US-Militär damit begonnen, Luftabwehr aus Südkorea abzuziehen und nach Westasien zu verlegen. Damit sollen die zunehmenden Luft‑ und Raketenabwehrlücken geschlossen werden.

Berichte deuten darauf hin, dass bereits Ende 2025 Präzisionsbomben und weitere Systeme von der koreanischen Halbinsel abgezogen wurden. Südkoreanische Medien und Beobachter warnen, dass dies die Abschreckungswirkung gegenüber Nordkorea schwächt und innenpolitische Unruhe auslöst.

Israel hat signalisiert, dass seine Bestände an Abfangraketen für ballistische Raketen – insbesondere für Langstreckensysteme – „kritisch niedrig“ sind, nachdem es über längere Zeit eine große Zahl iranischer Raketen und Drohnen abfangen musste.

US‑Offizielle bestätigen, dass die hohe Frequenz iranischer Angriffe und der Einsatz von Streumunition und Drohnenschwärmen den Verbrauch von Abfangraketen stark erhöht haben und inzwischen auch amerikanische Bestände für israelische Systeme unter Druck geraten.

Opferzahlen und iranische Reaktion

Die Zahl der Todesopfer im Iran liegt mittlerweile bei etwa 1.500, mit mehr als 12.000 Verletzten. Unter den Opfern sind zahlreiche Zivilist:innen, darunter viele Kinder, etwa durch den Einschlag in eine Mädchenschule in Minab.

Auf der Gegenseite werden mindestens eine zweistellige Zahl an Toten in Israel, sowie mehrere getötete US‑Soldaten und Tote Zivilist:innen in den Golfstaaten gemeldet. Die genauen Zahlen schwanken je nach Zeitpunkt der Meldung.

Iran hat nach eigenen Angaben mit Raketen‑ und Drohnenangriffen auf Israel und US‑Stützpunkte in der Region reagiert und droht insbesondere für weitere Angriffe auf Energie‑Infrastruktur mit verstärkter Vergeltung um die Kosten der US-israelischen Invasion für die Angreifer in die Höhe zu treiben. Die iranische Führung betonte dabei man wolle, wenn möglich Angriffe auf dicht besiedelte Gebiete vermeiden.

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Weitere Verlegung von Truppen

Währenddessen verlagert sich das Kriegsgeschehen zunehmend in den persischen Golf. Die Verlegung von rund 2.200–2.500 US‑Marines und weiterer Kriegsschiffe erhöht dadurch den Druck auf Teheran und erweitert die militärischen Optionen der USA.

Die Marines bilden zusammen mit den Schiffen der „Amphibious Ready Group“ eine schnell verlegbare Eingreiftruppe. An Bord befinden sich ein komplettes Infanteriebataillon sowie Hubschrauber, Kampfjets und verschiedene Logistik‑Elemente, die begrenzte Operationen an Land selbstständig durchführen können.

Parallel dazu befinden sich bereits mehrere Flugzeugträger im Arabischen Meer und im Golf von Oman, sodass sich ein dichter Ring aus US‑See‑ und Luftstreitkräften um den Iran schließt.

US‑Vertreter:innen betonen, die Marines könnten grundsätzlich Bodenoperationen durchführen. Die bisher mobilisierten Truppen umfassen jedoch nur wenige Tausend Soldat:innen und sind konzeptionell für kurzfristige, begrenzte Landungsunternehmen angelegt – nicht für eine große Invasion des Iran, die hunderttausende Soldat:innen erfordern würde. Die Verlegung ist daher primär als Abschreckungssignal zu werten und deshalb ist eine großangelegte Bodeninvasion, wie etwa im Irakkrieg, aktuell noch unwahrscheinlich.

Dennoch stellt die Präsenz der Marines nahe der Straße von Hormus einen weiteren Eskalationsschritt dar. Mögliche Landungsoperationen würden direkt dort ansetzen, wo Iran mit Booten, Drohnen und Raketen den Ölexport blockiert.

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