Streik und Minenbesetzung in der Türkei

Die Arbeiter:innen eines türkischen Kohlebergwerks traten diese Woche als Reaktion auf ausbleibende Lohnzahlungen und Massenentlassungen in einen Streik. Dabei konnten sie Polizeibarrikaden durchbrechen und die Mine besetzen.

Am Montag lag der Betrieb in der Polyak-Braunkohlemine in der Provinz Izmir an der Ägäisküste still. Eine kleine Basisgewerkschaft, die Bağımsız Maden İş (deutsch: Unabhängige Bergarbeitergewerkschaft), hatte zum Streik aufgerufen, nachdem Massenentlassungen stattfanden und Lohnzahlungen ausblieben. Hintergrund ist die undurchsichtige Übertragung von Polyak Eynez Mining von der Fiba Group – eine der führenden Holdinggesellschaften der Türkei – an das chinesische Unternehmen Qitaihe Longcoal Mining. Im Dezember sollen nach Angaben der Gewerkschaft 70 Prozent der Anteile des Bergwerks an Qitaihe Longcoal übertragen worden sein.

Die streikenden Arbeiter:innen der Polyak-Braunkohlemin fordern die Auszahlung der überfälligen Löhne und besseren Arbeitsschutz. 2014 war es in einer anderen Mine in der Region zu einem Unglück mit über 300 Toten gekommen.

1.243 Minenarbeiter streikten am Montag, nachdem das Inhaberunternehmen ein Ultimatum verstreichen ließ. Die Streiks begannen am 20. Februar dieses Jahres. Am 25. Februar marschierten die Bergleute 16 Kilometer von der Mine zum Bezirkszentrum Kınık und veranstalteten mit Unterstützung der örtlichen Bevölkerung eine große Kundgebung.

Am vergangenen Montag lehnten die Bergleute das Angebot des Unternehmens ab, ihnen eine Abfindung zu zahlen, wenn sie dafür das Unternehmen verlassen würden. Stattdessen überwanden sie die Zäune und Barrikaden des Geländes und besetzten die Mine.

In einem Video ist zu sehen, wie eine Einheit der Bereitschaftspolizei versuchte, die Arbeiter:innen mit Wasserwerfer und Pfefferspray zurückzudrängen. Zwei Gewerkschaftsmitglieder und zwei Minenarbeiter wurden dabei von der Polizei festgenommen.

Ziel des Streiks war es, das Bergwerk in Arbeiter:innenhände zu überführen und eine Selbstverwaltung der Mine aufzubauen. Die großen, regierungsnahen Gewerkschaften haben sich bislang noch nicht zu den Ereignissen geäußert. Jedoch solidarisierten sich mehrere tausend Beschäftigte anderer Bergwerke der Region und legten für mehrere Tage die Arbeit nieder.

Vor seiner Festnahme wandte sich Gewerkschafter Başaran Aksu an die Streikenden: „Das denken sie: ‚Wenn die Bergleute jetzt die Mine übernehmen, werden sie als Nächstes die Macht im Land übernehmen.‘ Davor haben sie Angst. Sie wollen nicht, dass die Macht der Bosse ins Wanken gerät. Wenn die Bergleute ihre eigene Mine betreiben, können sie auch ihren Bezirk, ihre Provinz und ihr eigenes Land regieren. Ist es nicht so, Genossen? Davor haben sie Angst.“

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