Die USA und befreundete Regierungen aus Lateinamerika haben ein neues imperialistisches Militärbündnis unter dem Namen „Shield of the Americas“ gegründet. Dieses will den chinesischen Einfluss in der Region zurückdrängen und die US-Hegemonie über den Kontinent festigen. Präsident Trump setzt dabei auf militärische Macht – und droht feindlichen Regierungen mit Angriffen und Annexion.
14 explizit konservative und US-freundliche Regierungen Lateinamerikas haben sich über das Wochenende bei Miami getroffen. Das Treffen in Donald Trumps Golfclub in Doral zeigt den Strategiewechsel in der US-Außenpolitik gegenüber der westlichen Hemisphäre der letzten Jahre auf, der eine verstärkte Militarisierung der Drogenbekämpfung und eine direkte Konfrontation mit dem wachsenden chinesischen Einfluss in der Region vorsieht. Laut US-Angaben haben sich insgesamt 17 Nationen der neuen Koalition angeschlossen.
In seiner über 30-minütigen Eröffnungsrede forderte Trump die anwesenden Staats- und Regierungschefs auf, ihre Armeen im Kampf gegen Drogenkartelle einzusetzen. Die Organisationen stellten eine „unannehmbare Bedrohung“ für die nationale Sicherheit der Hemisphäre dar. „Die einzige Möglichkeit, diese Feinde zu besiegen, ist die Macht unserer Militärs zu entfesseln. Wir müssen unser Militär einsetzen. Ihr müsst euer Militär einsetzen“, sagte Trump. Er verwies auf das Vorgehen der US-geführten Koalition gegen den Islamischen Staat (IS) im Irak und in Syrien und forderte ein gleichartiges Vorgehen gegen die Kartelle. „So wie wir eine Koalition zur Auslöschung des IS gebildet haben, brauchen wir jetzt eine Koalition zur Auslöschung der Kartelle“, so der Präsident wörtlich.
Doch für den US-Imperialismus ist der „Kampf gegen die Drogen“ schon seit Längerem ein vorgeschobenes Argument. Nicht zuletzt die offenen Kriegsverbrechen und Morde im Pazifik vor der Küste Venezuelas haben das im letzten Jahr eindrücklich bewiesen.
Venezuela als Lehrstück über das sogenannte „Völkerrecht“
USA prahlen mit militärischer Macht
In einem bemerkenswerten Teil seiner Rede bot Trump den anwesenden Führungspersonen direkte militärische Unterstützung durch die USA an, einschließlich des Einsatzes von Raketen. „Wir arbeiten mit euch zusammen und werden alles tun, was getan werden muss. Wir werden Raketen einsetzen. Wollt ihr, dass wir eine Rakete einsetzen? Sie sind äußerst präzise“, sagte Trump und ahmte dabei das Geräusch einer startenden Rakete nach: „Piu, direkt ins Wohnzimmer. Das ist das Ende dieser Kartellgröße“.
Er fügte hinzu: „Wir werden verdammt hart gegen sie vorgehen, wo immer wir können, und wir werden noch intensiver werden“. Der aktuelle Krieg mit dem Iran und die Raketenschläge gegen hochrangige Ziele schienen dabei als Werbevideo für US-Waffen zu dienen.
Die neue Partnerschaft, die von der Regierung offiziell als „Americas Counter Cartel Coalition“ bezeichnet wird, beinhaltet nach Angaben des Weißen Hauses die Verpflichtung der teilnehmenden Staaten, „harte Macht“ gegen Sicherheitsbedrohungen einzusetzen. Erste konkrete Auswirkungen dieser Kooperation wurden bereits vor dem Gipfel sichtbar. Wie Ecuadors Präsident Daniel Noboa bestätigte, führten US-Sicherheitskräfte und ecuadorianische Einheiten erst am Freitag einen gemeinsamen Einsatz gegen die bewaffnete kolumbianische Gruppe „Comandos de la Frontera“ im ecuadorianischen Amazonasgebiet durch. Das Verteidigungsministerium veröffentlichte Aufnahmen von einer Explosion in einem Waldstück und bezeichnete den Schlag als erfolgreichen Schlag gegen „Narco-Terroristen“. Noboa erklärte, dies sei „erst der Anfang“ des gemeinsamen Kampfes.
Zudem bestätigte Trump, dass US-Strafverfolgungsbehörden vor weniger als zwei Wochen Geheimdienstarbeit für einen Einsatz im mexikanischen Jalisco geleistet hätten. Bei der Razzia sei Nemesio Oseguera Cervantes, bekannt als „El Mencho“, der Anführer des mächtigen Jalisco-Kartells (CJNG), gefasst und später seinen Verletzungen erlegen.
US-kritische Stimmen bleiben fern
An dem Gipfel nahmen Führungspersonen aus Argentinien, Bolivien, Chile, Costa Rica, der Dominikanischen Republik, Ecuador, El Salvador, Guyana, Honduras, Panama, Paraguay sowie Trinidad und Tobago teil. Die Anwesenheit von El Salvadors Präsidenten Bukele, dessen aggressive Masseninhaftierungen im Kampf gegen Banden in Teilen Lateinamerikas als Vorzeigemodell gelten, unterstrich den harten Kurs des Bündnisses.
Nicht vertreten waren die regionalen Schwergewichte Brasilien, Mexiko und Kolumbien, die derzeit von sozialdemokratischen Regierungen geführt werden. Trump kritisierte Mexiko in Abwesenheit scharf als „Epizentrum der Kartellgewalt“. Die Kartelle würden Mexiko „führen und orchestrieren“ und das Land „regieren“, so der US-Präsident; dies sei nicht hinnehmbar: „Zu nah an uns, zu nah an euch“. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum selbst wurde nicht eingeladen, weil sie US-Hilfe im Kampf gegen die Kartelle abgelehnt haben soll. Trump hatte nur wenige Worte für sie: „Sie hat eine wunderschöne Stimme“.
Personalwechsel und außenpolitische Vernetzungen
Die Ankündigung des Gipfels erfolgte zeitgleich mit einer personellen Veränderung in der US-Regierung. Wie am Donnerstag bekannt wurde, entließ Trump die bisherige Ministerin für Innere Sicherheit (DHS), Kristi Noem, und berief sie zur Sondergesandten für das „Schild Amerikas“. Ihr Nachfolger soll der republikanische Senator Markwayne Mullin werden. Noem, deren Amtszeit von Kontroversen um die tödlichen Schüsse durch Bundesbeamte geprägt war, erklärte auf der Plattform X, sie freue sich auf die neue Aufgabe. Die Sicherheit der westlichen Hemisphäre sei von „absoluter Kritikalität“ für die USA. Sie nahm bereits am Gipfel teil und soll die Koordination mit den Außenministern Marco Rubio und Kriegsminister Pete Hegseth übernehmen.
Das Weiße Haus erklärte, die neue Initiative werde von Trumps außenpolitischer Doktrin geleitet, die intern als „Donroe-Doktrin“ bezeichnet wird – eine Anspielung auf die Monroe-Doktrin des 19. Jahrhunderts, mit der die USA europäische Einmischung in Amerika verboten. Die neue Strategie zielt darauf ab, chinesische Infrastrukturprojekte, militärische Kooperationen und Investitionen in strategischen Sektoren wie Häfen, Energie und Telekommunikation zurückzudrängen. Außenminister Rubio dankte Trump dafür, die westliche Hemisphäre zur Priorität zu machen, und betonte die Bedeutung der neuen Allianz, besonders in Zeiten, in denen andere Verbündete unzuverlässig seien. Verteidigungsminister Pete Hegseth ergänzte, die USA hätten sich zu lange auf ferne Grenzen konzentriert, „und nicht auf unsere eigenen Grenzen, unsere eigene westliche Hemisphäre“.
Amerika den Amerikanern – die Geschichte der Monroe-Doktrin
Konfrontation mit China: Wirtschaftliche Realitäten vs. geopolitische Ansprüche
Die aggressive Gangart Washingtons gegenüber Peking war ein beherrschendes Thema des Gipfels, auch wenn Trump es in seiner Rede nur indirekt erwähnte. Er warnte davor, dass die USA keine „feindlichen ausländischen Einflüsse“ in der Hemisphäre dulden würden, und nannte dabei explizit den Panamakanal. Die US-Regierung hatte Panama bereits im Februar 2025 zum Ausstieg aus der chinesischen „Belt and Road“-Initiative gedrängt und drohte mit der Übernahme des Kanals, sollten Hafenbeteiligungen einer Hongkonger Firma nicht neu verhandelt werden.
Dennoch zeigt eine genauere Betrachtung, dass die Realität komplexer ist als die einfache Formel von der Rückeroberung des Hinterhofs. Wie Analysten feststellen, zieht sich China nicht zurück, sondern justiert seine Strategie neu. Die Handelsbeziehungen zwischen China und Lateinamerika erreichten 2024 ein Volumen von etwa 518 Milliarden Dollar, und Peking hat Regierungen in der westlichen Hemisphäre Kredite in Höhe von über 120 Milliarden Dollar gewährt. Selbst unter den engen Partnern Washingtons in Miami bleibt die wirtschaftliche Abhängigkeit von China bestehen.
So ist Argentiniens Präsident Javier Milei, einer der engsten Verbündeten Trumps, darauf angewiesen, die Sojaexporte nach China fortzusetzen, während Peking im Gegenzug seine Käufe in den USA reduzierte. Zudem unterhält Buenos Aires einen Währungsswap im Wert von 20 Milliarden Dollar mit der chinesischen Zentralbank und beherbergt weiterhin eine chinesische Weltraumeinrichtung in der Provinz Neuquén. Auch Panama bleibt trotz des Belt-and-Road-Ausstiegs wirtschaftlich mit chinesischen Firmen verflochten: Die chinesische Reederei COSCO ist weiterhin Hauptnutzer des Kanals, und Unternehmen wie Huawei sind in der Telekommunikation präsent.
El Salvador unter Nayib Bukele demonstriert, wie sich Sicherheitskooperation mit den USA und Entwicklungszusammenarbeit mit China vereinbaren lassen. Während Bukele in Miami an Trumps Seite stand und in Sicherheitsfragen mit Washington kooperiert, entstehen in seinem Land gleichzeitig ein neues Nationalstadion, eine Nationalbibliothek und Küstenbauprojekte mit chinesischer Finanzierung. Peru schließlich zeigt die politischen Verwerfungen, die diese enge Verflechtung auslösen kann. Der als „Chifagate“ bekannte Skandal um nicht offengelegte Treffen von Interimspräsident José Jerà mit einem chinesischen Geschäftsmann führte im Februar zu seiner Absetzung durch den Kongress.
Trump droht Kuba mit Annexion
Ein weiterer Schwerpunkt von Trumps Rede war Kuba. Er kündigte an, dass die Insel in ihren „letzten Lebensmomenten“ sei und behauptete, seine Regierung verhandle direkt mit Havanna. „Sie haben kein Geld, sie haben kein Öl. Sie haben eine schlechte Philosophie; sie haben ein schlechtes Regime“, sagte Trump. „Kuba ist am Ende seiner Fahnenstange, aber es wird ein großartiges neues Leben beginnen“. Er schloss eine „freundliche Übernahme“ – also eine Annexion – der Insel nicht aus. Kubas Präsident Miguel DÃaz-Canel reagierte umgehend und bezeichnete das Treffen in Miami via soziale Medien als „klein, reaktionär und neokolonial“. Die USA verpflichteten rechte Regierungen der Region darauf, den „tödlichen Einsatz von US-Militärgewalt zur Lösung innerer Probleme“ zu akzeptieren.
Bezüglich Venezuelas, wo vor zwei Monaten durch einen militärischen US-Angriff der damalige Präsident Nicolás Maduro festgenommen und in die USA gebracht wurde, erkannte Trump nun formell die Regierung von Interimspräsidentin Delcy RodrÃguez an. Er lobte ihre Zusammenarbeit und kündigte ein Abkommen über venezolanische Goldreserven an, ohne Details zu nennen. Die Festnahme Maduros und die Neuausrichtung der venezolanischen Regierung gefährden die Öllieferungen an China, den bisherigen Hauptabnehmer des Landes, und bringen einen wichtigen Verbündeten Pekings in Bedrängnis.
Die neue imperialistische Strategie der USA – und wie Merz sich anbiedert
Der US-Imperialismus formiert sich neu – nach alten Prinzipien
Der Gipfel in Miami gilt als erstes größeres Signal dieser alten Neuausrichtung der US-Politik in der westlichen Hemisphäre, die auf militärische Härte gegen Kartelle, geopolitische Konfrontation mit China und das Beseitigen nicht kooperativer Regierungen setzt.
Während die Regierung in Washington eine neue Ära der Dominanz ausruft, zeigt die wirtschaftliche Realität in der Region ein differenzierteres Bild. Viele Staaten verfolgen eine Strategie der Diversifizierung und pflegen weiterhin intensive Wirtschaftsbeziehungen mit China, ungeachtet ihrer sicherheitspolitischen Annäherung an die USA. Auch weiterhin ist die Stabilität der Region also abhängig von den Widersprüchen der beiden großen, verfeindeten imperialistischen Staaten.

