Nach Machetenangriff in Berlin: Antifaschistischer Selbstschutz wichtiger denn je

Der faschistische Angriff auf zwei Jugendliche in Berlin zeigt die faschistische Bedrohungslage in Berlin. Wenn Polizei und Regierung rechte Gewalt unter den Teppich kehren und Jagd auf Antifaschist:innen machen, bleibt antifaschistischer Selbstschutz unsere einzige Wahl. – Ein Kommentar von Michael Schirm.

In der vergangenen Woche wurden in Berlin zwei Jugendliche von Faschisten mit einer Machete lebensbedrohlich angegriffen. Die Angreifer schlugen den Leidtragenden mit der Waffe auf Kopf, Gesicht und Arme.

Beide Jugendliche mussten im Krankenhaus behandelt werden, eines der Opfer wurde schwer verletzt. Nur durch ihre schnelle Reaktion konnte sie ihre Arme vors Gesicht reißen und so Schlimmeres verhindern – mit der Folge einer Schnittwunde, die bis zum Knochen reicht.

Als die Faschisten dann schließlich die Flucht ergriffen, weil Beistehende zur Hilfe eilten, brüllten sie unter anderem „Sieg Heil“ und machten so unmissverständlich klar, worin ihre Motivation besteht. Den Angriff galt offensichtlich als Angriff auf als links gesehene Jugendliche – dafür spricht auch der Ort vor der linken Kneipe „Supamolly“. Eine der Angegriffenen ist bei der Föderation Klassenkämpferischer Organisationen (FKO) organisiert, die nun zu einer Demonstration mobilisiert.

Berliner Faschisten greifen antifaschistische Jugendliche mit Machete an und verletzen sie schwer

Nicht der erste Angriff

Dieser faschistische Angriff ist kein Einzelfall in der Hauptstadt. In Berlin wurden in den vergangenen Jahren wiederholt Politiker:innen, Wahlkampfhelfer:innen und Aktivist:innen angegriffen, die den Faschist:innen ein Dorn im Auge sind.

Ende 2024 griffen Nazis zwei SPD-Mitglieder in Berlin-Lichterfelde an. Vier rechte Jugendliche prügelten auf sie ein und griffen später auch die Polizei an. Auch der Linksjugend-Politiker Lasko Schleunung wurde bereits mehrfach in seinem Kiez in Berlin-Lichtenberg von Rechten angegriffen und bedroht.

Neben Angriffen von einzelnen Neonazis oder Kleingruppen finden auch organisierte Angriffe statt. Im Sommer 2024 attackierten organisierte Faschist:innen am Berliner Ostkreuz eine Gruppe von Antifaschist:innen. Diese waren auf dem Weg zu einem Gegenprotest gegen die faschistische Partei III. Weg.

Organisierter faschistischer Angriff in Berlin

Die verstärkten Angriffe auf Antifaschist:innen der letzten Jahre spiegeln das Erstarken der rechten Bewegung wider. Allein im Jahr 2025 stieg die Zahl rechter Gewalttaten auf über 41.000 an. Die am meisten Betroffenen sind dabei all jene, die nicht in das Weltbild der Faschist:innen passen.

Faschistische Bedrohungslage in Berlin massiv verschärft

In Berlin sind Nazi-Angriffe auf linke Personen, die organisiert und konsequent gegen den Faschismus kämpfen, also gewissermaßen zur Normalität verkommen. Dennoch zeigen die kürzlichen Angriffe, dass die faschistische Bedrohung in der Hauptstadt eine neue Qualität erreicht.

Denn die rechten Angreifer haben versucht zu töten, oder nahmen dies zumindest ganz bewusst in Kauf. Wir sind inzwischen also weit über Einschüchterungsversuche und Machtdemonstrationen hinaus. Nein, die Gefahr durch Berliner Faschist:innen ist inzwischen wortwörtlich lebensgefährlich – insbesondere für Antifaschist:innen, Linke und Widerständige.

Dieser Staat schützt uns nicht

Kein Wunder, dass die Faschist:innen immer selbstsicherer werden und die Angriffe in ihrer Intensität zunehmen, denn weder auf die Regierung, noch auf die Polizei ist im Kampf gegen den Faschismus Verlass. In verschiedensten Fällen zeigen sie, auf welcher Seite sie stehen.

Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) kündigte beispielsweise direkt nach der Sabotage des Berliner Stromnetzes im Januar ein härteres Vorgehen gegen Linke an: „Mehr Personal, mehr digitale Befugnisse“ sollen für „Sicherheit“ sorgen.

Wie Dobrindt die Vulkangruppe instrumentalisiert

In seiner Heimat Bayern folgten Anfang März 22 Hausdurchsuchungen bei Antifaschist:innen, die sich in Nürnberg dem faschistischen „Team Menschenrechte“ entgegengestellt hatten. Dabei wurden Familienmitglieder isoliert, Zimmer durchwühlt und Kleidungsstücke sowie elektronische Geräte entwendet.

Wie im Vergleich dazu mit Faschist:innen umgegangen wird, zeigt der Fall von „Combat 18“, einer verbotenen Neonazi-Gruppe. Gegen die vier mutmaßlichen Anführer der Gruppe, die Anfang des Jahres auf der Anklagebank saßen, wurde das Verfahren gegen eine Zahlung von 500 Euro eingestellt. Im Gegensatz dazu stehen regelmäßige Terror-Prozesse nach §129 des Strafgesetzbuchs gegen fortschrittliche Kräfte.

Um es auf den Punkt zu bringen: Während sich rechte Gewalt im rasanten Anstieg befindet, setzen die Regierenden alles daran, gegen militante Antifaschist:innen zu hetzen. Auf der anderen Seite wird dann bei rechter Gewalt bewusst weggeschaut – als ob sie gewollt ist.

Rechte Gewalt 2025 auf Rekordhoch – „Linksextremismus“ im Fokus der Behörden

Die rechte Polizei

Diese Mentalität zieht sich durch Regierung und Sicherheitsbehörden, so auch in Berlin. Der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, Benjamin Jendro, fasste zuletzt augenscheinlich die Einstellung vieler Polizist:innen zusammen: „Linksextremismus ist ein Krebsgeschwür, das sich durch unsere Gesellschaft frisst und leider auch im politischen Raum immer wieder auf Nährboden trifft“.

Der Staat zeigt also auch in Berlin ganz offen, dass er sich gegen die Menschen wappnen möchte, die gegen den Faschismus und Kapitalismus auf die Straßen gehen. Den Faschist:innen, die für einen stärkeren Staat und mehr Macht für die Reichen kämpfen, lässt er hingegen meist freie Hand.

Das geht so weit, dass es nicht überraschend wäre, wenn ein Innenminister Dobrindt oder ein ranghohes Mitglied der Polizei die „Drecksarbeit“-Aussage des Bundeskanzlers im innenpolitischen Bezug auf Rechte wiederholen würden.

Antifaschistischen Selbstschutz organisieren

Auf diesen Staat, der immer wieder beweist, auf wessen Seite er steht, ist wie gesagt kein Verlass. Wie im Fall des Macheten-Angriffs, bei dem Mitmenschen die Nazis vertreiben konnten, müssen wir uns also gegenseitig schützen.

„Wir überlassen unsere Viertel keinen faschistischen Schlägertrupps, sondern wehren uns dagegen.“, erklärt deshalb die klassenkämpferische Jugendorganisation Internationale Jugend, deren Mitglied eines der Opfer des Angriffs war. Genau diese Einstellung braucht es jetzt.

Lasst uns die Angriffe auf unsere Klassengeschwister nicht unbeantwortet lassen! –  Einerlei, ob auf Genoss:innen, die sich den Faschist:innen in den Weg stellen, oder noch nicht organisierte Menschen, die den rechten Anfeindungen und Angriffen tagtäglich ausgesetzt sind! Die Föderation Klassenkämpferischer Organisationen (FKO) ruft deshalb alle solidarischen Personen zu einer Demonstration am 05.04. um 16 Uhr am Frankfurter Tor auf.

Michael Schirm
Michael Schirm
Student aus Wuppertal und Perspektive-Autor seit 2025. Schreibt themenübergreifend, mit Fokus auf die Arbeiter:innen, die vom Kapitalismus betroffen sind. „The true revolutionary is guided by a great feeling of love.“

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