Hunderttausende Frauen haben sich anlässlich des Frauenkampftages am 8. März die Straßen genommen. Zusammen mit Gewerkschaften oder Streikbewegungen kam es weltweit zu Demonstrationen. Neben vielen bürgerlichen Prosteten trafen auch kämpferische Forderungen auf repressive Antworten.
Der 8. März ist auch über Deutschland hinaus der wichtigste Kampftag der Frauenbewegung. Kämpferisch protestiert wurde nicht nur in deutschen Nachbarländern wie Frankreich oder Schweiz, sondern auch auf den Philippinen, in Mexiko, Brasilien und Kurdistan. Überall auf der Welt treiben Kriege, Krisen, Unterdrückung und patriarchale Gewalt Frauen auf die Straße.
In der Schweiz riefen mehrere feministische Streikkollektive zu Demonstrationen auf. So versammelten sich in Zürich rund 10.000 Frauen unter dem Motto „Kapitalismus heißt Krieg! Feministisch, militant gegen den Feind im eigenen Land“, um den Frauenkampftag zu begehen. Mit Schriftzügen auf Transparent-Stoffen und lautstarken Parolen wurden ihre Forderungen sichtbar gemacht: Kriege sind im Kapitalismus kein Zufall, sondern Notwendigkeit.
Frauen und LGBTI+ Personen der Arbeiter:innenklasse tragen dabei die größte Last imperialistischer Kriege, hieß es in einem Beitrag zur Demonstration. Insbesondere wurde dabei auf die Unterstützung von Genoziden und Kriegen weltweit aufmerksam gemacht. Durch Waffenlieferungen und Kapitalexporte mache sich die Schweiz mitschuldig.
Selbstbestimmt durch die Straßen
Nach Beginn der Demonstration wurde ein Zeichen der Solidarität mit dem kurdischen Widerstand hinterlassen: Ein „Jin Jiyan Azadi“-Graffiti auf dem Paradeplatz, um den Frauen zu gedenken, die im Kampf gegen den Islamischen Staat und die Verteidigung der kurdischen Autonomie gefallen sind oder immer noch kämpfen.
Der Protest wurde mit einem hohen Polizeiaufgebot begrüßt welches versuchte durch Straßenabsperrungen die Route abzugrenzen. Jedoch gelang dies der Schweizer Polizei nicht und so griffen sie mit Reizgas und Gummischrot den Demonstrationszug an. Die Frauen traten militant auf und ließen sich den Protest nicht verbieten.
Internationaler Frauenkampftag: Solidarität in Zeiten von Krieg und Krisen
Während der Route kam es zu Farbangriffen auf die UBS-Bank, einer schweizerischen Großbank mit einem Vermögenswert von über 7 Billionen US-Dollar. Im April 2025 lockerte die Bank ihre Regelungen zu Investitionen in Waffenmanufaktur und profitiert seither durch die Aufrüstung und Herstellung von Waffen für Kriege. Mit ihrer Aktion wollten die Aktivist:innen auf die Kriegstreiber im eigenen Land aufmerksam machen, schrieb das Bündnis auf Instagram.
In Lausanne versammelten sich rund 3000 Demonstrant:innen unter dem Aufruf des Kollektivs Grève féministe Vaud (dt. Feministischer Streik Waadt). Auch sie gingen auf die Straße, um gegen die anhalten Kürzungen im Sozialbereich und die Aufrüstung für imperialistische Interessen zu protestieren. Sie forderten Investitionen in die Gesundheitsversorgung, öffentliche Dienstleistungen und den Ausbau des Gewalthilfesystems für Betroffene von patriarchaler Gewalt statt in die Kriegspolitik.
Landesweiter Streik in Frankreich
Auch in Frankreich wurden Protestaktion anlässlich des 8. März ausgerufen. Dabei riefen feministische Vereine in der Streikbewegung und Gewerkschaften zum landesweiten Verweigern der reproduktiven Arbeit auf. So veröffentliche das Kollektiv Feministischer Streik bereits im Januar eine ausführliche Erklärung und forderte Frauen auf, „Bei der Arbeit, im Haushalt und beim Konsum zu streiken“.
Sie betonen die Wichtigkeit des Internationalismus und streiken in Solidarität mit Frauen, die von imperialistischen Interventionen bedroht sind – sei es im Iran, in Palästina, Rojava oder Lateinamerika.
Ebenso prangern sie die kapitalistischen Investitionen im Angesicht der Kürzungswelle weltweit an: „Während der Bau eines 10 Milliarden Euro teuren Flugzeugträgers finanziert wird und gleichzeitig Vereine, insbesondere feministische, aufgrund fehlender Mittel vor der Schließung stehen, schweigen wir nicht länger.“
Philippinen: Demo vor US-Botschaft
Die Demonstrationen in Manila, der Hauptstadt der Philippinen, richteten sich klar gegen die aktuellen Eingriffe der USA in Westasien. So versammelten sich mehr als 100 Aktivist:innen vor der Botschaft der USA und verbrannten Bilder des Präsidenten Donald Trump, des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu und des philippinischen Präsidenten Ferdinand Marcos.
Sie protestierten gegen die Angriffe der USA und Israels auf den Iran und die vermeintliche „Befreiung der iranischen Frauen“. Gabriela, eine Frauenpartei in den Philippinen, erklärt, dass die Aggressionen und Kriege im Nahen Osten seitens der USA nur Leid und Schmerz für Arbeiter:innen erzeugt.
Gleichzeitig wurde die eigene Regierung kritisiert und die Verfolgung von korrupten Politiker:innen und Regierungsabgeordneten gefordert. Diese Forderungen knüpfen an eine riesige Protestwelle an, welche Ende 2025 die Straßen Manilas überflutete.
Etwa 650.000 Menschen streikten für drei Tage und versammelten sich unter dem Motto „Transparenz für eine bessere Demokratie“. Konkret ging es dabei um die Korruption in der Regierung – Firmenchefs, Regierungsbeamt:innen und Parlamentsmitglieder:innen sollen sich Gelder für Flutbekämpfungsprojekte in Billionenhöhe in die Taschen gesteckt haben, die nie umgesetzt wurden. An ihrer Spitze Präsident Marcos, welcher die Verfolgung nie aufnahm und auch heute dafür angeprangert wird.
Um die Demonstration aufzulösen und die Botschaft zu schützen, wurde die Polizei entsandt. Es kam zu mehreren Ausschreitungen, jedoch schafften es die Aktivist:innen ihren Platz zu sichern und den Protest auszutragen.
Frauen auf der Straße in der Türkei und Kurdistan
Auch in der Türkei und Kurdistan gingen zum Frauenkampftag tausende Frauen auf die Straße. Organisiert von der Frauenplattform 8. März nahmen sich Demonstrierende in Istanbul die Straße. Immer wieder war die Parole „Jin, Jiyan, Azadî“ der kurdischen Frauenbewegung zu hören. In Redebeiträgen wurden Arbeitskämpfe, Kriege und Femizide thematisiert. 2025 wurden in der Türkei etwa 300 Frauen durch Femizide ermordet.
Im kurdischen Amed demonstrierten tausende Frauen unter dem Motto „Mit Widerstand befreien wir uns und bauen die demokratische Gesellschaft auf“. Der Protest wurde mit Trillerrufen, Musik und Tanz begleitet. Mit einer Schweigeminute wurde denen gedacht, die im Kampf für Freiheit und Demokratie ihr Leben verloren haben. So wurde etwa der Kämpferin Deniz Çiya gedacht. Sie wurde im Januar in Aleppo von Truppen der syrischen Übergangsregierung ermordet.
In Rojava wurden bei Kundgebungen in Kobanê, Qamişlo, Hesekê und Dêrik die Freilassung von verschleppten Frauen gefordert. Bei den Kämpfen in Rojava im Januar und Februar wurden zahlreiche Kämpfer:innen getötet oder von den Truppen der syrischen Regierung verschleppt. Auch die Freilassung der Journalist:innen Eva Michelmann und Ahmed Polad wurde gefordert.
Journalist:innen in Syrien verschleppt: Wir wollen Eva und Ahmed zurück!
Proteste gegen Femizide in Mexiko
Am 8. März gingen auch 30.000 Studierende in Mexiko auf die Straße. Der Anlass ist jedoch nicht nur der Internationale Frauenkampftag, sondern Protestmärsche nach Femiziden. Am 2. Und 5. März wurden zwei Frauen ermordet aufgefunden, Kimberly Ramos Beltrán und Karol Toledo Gómez. Kimberly verschwand plötzlich am 20. Februar von ihrem Universitätscampus, wo sie Informatik studierte.
Sechs Tage später fand eine Demonstration statt, auf der ihre Familie und Freund:innen die schleppende und erfolglose Suche nach ihr kritisierten. Erst nach der öffentlichen Anprangerung leiteten die Behörden „umfangreiche Suchmaßnahmen“ ein und fanden schließlich ihre Leiche am 2. März. Die Kritik der Familie bewahrheitete sich, denn ihre Leiche lag nur wenige Meter oberhalb des Campus‘ in einem Wald. Karol studierte ebenfalls an der Autonomen Universität des Bundesstaates Morelos (UAEM). Wie Kimberly kehrte sie eines Abends, am 2. März, nach ihrem Unterricht im Jurastudium nicht mehr heim und wurde drei Tage später ermordet aufgefunden.
Als Reaktion auf die Femizide und die unzureichenden Ermittlungen seitens der Behörden beschloss die Studentenversammlung der UAEM einen unbefristeten Streik mit täglichen Protestmärschen. Unter dem Motto „Wir sind hier, um zu studieren, nicht um verschleppt zu werden“ beteiligt sich auch das Lehrpersonal der Universität. Sie verlangen ausreichende, lückenlose Ermittlungen und Gerechtigkeit für die ermordeten Studentinnen sowie mehr Sicherheit und Schutz auf dem Campus.
Patriarchale Gewalt in Brasilien
Auch in Brasilien gingen am 8. März Protestierende gegen patriarchale Gewalt auf die Straße. Im Zentrum der Proteste stand eine mutmaßliche Gruppenvergewaltigung eines 17-jährigen Mädchens in Rio de Janeiro im Januar. Fünf verdächtige Männer stellten sich der Polizei. Anlässlich des Falls gab es am Frauenkampftag landesweit Proteste an 15 Orten.
In den letzten Monaten und Jahren stiegen die Fälle patriarchaler Gewalt in Brasilien immer weiter an. 2025 wurden 1.568 Femizide gemeldet. Ein Anstieg um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die brasilianische Regierung setzte Anfang März eine „Task Force“ zur Vollstreckung von Haftbefehlen gegen Gewalttäter ein.

