Vor 70 Jahren wurde der deutsche Auslandsgeheimdienst BND von den USA zusammen mit Faschist:innen aufgebaut. Während er damals gegen die vermeintliche kommunistische Gefahr eingesetzt wurde, ist sein Ausbau heute Teil der deutschen Kriegsvorbereitungen. Die sollten wir sabotieren, kommentiert Ivan Barker.
Wer vor zwei Jahren an Werbetafeln an Bahnhöfen und Bushaltestellen vorbeigegangen ist, dem mag der Spruch „Wir suchen Terroristen, m/w/d – Finde sie mit uns“ aufgefallen sein. Mit einer groß angelegten Werbekampagne versuchte der Bundesnachrichtendienst (BND) damals, neues Personal zu gewinnen. Für seinen 70. Geburtstag fehlt dem deutschen Auslandsgeheimdienst ein Slogan, dafür gibt es am 1. April eine Veranstaltung im eigenen Besucherzentrum, in der es um „Auftrag, Arbeit und Geschichte“ des Geheimdienstes gehen soll.
Aufbau durch Nazi-Kader
Dabei fängt die Geschichte des BND eigentlich nicht 1956, sondern schon einige Jahre früher an. Es entsprach den US-amerikanischen Interessen, nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland einen Stützpunkt vor allem gegen die Sowjetunion aufzubauen. Dabei stützten sie sich auch auf viele Nazi-Kader, die in der Zusammenarbeit mit den USA wiederum ihre Chance auf das Fortbestehen ihrer Karrieren sahen.
Zu ihnen gehörte unter anderem Reinhard Gehlen, im Zweiten Weltkrieg Leiter des Militärgeheimdienstes „Abteilung Fremde Heere Ost“ der Wehrmacht. Er begab sich gemeinsam mit Gerhard Wessel freiwillig in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft und übergab den US-Amerikaner:innen Informationen, die sie während des Krieges über die Rote Armee und die Sowjetunion gesammelt hatten. Mit dem Aufbau des Geheimdiensts, der später den Namen „Organisation Gehlen“ bekam, wurde unter Leitung der US-Armee bereits 1946 begonnen.
Als die inzwischen gegründete Bundesrepublik 1952 die Zustimmung der Alliierten bekam, die Verfügungsgewalt über einen eigenen Auslandsnachrichtendienst haben zu können, begann der nächste Aufbauprozess. Dessen Ergebnis war die vollständige Übernahme der Organisation Gehlen, die von da an den Namen BND bekam.
Umbau dank Zeitenwende
Schwerpunkt des BND war nach seiner Gründung vor allem die Spionage gegen die DDR. In den Jahren nach ihrer Annexion verlor der BND zum Teil an Einheiten und Befugnissen. Aber ähnlich wie in Bezug auf die Bundeswehr verhalf der Ausbruch des Ukraine-Kriegs dem BND zu neuer Aufmerksamkeit. Die ausgerufene Zeitenwende sollte auch dort ankommen.
So sprach der 2025 zum neuen BND-Präsidenten bestimmte Martin Jäger davon, dass der BND seine Gegner konfrontieren müsse, wo immer dies nötig sei. Außerdem sollen weiter gehende Befugnisse laut der Bundesregierung, die aktuell an einem neuen BND-Gesetz arbeitet, auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. So soll es ihm zum Beispiel zukünftig möglich sein, erfasste Inhalte von Kommunikation über das Internet zu speichern, oder Betreiber von Onlinediensten und Plattformen, die nicht freiwillig Daten herausgeben, legal zu hacken.
Sabotage, Cyber-Angriffe und KI-Überwachung – Aufrüstungsphantasien beim BND
Bislang darf der BND trotzdem nur Informationen sammeln und keine Sabotagen, militärische Operationen oder Ähnliches durchführen. Das unterscheidet ihn zum Beispiel von der US-amerikanischen CIA oder dem israelischen Mossad. Angesichts des deutschen Anspruchs, im Wettkampf um die Weltherrschaft vorne mitzuspielen, ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis auch hier die Grenzen aufgeweicht werden müssen.
Kriegsvorbereitungen sabotieren
Gut funktionierende Geheimdienste, sowohl im In- als auch im Ausland, sind für jedes imperialistische Land eine Notwendigkeit. Insbesondere wenn es um die Vorbereitung eines nächsten großen Krieges geht, spielt der Auslandsgeheimdienst eine zentrale Rolle. In diesem Kontext stehen deswegen die Pläne und Reformen für den BND nicht isoliert, sondern sind ein konkreter Teil der deutschen Kriegsvorbereitung.
Daran ändert auch keine Werbekampagne und keine Geburtstagsfeier etwas. Alle, die kein Interesse an imperialistischen Kriegen haben, sind angesichts von 70 Jahren BND besser beraten, Sabotage und Aktionen gegen Krieg in die eigene Hand zu nehmen.
Dieser Text ist in der Print-Ausgabe Nr. 109 vom April 2026 unserer Zeitung erschienen. In Gänze ist die Ausgabe hier zu finden.

