Die faschistische Partei Die Heimat will am 1. Mai eine bundesweite Demonstration in Essen durchführen. In Essen und anderen Städten war es zuletzt vermehrt zu Angriffen von rechts gekommen. Antifaschist:innen haben für den 1. Mai Widerstand angekündigt.
Am 1. Mai, dem internationalen Kampftag der Arbeiter:innenklasse, plant in Essen nicht nur der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) eine Demonstration. Die Partei Die Heimat (ehemals NPD und die Rechte) ruft dieses Jahr zu einer bundesweiten Demonstration in der Essener Innenstadt auf. Erwartet werden 500 Teilnehmer:innen.
Es ist schon das vierte Mal nach den Jahren 2001, 2015 und 2021, dass die faschistische Partei in Essen am 1. Mai eine Demonstration plant. Bereits seit 2012, damals noch als NPD, betreibt die Partei auch ihre NRW-Geschäftsstelle in Essen-Kray. In ihrer Zentrale fanden 2024 der Gründungskongress des Landesverbands West der Parteijugend Junge Nationalisten (JN) und 2025 ein Landesparteitag statt. Während ihre öffentliche Sichtbarkeit viele Jahre in Essen vergleichsweise gering war, stiegen ihre Aktivitäten im Jahr 2025 insgesamt an: Neben regelmäßigen offenen Treffen mit anschließenden Demonstrationen gab es auch bereits die Beteiligung an einer Demonstration in der Innenstadt im März.
Angriffe von Rechts nehmen zu
Angriffe von Faschist:innen haben parallel ebenfalls zugenommen. Erst am 21. April kam es zu einem Angriff auf einen Jugendlichen der Internationalen Jugend (IJ), bei dem ihm in der Bahn von drei jugendlichen Nazis ins Gesicht geschlagen wurde. In den Wochen zuvor hatte es zudem in Berlin und Erfurt faschistische Angriffe auf antifaschistische Jugendliche gegeben. In Berlin waren zwei Jugendliche der IJ von Faschisten mit einer Machete angegriffen und verletzt worden. In Erfurt griff ein Faschist einen Jugendlichen der Gruppe Rotes Erfurt mit einem Schlagring an.
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Doch auch in Essen sind Angriffe auf linke Menschen und Orte nichts Neues: im Jahr 2025 wurden auch Mitglieder der Linkspartei angegriffen, außerdem verschiedene Orte wie der Nachbarschaftsladen Coralle, das Soziale Zentrum Phillip Müller und die Parteizentrale der Linkspartei. Die Angriffe auf linke und antifaschistische Personen und Orte haben den Widerstand bisher jedoch nicht mindern können. So findet weiter regelmäßig Protest gegen die offenen Treffen der Heimat im Stadtteil Kray statt.
Vielfältiger Protest angekündigt
Auch am 1. Mai ist Widerstand angekündigt: Gegen die Demonstration der Heimat, die um 13 Uhr am Hirschlandplatz mit einer Kundgebung beginnen soll, haben verschiedene antifaschistische Kräfte und Bündnisse bereits Protest angekündigt. Das Bündnis Essen stellt sich quer (ESSQ), die Ortsgruppen Essen und Bochum von Widersetzen sowie das Revolutionäre 1. Mai-Bündnis Essen mobilisieren seit Bekanntgabe der Neonazi-Demonstration gegen den Aufmarsch.
In einem Aufruf der revolutionären Organisationen für den Tag heißt es: „Schon seit ihrer Entstehung versucht die faschistische Bewegung, Arbeiter:innen gegeneinander aufzuhetzen und für ihre eigene Unterdrückung zu gewinnen. Dabei sind sie auch noch nie davor zurückgeschreckt, kommunistische und sozialistische Symbole zu verwenden und sie in ihr Gegenteil umzukehren.“ Die antifaschistischen Organisationen würden nicht zulassen, dass Neonazis am 1. Mai ungestört ihre faschistische Propaganda verbreiten können: „Unsere Antwort muss und wird vielfältiger Widerstand sein“, so das Bündnis.
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In der Kritik steht auch die Taktik der Essener Polizei, die Route der faschistischen Demonstration nicht zu veröffentlichen. Die Polizei Essen erklärt in einer Pressemitteilung, sich auf eine „große Versammlungslage am Ersten Mai“ vorzubereiten. Dabei werde sie dafür Sorge tragen, „dass die verschiedenen Versammlungen möglichst ungestört stattfinden können.“
ESSQ-Sprecher Christian Baumann kritisiert dieses Vorgehen der Polizei: „Bereits am 15. März 2025 haben wir erlebt, wie eine intransparente Informationspolitik den Nazis den Weg geebnet hat. Entgegen aller Absprachen wurde damals Protest in Sicht- und Hörweite nahezu unmöglich gemacht, versuchte Versammlungsanmeldungen am Tag verschleppt und der Weg der Nazis unter Gewalteinsatz frei gemacht.“ Essener:innen hätten ein Recht darauf zu erfahren, wann und wo die Demonstration stattfinde. Inzwischen hat die Heimat zwar ihren Startpunkt selbst veröffentlicht, ihre vollständige Route ist aber weiter unbekannt.
Wer an den Gegenprotesten teilnehmen will, sollte um 11:45 am Rüttenscheider Markt sein. Dort beginnt die DGB-Demonstration, von der aus die gemeinsame Reise in die Innenstadt stattfinden wird.

