Einen Monat nach Kriegsbeginn droht die nächste Eskalation: Die USA verlegen Truppen, eine Bodenoffensive steht im Raum. Auch Verhandlungen scheinen eher Ort weiterer Eskalationen zu sein.
Einen Monat nach dem völkerrechtswidrigen Angriff auf den Iran durch die USA und Israel halten die Angriffe an und bringen weiterhin enorme Folgen mit sich. Inzwischen wurden im Iran-Krieg dem Roten Kreuz zufolge bereits mehr als 1.900 Personen getötet.
Nun droht eine weitere Eskalation: In den letzten Tagen häufen sich die Meldungen über Truppenverlegungen für eine vermutete amerikanische Bodenoffensive. Ziele einer möglichen begrenzten Bodenoffensive sei wohl vor allem die kleine Insel Kharg im nordöstlichen Persischen Golf, die als wichtigster Punkt der iranischen Ölinfrastruktur betrachtet wird.
Eine Bodenoffensive auf der Insel würde jedoch auch ein hohes Risiko für die USA bedeuten: Der Einsatz von Bodentruppen und die zu erwartenden hohen Verluste wären sowohl innen-, als auch außenpolitisch potentiell mit enormen Folgen für die Trump-Regierung behaftet. Das iranische Militär teilte indes seine Einsatzbereitschaft für eine US-amerikanische Bodenoffensive mit.
Ob die USA bei ihrer Bodenoffensive Unterstützung von Verbündeten erhalten würden, ist dabei ungewiss, aber eher unwahrscheinlich. Laut israelischen Medien wurden die Pläne einer Offensive von kurdischen Kräften mit Unterstützung der USA verworfen.
USA mit neuen Kriegszielen?
Mit den neuen Entwicklungen im Kriegsvorgehen der USA haben sich auch die nach außen kommunizierten US-amerikanischen Kriegsziele geändert. Am 12. März, gut 2 Wochen nach Beginn des Angriffs, nannte das Weiße Haus als Ziele unter anderem die vollständige Zerstörung von Irans Raketenprogramm, seiner Marine sowie die Verhinderung eines iranischen Atomwaffenprogramms. Ebenfalls sollte die iranische Unterstützung von Proxy-Gruppen wie der Hamas oder der Hisbollah beendet werden.
Der US-Außenminister Marco Rubio nahm jedoch zuletzt Abstand von den Zielen der Zerstörung des iranischen Atomwaffenprogramms. Rubio erklärte, mit der Zerstörung der iranischen Luftwaffe und Marine, der Zerstörung der „Mehrheit der Waffenfabriken“, sowie der „erheblichen Schwächung der iranischen Raketenkapazitäten“ sei der Zweck der Militäroperation erfüllt. An den ursprünglichen Forderungen hält der Außenminister zwar weiterhin fest, unklar ist jetzt jedoch, inwiefern die USA bereit sind, sie militärisch zu erzwingen.
Israelische Besatzung im Libanon wird ausgeweitet
Im Libanon hält derweil die israelische Besatzung an: Israel möchte einen „Sicherheitsstreifen“ bis zum Litani-Fluss schaffen. In Folge der Besatzung wurden bereits Millionen Menschen aus dem Südlibanon vertrieben.
Israelische Angriffe auf den Libanon: Fast ein Fünftel der Bevölkerung vertrieben
Aufgrund davor liegender Abkommen war die Hisbollah-Miliz in diesen südlichen Gebieten zwar entwaffnet worden. Dennoch erfolgten zuletzt Angriffe und Zerstörungen von Merkava-Panzern durch FPV-Drohnen, wie Propaganda-Videos zeigen.
Huthis mit ersten Militäraktionen
Auch die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz hat Medienberichten zufolge nun Ziele im Süden Israels angegriffen. Bislang hatte sich die jemenitische Miliz aus dem aktuellen Krieg heraus gehalten. Sollte sie ihre Taktik tatsächlich geändert haben und Ziele im Roten Meer angreifen, dann würde dies den Seehandel durch das Rote Meer noch weiter schwächen. Rund 10 Prozent der deutschen Importe passieren auf ihrem Weg nach Deutschland das Rote Meer.
Doch auch das iranische Militär und die Revolutionsgarden sind immer noch fähig, größere Angriffe auf Israel zu koordinieren. Beispielsweise wurde bei einem Angriff unter anderem ein Teil der Ölraffinerie Haifa getroffen. Währenddessen bestätigte das türkische Verteidigungsministerium in den Sozialen Medien den Abschuss einer iranischen Rakete in türkischem Luftraum.
Unklarer Stand bei Verhandlungen zwischen USA und Iran
Währenddessen scheint es weiterhin Verhandlungen zwischen dem Iran und der USA geben – Pakistan bietet sich als Mediator an. Über die Umfänge und Fortschritte sind sich jedoch die verschiedenen Verhandlungspartner öffentlich uneinig.
Laut Donald Trump machen die Verhandlungen angeblich gute Fortschritte. Deshalb kündigte er am vergangenen Donnerstag an, dass die USA ihre Angriffe auf die iranische Energie-Infrastruktur bis zum 6. April aussetzen würden.
Zuletzt machte der US-Präsident am Montag aber erneut eine Kehrtwende und drohte mit der Zerstörung des iranischen Energienetzes, sollten ein Waffenstillstand und die Öffnung der Straße von Hormus im Persischen Golf nicht zeitnah erreicht werden.
Steigende Preise und Treibstoffmangel weltweit
Durch die anhaltende iranische Sperrung der Straße von Hormus kommt es weltweit zu steigenden Rohöl- und Treibstoffpreisen: der Ölpreis ist im Vergleich zum Jahresende 2025 um fast 80 Prozent gestiegen.
Doch nicht nur die steigenden Preise sind eine Belastung für die Weltwirtschaft und die Menschen weltweit, sondern auch die immer größer werdende Gefahr eines Mangels: aufgrund dessen wurde in Ägypten nun ein staatliches Programm zur Senkung des Energieverbrauchs eingeführt. Es beinhaltet unter anderem staatlich verordnetes Home Office sowie die Verlangsamung von Großprojekten mit hohem Energiebedarf. Auch andere afrikanische Staaten haben laut einem Bericht der Berliner Zeitung Maßnahmen zum Energiesparen verordnet.
Ebenso in Deutschland ist die Inflation laut Statistischem Bundesamt im März mit +2,8 Prozent deutlich stärker als noch im Februar (1,9 Prozent) gestiegen. Ursache hierfür sind vor allem die steigenden Kosten für Benzin und Diesel. Auch werden dadurch die Preise für Lebensmittel steigen, wie die Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) warnt. Seit dem Jahr 2020 sind die Preise für Lebensmittel bereits um durchschnittlich 30 Prozent gestiegen.
Iran-Krieg laut Bundestags-Wissenschaftlern völkerrechtswidrig
Unterdessen haben die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags den israelischen und US-amerikanischen Krieg gegen den Iran als völkerrechtswidrig befunden: Die Angriffe verstießen gegen das in der UN-Charta verankerte Gewaltverbot, da sie nicht durch den UN-Sicherheitsrat abgesegnet wurden – und auch nicht von Selbstverteidigung ausgegangen werden kann. Besonders brisant ist diese Einschätzung im Bezug auf die US-Militärbasen in Deutschland, welche die BRD rechtlich zur Beihelferin in dieser Sache machen könnten.
Spaniens sozialdemokratische Regierung hat den Luftraum für US-Militärflugzeuge inzwischen gesperrt. Das Verbot betrifft dabei neben dem Starten und Landen auch Überflüge von Militärjets ausgehend von anderen europäischen Stützpunkten. Die USA hatten geplant, strategische Bomber aus den USA zu stationieren. Im Gegensatz zu anderen sozialdemokratischen Parteien hatte die spanische Regierung in der Vergangenheit den Genozid in Gaza ebenso wie den Angriff auf den Iran verurteilt.

