Verbindung zu Elbit Systems: Brandanschlag auf tschechischen Drohnenhersteller

Aktivist:innen der Gruppe „Earthquake Faction“ verübten am vergangenen Freitag einen Brandanschlag auf den Drohnenhersteller LPP Holding in Tschechien. Dieser hatte 2023 angekündigt, mit dem israelischen Waffenproduzenten Elbit Systems zusammenarbeiten zu wollen.

In den frühen Morgenstunden des vergangenen Freitags ging in den Räumlichkeiten des Unternehmens LPP Holding im tschechischen Pardubice der Feueralarm los. Die anrückende Feuerwehr konnte anschließend nur noch Teile des Firmengeländes retten. Eine Lagerhalle wurde vollständig zerstört, Teile eines anliegenden Bürogebäudes sind fast vollständig abgebrannt.

LPP Holding ist ein Unternehmensverband, in dem verschiedene Konzerne aus den Branchen Rüstung, Künstliche Intelligenz, Logistik und Datenanalyse vertreten sind. Gemeinsam ist ihnen, dass ihre Produkte im Krieg und für Maßnahmen zum Auf- und Ausbau eines Überwachungsstaates einsetzbar sind und auch eingesetzt werden. Am Standort in Pardubice wurden bisher Motoren und Sensorik sowie Zielfernrohre hergestellt. Eines der Unternehmen, die zu dem Verband LPP gehören, verwaltet unter anderem auch die Lieferketten des tschechischen Militärs.

Außerdem gibt es seitn 2023 Pläne, im Bereich Drohnen zusammen mit Elbit Systems, dem führenden israelischen Drohnenhersteller, ein Werk zur Produktion von UAVs (Unmanned Aerial Vehicles) in Tschechien zu eröffnen. Jedoch wurden diese Pläne bis heute nicht umgesetzt.

Brandanschlag wegen Elbit-Plänen?

Eben wegen dieser Pläne zur Kooperation mit Elbit soll es zu dem Brand gekommen sein. Denn am Freitagmorgen erhielten zwei tschechische Nachrichtensender ein Bekennerschreiben zu der Aktion von einer Gruppe namens „Earthquake Faction“ (deutsch: Erdbebenfraktion). Zudem kursiert seitdem ein Video der Aktion, welches von der Gruppe aufgenommen worden sein soll. Es zeigt unter anderem, wie mehrere Aktivist:innen der Gruppe in die Gebäude eindringen und mehrere Liter Benzin auf Schreibtische und Serveranlagen gießen. Anschließend sieht man, wie sich die Flammen rasend schnell in den Räumlichkeiten ausbreiten.

Die Gruppe begründet ihre Aktion mit der Beteiligung von Elbit Systems am israelischen Genozid an den Palästinenser:innen in Gaza. In ihrem Bekennerschreiben schreiben sie, dass Elbit Systems seine Waffen im Genozid an den Palästinenser:innen testet: „Jede von Elbit Systems entwickelte Waffe wird zunächst an Palästinensern ‚getestet‘, bevor sie an internationale Regierungen weiterverkauft wird, wodurch das Land erweitert wird, das auf der Zerstörung Palästinas basiert.“

Zudem erklärte sie auf ihrer Website: „Solange das Land weiterhin unter israelischen Bomben im besetzten Palästina und in ganz Westasien blutet, muss der Boden weiterhin unter den Füßen der Besatzungsbefürworter beben.“ Für ihren „nächsten Schlag“ ruft die Gruppe zu Überweisungen von Kryptowährung auf.

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Aktivismus nach dem Schema „Palestine Action“

Bei ihren Forderungen, ihrer Arbeitsweise und ihrer Online-Präsenz scheint sich die Gruppe am Konzept der britischen Gruppe „Palestine Action“ zu orientieren. Diese hat in den letzten Jahren immer wieder Werke und Standorte von Elbit Systems in Großbritannien angegriffen. Ein qualitativer Unterschied ist, dass in Großbritannien die Aktivist:innen bisher noch keinen Standort von Elbit abgebrannt haben.

Ihre Aktionen bestanden meist aus Farbangriffen im großen Stil, der Zerstörung der Inneneinrichtung und dem Besetzen der Gebäude, bis sie dann meist festgenommen wurden. Die tschechische Gruppe ging hier einen Schritt weiter. Bisher gibt es auch keine Informationen darüber, ob die Aktivist:innen festgenommen wurden.

Die Aktion der Gruppe reiht sich  in eine Tendenz ein, militantere Aktionsformen zur Unterstützung der Palästinenser:innen zu wählen, gerade in Staaten, die eng mit Israel kooperieren oder in denen israelische Unternehmen wie Elbit Systems Standorte haben.

So gab es auch in Deutschland einen Ableger von „Palestine Action“; dieser hatte in Ulm das Elbit-Werk angegriffen. Die mutmaßlich beteiligten Aktivist:innen am Anschlag in Ulm sitzen weiterhin in Untersuchungshaft. Im Gefängnis wurden sie in Einzelhaft gesteckt und ihnen zwischenzeitlich Rechtsbeistand, medizinische Hilfe und Essen verwehrt. Im April 2026 soll ihr Prozess beginnen. Unter dem Titel „Ulm5“ wird zur finanziellen Unterstützung für die Gefangene gesammelt.

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Spekulationen über russische Sabotage

Der tschechische Staat mobilisiert währenddessen alle verfügbaren Kräfte, um die Gruppe zu fassen. Der rechte Ministerpräsident und Großunternehmer Andrej Babiš schrieb auf sozialen Medien von einem „Terrorakt“.

Innenminister Lubomír Metnar berief aufgrund der Aktion einen Krisenstab ein. Außerdem sind der tschechische Inlandsnachrichtendienst BIS, der Militärische Nachrichtendienst VZ und das Nationale Zentrum zur Bekämpfung von Terrorismus, Extremismus und Cyberkriminalität (NCTEKK) an den Ermittlungen beteiligt.

Einige erste Meinungsbeiträge von Vertretern des NATO-Interessenblocks und Mutmaßungen aus tschechischer Politik gehen davon aus, dass die Aktion ein Sabotageakt Russlands gewesen sein könnte. Denn die Unternehmen der LPP Holding beliefern auch die ukrainischen Streitkräfte. In den kommenden Tagen war etwa eine Lieferung von 40 Angriffsdrohnen an die Ukraine geplant. Nach Angaben des Unternehmens wurden sie jedoch nicht beschädigt.

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