Die Straße von Hormus ist nach dem erneuten Ausbruch des Krieges gegen den Iran gesperrt. Damit ist eine der weltweit wichtigsten Routen für Öl- und Gas blockiert. Die wirtschaftlichen und geopolitischen Folgen könnten dramatisch sein.
Die Lage im Krieg zwischen Israel, USA und Iran spitzt sich weiter zu. Nach den jüngsten Luftangriffen der USA und Israel auf den Iran ist die Straße von Hormus aktuell gesperrt. Durch eine Reihe von Luftschlägen auf das ganze Land wurden nach iranischen Angaben zuvor über 500 Menschen getötet. Unter den Opfern sind zahlreiche ranghohe Führungsfiguren und Militärs, darunter das Staatsoberhaupt Ali Chamenei.
Die als Straße von Hormus bezeichnete 40 Kilometer breite Meerenge, liegt im Persischen Golf zwischen Iran, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Das iranische Militär hat die Schließung noch nicht offiziell verkündet. Der Schiffsverkehr in der Meerenge ist am Wochenende jedoch allein schon durch Vorsichtsmaßnahmen der Reedereien nahezu komplett zum Erliegen gekommen. Medien berichten von einem Stau auf beiden Seiten der Meerenge. Jedoch soll es noch einzelne Schiffe geben, die die Meerenge passieren.
Die Straße von Hormus verbindet die großen Öl- und Gasförderländer am Persischen Golf – darunter Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Katar und den Irak – mit den Weltmärkten. Auch der Iran selbst nutzt die Meerenge für Rohstofflieferungen. Auf beiden Seiten der Straße gibt es Militärbasen des Iran, der VAE und der USA.
Angriff auf Öltanker
Die Öllieferungen gehen nach Asien, darunter insbesondere nach Indien und China. Aber auch die europäischen Staaten sind abhängig von Energielieferungen der Golfstaaten. Täglich werden hier Schätzungen zufolge zwischen 17 und 20 Millionen Barrel Rohöl transportiert. Damit sind etwa 30 Prozent der globalen Öllieferungen betroffen.
Bereits am Wochenende wurden erste Angriffe auf Handelsschiffe gemeldet. Laut omanischen Behörden wurde ein Öltanker in der Nähe der Meerenge attackiert. Die Unsicherheit unter Reedereien und Versicherern wächst rasant. Mehrere große Reedereien haben angekündigt, ihre Routen vorerst umzuleiten oder auszusetzen.
Massive Bedeutung für Weltwirtschaft
Für Europa ist die Entwicklung besonders brisant. Die EU hat ihre direkte Abhängigkeit von russischem Öl und Gas seit Beginn des Ukrainekriegs reduziert. Seitdem kommt ein erheblicher Teil der Ersatzlieferungen aus den Golfstaaten. Rohöl aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie verflüssigtes Erdgas (LNG) aus Qatar werden über die Straße von Hormus verschifft. Qatar kündigte am Montagnachmittag den Stopp der LNG-Produktion im größten Werk des Landes an. Als Reaktion sprangen die Gaspreise an den Handelsbörsen um bis zu 45 Prozent hoch.
Eine alternative Route, um die Meerenge zu vermeiden, existiert nur begrenzt. Zwar verfügen Saudi-Arabien und die Emirate über Pipelines zum Roten Meer, doch deren Kapazität reicht bei weitem nicht aus, um die gesamte Exportmenge aufzunehmen. Ein Großteil der Lieferungen ist weiterhin auf den Seeweg durch die Meerenge angewiesen. Sollte die Blockade länger anhalten und der Krieg weiter eskalieren, drohen massive Preissteigerungen und erhebliche Versorgungsengpässe.
Globaler Preisschock erwartet
Analysten erwarteten zum Wochenstart einen sprunghaften Anstieg der Ölpreise. Marktbeobachter sprechen von möglichen Steigerungen von bis zu 30 oder gar 37 Prozent in den kommenden Tagen. Bereits nach den Angriffen gegen den Iran im letzten Jahr kletterte der Brent-Preis für Öl deutlich nach oben. Szenarien mit einem Ölpreis von über 100 US-Dollar pro Barrel gelten inzwischen als realistisch. Bisher gab es schon einen Anstieg von neun Prozent auf etwa 80 Dollar pro Barrel.
Die Situation erinnert in ihrer wirtschaftlichen Dimension an den Beginn des Ukrainekriegs 2022. Damals explodierten die Gaspreise, was in Europa eine Inflationswelle auslöste. Aktuell sind zum Ende eines besonders kalten Winters die Gasspeicher in Deutschland nur zu 21 Prozent gefüllt. Damit beträgt der Füllstand nur etwa die Hälfte des Standes zum selben Zeitpunkt im Jahr vor dem Ukrainekrieg.
Energieintensive Industrien gerieten unter Druck, Haushalte litten unter stark steigenden Heiz- und Stromkosten. Eine ähnliche Dynamik könnte nun ebenfalls einsetzen. Steigende Öl- und Gaspreise wirken unmittelbar auf Industrie, Transportkosten, Lebensmittelpreise und Konsumgüter. Ökonomen warnen daher vor einer neuen Inflationsspirale, sollte die Blockade anhalten.
Schwere Folgen für die Energiepolitik
Die Sperrung der Straße von Hormus ist seit Jahrzehnten ein immer wieder geäußertes Drohszenario des Iran für den Fall eines Angriffs. Jetzt scheint dieses Szenario Realität geworden zu sein.
Internationale Märkte reagieren nervös. Aktienindizes in Asien gaben bereits nach, Energie- und Rüstungswerte legten dagegen zu. Der deutsche Aktienindex büßte zum Tagesstart 2,3 Prozent ein. Die Kurse für Reiseveranstalter oder Airlines rutschen ab. Versicherungsprämien für Schiffe im Golfgebiet sind stark gestiegen.
Eine Deeskalation im Krieg gegen den Iran und damit Öffnung der Straße von Hormus, ist aktuell nicht absehbar. US-Präsident Trump kündigte am Sonntag an, der Krieg könnte noch mehrere Wochen weitergehen. Verschieden Staaten prüfen laut Medienberichten militärische Sicherungsmissionen für Handelsschiffe – ein Schritt, der die Lage weiter eskalieren lassen könnte.
Sollte es zu weiteren Angriffen auf Tanker kommen oder die Blockade militärisch abgesichert werden, könnte die Lage in eine offene Konfrontation im Persischen Golf übergehen. Mit kaum kalkulierbaren Folgen für die Politik und Weltwirtschaft.

