Seit fast einem Monat halten die Angriffe der USA und Israels auf den Iran an. Während die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft heiß diskutiert werden, tragen die Menschen vor Ort die Konsequenzen für Umwelt und Klima.
US-Präsident Donald Trump hatte vor knapp einer Woche gedroht, großflächig iranische Energieinfrastruktur anzugreifen, wenn die Straße von Hormus weiterhin gesperrt bleiben würde. Doch diese Drohung war nach Ablauf einer zweitägigen Frist wieder vom Tisch. Das kündigte Trump bei einem Kabinettstreffen letzten Dienstag an. Nach Verhandlungen verzichteten die USA auf weitere Angriffe gegen iranische Energiesektoren. Zudem sollen die ersten Öltanker durch die Straße von Hormus fahren, symbolisch für die Beendigung des Krieges.
Ebrahim Zolfaghri, iranischer Militärsprecher, schlug andere Töne an: Der Iran lehnte den 15-Punkte-Plan ab, welcher von den USA vorgeschlagen wurde. Dieser sollte den Rahmen für Friedensgespräche stellen. „Es kann zu keiner Übereinstimmung mit solchen wie euch kommen. Nicht jetzt und sonst auch nie“, deklarierte Zolfaghri.
Weltweit stehen schon die ersten Zeichen einer neuen Inflation an, angetrieben durch die immer wachsenden Öl- und Gaspreise infolge des Krieges. Iran beliefert ungefähr ein Fünftel des Weltbedarfs durch die Straße von Hormus. Weniger interessant für den Weltmarkt scheinen jedoch die Umweltfolgen der imperialistischen Kriege zu sein. In einer neu erschienenen Analyse des „Climate and Community Institue“ sind nun erste Berechnungen veröffentlicht: Allein in den ersten vierzehn Tagen betrugen die kriegsbedingten Treibhausgasemissionen in Summe fünf Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid. Das gleicht etwa dem gemeinsamen jährlich ausgestoßenen Betrag der 84 Länder, welche weltweit die wenigsten Emissionen haben.
Schwarzer Regen über Teheran
Die anhaltenden Angriffe seitens der USA und Israels visieren dabei iranische Militärbasen, Transportschiffe, Nuklearfakultäten, Industriegebiete und die Ölinfrastruktur an. Insbesondere die Bombardierungen in der Nacht zum 8. März trafen mehr als 30 Raffinerien und Erdöllager in Karadsch sowie der Hauptstadt Teheran, einer der wichtigsten Orte zur Gewinnung fossiler Brennstoffe sowohl national als auch weltweit.
Laut lokaler Behörden starben infolgedessen sechs Menschen und 20 weitere wurden verletzt. Nach dem Überfall fluteten unzählige Videos über die Zustände vor Ort die sozialen Medien. Dicker, schwarzer Rauch erfüllte den Himmel, Straßen und Häuser bedeckt mit Schwefel und riesige Flammen stachen aus den zerstörten Depots.
Durch die Luftangriffe wurden verschiedene Elemente wie Ruß, Ölpartikel und Schwefelverbindungen freigesetzt. Diese wurden mit dem Rauch in die Luft getragen, lösten sich durch den Niederschlag eines vorbeiziehenden Sturmes und bildeten so den schwarzen Regen.
Der Kontakt mit schwarzem Regen stellt für Menschen keine Lebensgefahr da, jedoch kann er trotzdem zu bleibenden Schäden für Haut und Lunge sowie Atemwegsproblemen führen. Die Auswirkungen auf das Ökosystem dürfen ebenfalls nicht unterschätzt werden. Der Regen ist wahrscheinlich schon durch die Entwässerungssysteme in das Grundwasser gelangen.
In kontaminierten Gewässern könnten Fischeier nicht mehr schlüpfen und bei starker Verseuchung kann es sogar zum Tod der Fische führen. Der schwarze Regen entzieht dem Boden bei Kontakt wichtige Mineralien und Nährstoffe, sodass Pflanzen diese nicht mehr entziehen und wachsen können. Ebenso kann die Ernte durch kontaminierte Böden unbrauchbar gemacht werden.
Deutschland und die Klimaziele: War da nicht was mit der Umwelt?
Angst vor bleibenden Schäden
Der iranische Zivilschutz sowie der Rote Halbmond warnten die Bevölkerung davor, ihre Wohnungen zu verlassen oder Klimaanlagen zu benutzten, aus Angst, die verdreckte Luft einzuatmen. Die akute Gefahr besteht vor allem durch die giftigen Rauchgase der Explosionen, die sich über ganz Tehran legen. Satellitenbilder zeigten noch Tage nach den Angriffen, wie Flammen aus den Öl-Depots loderten.
Dieses Feuer enthält Schwefeldioxid und Stickstoffdioxid – Elemente, welche bei der Verbrennung fossiler Stoffe entstehen und nun als Rauchgase in die Umluft verdampfen. Gleichzeitig können sie bei Niederschlag auch in das Grundwasser gelangen und es vergiften.
Die Kombination aus schwarzem Regen und dem giftigen Rauch führt jetzt schon zu Schäden, so etwa Hautirritationen, Asthmaattacken, Kopfschmerzen, Atemproblemen und ein konstantem Brennen in den Augen. Gabriel de Silva, Professor für Chemieingenieurswesen an der Universität Melbourne, warnt schon jetzt vor den langfristigen Folgen. Betroffen sind vor allem Kinder und ältere Menschen sowie Personen mit Behinderungen oder Vorerkrankungen, wie zum Beispiel Asthma.
Apokalyptische Zustände in Teheran
Der beständige Kontakt mit den freigesetzten Chemikalien kann unter anderem das Risiko für Krebserkrankungen erhöhen, so Silva. Durch das Einatmen der Stoffe gelangen sie in den Blutkreislauf und führen eventuell zu Krebskrankheiten, neurologischen Einschränkungen oder Herzmuskelerkrankungen.
Der schwarze Regen setze sich auf Gebäuden, Straßen und jeglichen anderen Oberflächen ab. Eine weitere Sorge besteht darin, dass dieser bei Sturm und Niederschlag wieder aufgeweht werden könnte und sich noch mehr verbreitet.
Unter einem Decknamen berichtete eine iranische Aktivistin von einer „fast schon apokalyptischen Lage“ in der Hauptstadt. Atemmasken und Inhalatoren werden immer rarer, merkt sie an, während der vorhandene Bestand immer teurer wird. So kann sich die breite Bevölkerung nicht vernünftig vor den Gefahren schützen.
Ökosysteme bedroht: Die Zerstörung der Ukraine nach fast 4 Jahren Krieg
Kriege weltweit als Umweltzerstörer
Am Beispiel vieler vorheriger Kriege in Westasien ist sichtbar, wie durch andauernde militärische Konflikte nachhaltig Umwelt zerstört wird. Die Umweltorganisation Greenpeace, dokumentiert etwa, wie die Auswirkungen des Zweiten Golfkriegs 1991 noch heute in der Region spürbar sind. Hunderttausende Liter Öl wurden damals absichtlich ins Meer geleitet und haben Schäden an einem empfindlichen Ökosystem ausgelöst. Zehntausende Vögel verendeten und zahlreiche Meeressäuger wie Wale und Delfine starben.
Auch im Zweiten Golfkrieg wurden Ölquellen in Brand gesetzt. Ärzt:innen stellten anschließend in Kuwait eine Zunahme von Atemwegserkrankungen fest. Auch damals entstand ein Schwarzer Regen der sich bis in die südlichen Teile der Sowjetunion erstreckte. 500.000 Schafe und rund 100.000 Kamele starben an der Luftverschmutzung. Rußwolken am Himmel sorgen dafür, dass Pflanzenwachstum gestoppt wurde und die Frühjahrsblüte ausblieb.
Auch im andauernden Ukrainekrieg sind die Folgen auf Flora und Faune nach über vier Jahren immens. Abgase, Feinstaub und Chemikalien werden andauernd freigesetzt und tragen zum Treibhauseffekt bei. 35 Prozent der Biodiversität Europas liegen auf dem Gebiet der Ukraine. Selbst nach beendeten Kampfhandlungen in einem Gebiet sind Wälder zerstört, werden Fahrzeuge zurückgelassen und Chemikalien bleiben im Boden.
Während die Erderwärmung steigt und immer mehr Folgen des menschengemachten Klimawandels sichtbar werden, eskalieren weltweit Kriege und beschleunigen so die Umweltzerstörung. Die aus Umweltzerstörung resultierenden Konflikte um Lebensraum, Nahrung und Ressourcen werden die weltweiten Kriege in Zukunft noch weiter anheizen und verstärken.

