Seit 1991 ist die Zahl der Krankenhäuser mit Entbindungsstationen in Deutschland drastisch gesunken. Das bringt eine Belastung für Schwangere und Beschäftigte mit sich. In ländlichen Regionen spitzt sich die Lage besonders zu.
In den letzten 35 Jahren hat sich die Zahl der Entbindungsstationen hierzulande halbiert. Im Jahr 1991 gab es noch 1.186 Krankenhäuser mit Entbindungsstationen. Im Jahr 2024 waren es nur noch 578. Das entspricht einem Rückgang von 51,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.
Im selben Zeitraum sanken die Geburtenraten ebenfalls, jedoch nur um 18,4 Prozent. Die Schließung der Entbindungsstationen zog ebenfalls eine Schließung von entsprechenden Fachabteilungen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe nach sich. Hier gab es ebenfalls einen Rückgang von über 40 Prozent. Hier zählen auch Fachabteilungen zur Frauenheilkunde, die vorher keine Entbindungen durchführten.
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Bettenauslastung geht zurück, Krankenhausaufenthalte verkürzen sich
Obwohl eine große Anzahl an Entbindungsstationen weggefallen ist, ist gleichzeitig die Bettenauslastung in diesem Bereich um rund 64 Prozent deutlich zurückgegangen. Sie lässt sich vor allem durch die kürzere Verweildauer der Patientinnen sowie durch den Rückgang der Geburtenzahlen erklären.
Zudem werden zunehmend Behandlungen ambulant durchgeführt, sodass stationäre Krankenhausaufenthalte insgesamt seltener und kürzer werden. Die tieferliegenden Gründe für die kürzere Verweildauer im Krankenhaus sind nicht geklärt.
Rückgang der Kliniken – besondere Belastung auf dem Land
Der Schließung der Entbindungsstationen liegen unterschiedliche Entwicklungen zugrunde: Zum einen zeichnet sich in der Gesundheitsbranche im Allgemeinen eine Entwicklung ab, bei der kleine Krankenhäuser geschlossen und zu großen Kliniken zusammengefasst werden. Das führt zu einer Zentralisierung des Gesundheitssystems, die zur Folge hat, dass Fachärzt:innen schlechter zu erreichen sind und sich die Versorgungslage auf dem Land weiter verschärft.
Das spiegelt sich auch darin wider, dass die Bundesländer unterschiedlich stark betroffen sind. In der Statistik zeichnet sich ab, dass ländliche Regionen weit stärker betroffen sind als die Städte. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern haben sich z.B. die Zahlen der Entbindungsstationen halbiert. Im Bundesland Schleswig-Holstein wurden sogar 61 Prozent der Stationen geschlossen. Das führt dazu, dass auf dem Land mittlerweile nur noch ein knappes Drittel aller 16- bis 49-jährigen Frauen eine Klinik mit Frauenheilkunde- und/oder Geburtshilfe-Station binnen 15 Minuten mit dem Auto erreichen kann.
Neben den Unterschieden zwischen Stadt und Land zeigt sich auch ein moderates Ost-West-Gefälle. Die Statistik zeigt jedoch, dass der Ost-West-Unterschied in diesem Fall nicht der prägnanteste ist. So gab es auch in Nordrhein-Westfalen einen Rückgang von 265 auf 122 Stationen. Damit wurden mehr als 50 Prozent der Stationen geschlossen, und das, obwohl das Bundesland im selben Zeitraum einen Bevölkerungszuwachs um rund 500.000 Menschen verzeichnete.
Neuer Hebammenvertrag: Fast jede zweite Hebamme denkt ans Aufhören
Zusätzlich zur Versorgung der ländlichen Gebiete verschlechtern sich auch die Arbeitsbedingungen im Bereich der Geburtshilfe. So zeigen Statistiken, dass mittlerweile jede zweite Hebamme über einen Berufswechsel nachdenkt. Viele führen als Grund die schlechte Bezahlung und Arbeitslast an. Letztere dürfte durch die Schließungen in den letzten Jahren immer weiter angestiegen sein.

