Seltene Erden: Geschacher um Rohstoffe und neue Allianzen?!

Im Januar schlugen die USA ihren G7-Verbündeten und anderen Ländern eine Rohstoffallianz gegen China vor. Jetzt erwägen Kanada, Japan und Frankreich einen eigenen Handelsblock, um von beiden Großmächten unabhängig zu sein.

Beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos im Februar hielt Kanadas Premierminister Mark Carney eine vielbeachtete Rede. Darin beschwor er vor dem Hintergrund des globalen Machtkampfs zwischen den USA, China und Russland eine Zusammenarbeit der Mittelmächte. Der Premier reagierte damit auf den Handelskrieg der Trump-Regierung und deren Annektionsdrohungen gegenüber Grönland sowie auch Kanada selbst.

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Jetzt lässt Carney seiner Rede zügig Taten folgen: Mit einem Investitionspaket von 35 Milliarden Euro will Kanada seine militärische Präsenz in der Arktisregion verstärken und unter anderem Flugplätze und Logistikzentren dort ausbauen: „Wir werden uns nicht länger von einer einzigen Nation abhängig machen“, erklärte der Premier mit Blick auf das Nachbarland USA, mit dem Kanada militärisch bislang sehr eng zusammenarbeitet. In den nächsten Tagen wird Carney anlässlich eines NATO-Manövers in Norwegen mit Bundeskanzler Friedrich Merz zusammentreffen. Thema soll unter anderem ein möglicher Kauf von U-Booten bei der ThyssenKrupp-Tochter TKMS durch Kanada sein.

Neue Rohstoffallianz?

Auch beim Thema Rohstoffe will Kanada in Zukunft einen eigenen Weg einschlagen: Wie das Handelsblatt zu Wochenbeginn berichtete, prüft das Land zusammen mit Japan und Frankreich den Aufbau eines Handelsblocks, um sich bei kritischen Rohstoffen sowohl von China als auch von den USA unabhängig zu machen.

Regierungsvertreter:innen der drei Länder teilten mit, dass sie in diesem Zusammenhang über Importquoten für Seltene Erden, Subventionen für Bergbauunternehmen sowie einen von Kanada initiierten Käuferclub sprechen würden.

Die Pläne sind eine Antwort auf ähnliche Bestrebungen der USA: Im Januar hatte deren Finanzminister Scott Bessent die Finanzminister der G7-Staaten und die von Australien, Indien, Mexiko und Südkorea nach Washington eingeladen, um über eine internationale Rohstoffallianz gegen China zu sprechen. Das Vorhaben wird auch von US-Vizepräsident J.D. Vance vorangetrieben, der innerhalb der US-Regierung für eine amerikanisch-russische Zusammenarbeit gegen China eintritt.

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Chinesische Dominanz bei Seltenen Erden

Hintergrund der Diskussionen über Rohstoffallianzen ist vor allem die vorherrschende Stellung der Volksrepublik China bei der globalen Produktion Seltener Erden. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von 17 Metallen, von denen heute ein Großteil der Hochtechnologie- und Elektronikindustrie abhängt. 2024 importierte die EU 46,4 Prozent der Seltenen Erden aus China und 28,4 Prozent aus Russland. Deutschland bezog im vergangenen Jahr sogar mehr als 65 Prozent seiner Einfuhren von Seltenen Erden aus China. Auch bei Deutschlands zweitwichtigstem Lieferanten Österreich (mit 23 Prozent), das nur ein Zwischenhändler ist, ist von einem hohen Anteil aus chinesischer Produktion auszugehen.

China hat den Export seiner Seltenen Erden im vergangenen Jahr erheblich erschwert und damit auf westliche Handelsbeschränkungen reagiert: Für die Ausfuhr von 12 der 17 Metalle gilt seitdem eine besondere Genehmigungspflicht. Auch der Export von Technologien und Fachwissen zum Abbau und zur Verarbeitung der Rohstoffe sowie zur Herstellung der dazu notwendigen Magnete ist seitdem ohne Genehmigung verboten. Ebenfalls betroffen sind Produkte außerhalb Chinas, die Seltene Erden aus China enthalten oder mit chinesischen Verfahren hergestellt wurden.

Kanada als Alternative

Kanada verfügt selbst über große Vorkommen Seltener Erden und hat inzwischen 30 Verträge mit zwölf Ländern unterzeichnet, bei denen es um Investitionen in Bergbau und Technologie geht. Auch Deutschland will hier mitmischen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche gab im vergangenen August mit ihrem kanadischen Amtskollegen Tim Hodgson eine Absichtserklärung für ein Rohstoffabkommen ab. Für Kanada geht es auch darum, neue Abnehmer für die Rohstoffe außerhalb der USA zu finden.

Die Verhandlungen mit Japan und Frankreich sollen diese Pläne nun offenbar auf eine neue Stufe heben. Gesprochen wird sogar über ein großes Rohstoffbündnis aus mittleren kapitalistischen Ländern. Der französische Regierungsbeauftragte Benjamin Gallezot sagte z.B., es gäbe neben dem US-Vorschlag auch andere Wege. Lösungen müssten mit einer großen Zahl von Ländern diskutiert werden. Kanada hat seine Fühler inzwischen auch nach Australien und Indien ausgestreckt. Der ehemalige deutsche Außenminister Sigmar Gabriel ging Anfang letzten Jahres sogar so weit, eine EU-Mitgliedschaft Kanadas vorzuschlagen.

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