Im Zuge der Angriffe auf den Iran sind die Spritpreise an den Tankstellen rapide gestiegen. In Deutschland ist dieser Anstieg sogar noch höher als im europäischen Ausland. Die Vermutung liegt daher nahe, dass sich Ölkonzerne an der Situation bereichern, wie schon zu Beginn des Ukraine-Kriegs.
Seit dem Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran können Verbraucher:innen im ganzen Land einen Anstieg der Kraftstoffpreise beobachten. In nur wenigen Tagen wurden sie hierzulande um 17-18 Prozent erhöht. In anderen europäischen Staaten stiegen die Preise zwischen 1,4 und 14,6 Prozent. Diese massive Differenz in sehr kurzer Zeit veranlasste auch Akteure wie den ADAC oder selbst die Bundesregierung zu der Vermutung, dass es sich hierbei um künstliche Preiserhöhungen handelt – zulasten der Verbraucher:innen.
Die Vermutung wird noch dadurch bestärkt, dass der Krieg erst vor einer Woche begann und Tankstellen noch Treibstoff auf Lager haben sollten. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) verlor deshalb auch ein paar Worte in Richtung Mineralölkonzerne: „Also es darf da jetzt keine Abzocke geben und da muss Politik natürlich auch handeln und muss da klar und konsequent vorgehen“, sagte der SPD-Chef in der Sendung ZDF spezial. Katharina Reiche, Wirtschaftsministerin der Bundesregierung, wolle zudem schnell prüfen, was man nun tun könne. Passiert ist bisher nichts.
Iran-Krieg bringt schwere Folgen für Öl, Gas und Weltwirtschaft
Während der DAX fällt, explodiert das Öl
Die Ursache für die Preiserhöhungen stellen der Iran-Krieg, der sich auf weitere Teile Westasiens ausgebreitet hat, und seine Folgen dar. Denn im Zuge dessen hat der Iran die Straße von Hormus blockiert, durch die 20 Prozent des weltweiten Öl- und Gasverkehrs verlaufen. Dies führt zu größeren Unsicherheiten auf den Aktienmärkten und einem starken Anstieg des Ölpreises. So war beispielsweise der DAX schon am Montag um über 2 Prozent eingebrochen und ist seitdem weiter gefallen. Währenddessen ist der Ölpreis pro Barrel von 72 US-Dollar auf 90 US-Dollar in der letzten Woche gestiegen.
Diese Marktentwicklungen, verbunden mit der allgemeinen Unsicherheit bei der Bevölkerung bezüglich der weiteren Versorgungslage, führt zu dem Phänomen, dass Verbraucher:innen Preiserhöhungen bereits erwarten und Unternehmen dies ausnutzen, um ihre Profitmargen zu erhöhen. Das schlägt sich dann in weitaus höheren Preiserhöhungen nieder, als eigentlich notwendig wäre, um sich an die Kosten anzupassen.
Somit wird auf dem Rücken der Verbraucher:innen die Krise genutzt, um sich selbst zu bereichern. Zu diesem Schluss kam auch der Ökonom Joachim Ragnitz des ifo-Instituts im Jahr 2022: „Einige Unternehmen scheinen den Kostenschub als Vorwand dafür zu nehmen, durch eine Erhöhung ihrer Absatzpreise auch ihre Gewinnsituation zu verbessern“, so Ragnitz.
Konzerne nutzten Ukraine-Krieg aus
Kurz nach der Eskalation des Ukraine-Kriegs 2022 zeigten sich ähnliche Kostenexplosionen wie heute: So haben die fünf größten Öl- und Energiekonzerne – BP, Exxon Mobil, Shell, Chevron und TotalEnergies – zwischen Frühjahr 2022 und Januar 2024 insgesamt 281 Milliarden US-Dollar Profit gemacht. In Deutschland machten Ölkonzerne alleine im März 2022 zusätzliche Gewinne in Höhe von 1,2 Milliarden Euro.
„Diese Analyse zeigt, dass – unabhängig davon, was an den Frontlinien passiert – die großen Fossilenergie-Konzerne die Hauptgewinner des Krieges in der Ukraine sind“, sagte Patrick Galey, leitender Ermittler für fossile Brennstoffe bei der NGO Global Witness: „Sie geben ihre Gewinne nun für Ausschüttungen an Investoren und für immer mehr Öl- und Gasproduktion aus, die Europa nicht einmal braucht und die das Klima nicht verkraften kann“, so Galey. Dies sei ein weiterer Beleg dafür, wie die fossile Brennstoffindustrie sowohl die Verbraucher:innen als auch den Planeten im Stich lasse.
Die aktuellen Preiserhöhungen lassen sich dabei jedoch nicht auf den Märkten beobachten, die längerfristig in die Zukunft planen. Diese sogenannten Futures-Märkte zeigen aktuell noch keine Preisschwankungen im Hinblick auf die Preise, die in 12 Monaten erwartet werden. Denn es ist aktuell noch nicht absehbar, wie lange der Iran-Krieg dauern wird und welche Instabilität sich daraus für die Zukunft ergibt.

