Deutschland und Brasilien schwören sich auf mehr Zusammenarbeit ein

Bei einem gemeinsamen Besuch in Hannover demonstrieren Bundeskanzler Merz und der brasilianische Präsident Lula Einigkeit. Beide erhoffen sich von einer Zusammenarbeit Vorteile im internationalen kapitalistischen Wettrennen und Profite für die eigenen Konzerne.

Während eines mehrstündigen Regierungsgespräches, bei dem neben den beiden Staatschefs Friedrich Merz und Luiz Inácio Lula da Silva unter anderem auch Verteidigungsminister Boris Pistorius teilnahm, verabredeten Deutschland und Brasilien mehrere Kooperationen mit strategischer Bedeutung.

Anschließend gab es eine Pressekonferenz vor dem Besuch auf der Hannover Messe – einer der weltweit größten Industrie- und Technikmessen. Dort betonte der Bundeskanzler vor allem, dass die Zusammenarbeit der beiden Staaten derzeit vor dem Hintergrund einer sich „grundlegend verändernden Weltlage“ intensiviert werde. Brasilien sei einer der wichtigsten Partner Deutschlands, fuhr Merz fort. Auch der brasilianische Präsident unterstrich, wie wichtig Brasilien eine „immer produktivere, immer effektivere und immer bessere Zusammenarbeit von Europa und Lateinamerika“ sei.

Für beide Staaten stellt die Partnerschaft eine wichtige Alternative zu den angeschlagenen und instabilen Beziehungen zu den USA und den asiatischen Ländern dar. Die gemeinsame Erklärung und der Staatsbesuch des brasilianischen Präsidenten in Deutschland erfolgen dabei nicht zufällig wenige Tage, bevor das Mercosur-Abkommen am 1. Mai in Kraft tritt.

Das Freihandelsabkommen zwischen den sogenannten Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Uruguay, Paraguay und Bolivien und Europa wurde nach jahrzehntelangen Verhandlungen Anfang 2026 verabschiedet und beseitigt 90 Prozent der bisherigen Zölle. Merz kündigte während des Besuchs in Hannover selbstbewusst an, das Handelsvolumen allein mit Brasilien in den nächsten Jahren zu verdoppeln.

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Rohstoffe und Energie für die deutsche Wirtschaft

Deutschland zeigt sich besonders interessiert an den brasilianischen Vorkommen der sogenannten seltenen Erden. Eine Versorgung der deutschen Industrie mit diesen Rohstoffen stellt eine wichtige Grundlage für die eigene Produktion von zum Beispiel Smartphones, Laptops, LEDs, Elektromotoren und Windkraftanlagen dar. Indem Deutschland sich den Zugang zu brasilianischen seltenen Erden sichert, verschafft es seinen Konzernen und Unternehmen eine größere Unabhängigkeit von China. Die chinesische Regierung hatte erst im Herbst 2025 den Export von seltenen Erden als Reaktion auf die von US-Präsident Trump verhängten Strafzölle stark gedrosselt – betroffen ist von derartigen Maßnahmen nicht zuletzt auch die deutsche Industrie.

Weiterhin gibt es in Brasilien ein hohes Produktionspotenzial für Biotreibstoff. Brasilianische Unternehmen haben in den letzten Jahren einige Erfahrung mit dem Gewinnen von Energieträgern aus Pflanzen wie Zuckerrohr und Soja gemacht und sind weltweite Vorreiter in der Produktion und Verwendung von Biotreibstoff. Merz zeigte zuletzt größeres Interesse an den in Brasilien entwickelten Technologien, um auch für Europa weitere alternative Wege der Energieversorgung zu etablieren.

Lula selbst drängt seinerseits ebenfalls auf einen Austausch von Technologien. Brasilien wolle „eine Partnerschaft auf Augenhöhe“ und nicht nur Rohstofflieferant sein, bekräftigte der brasilianische Präsident. Im Interesse der eigenen kapitalistischen Unternehmer:innen sei es vielmehr, brasilianische Rohstoffe bereits in Brasilien zu verarbeiten und die Endprodukte zu exportieren.

Auch in der Aufrüstung verbunden

Beide Länder vereinbarten außerdem auch im Bereich der Rüstungsproduktion eine Vertiefung der bisherigen Zusammenarbeit. Laut Lula will sein Land beispielsweise weitere vier Fregatten der Tamandaré-Klasse erwerben, die von der deutschen Werft Thyssen Krupp Marine Systems in Zusammenarbeit mit brasilianischen Unternehmen gebaut werden.

Auch in der Beschaffung von weiteren verschiedenen militärischen Systemen wie gepanzerten Fahrzeugen, Luftabwehr und Drohnen wollen beide Staaten enger zusammenarbeiten. Die Kooperation umfasst laut einer Erklärung des Bundesministeriums für Verteidigung den gesamten Prozess von Vertragsverhandlungen über Ausbildung bis hin zur Inbetriebnahme der Systeme.

Unabhängigkeit von USA und China

Bei Plänen zur engeren wirtschaftlichen und militärischen Zusammenarbeit mit der BRD ist Brasilien dabei nicht allein. Ähnliche Abmachungen wurden zuletzt auch mit Indien und auf EU-Ebene auch mit Australien getroffen.

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Insgesamt sind die Entwicklungen im Kontext der wirtschaftlichen und militärischen Unabhängigkeitsbestrebungen Deutschlands und der EU von den USA und China zu verstehen. Während sich der geostrategische Konkurrenzkampf immer weiter zuspitzt und immer härtere Auseinandersetzungen zwischen den beiden größten Weltmächten zum Teil der Tagesordnung werden, versucht der EU-Block nicht zum reinen Anhängsel einer der beiden Seiten degradiert zu werden.

Die europäischen Großmächte, und allen voran Deutschland, wollen weiterhin eigene geostrategische Pläne umsetzen können und beim Wettkampf um die Vormachtstellung ein Wörtchen mitreden. Dafür braucht es auf allen Ebenen neue Verbündete.

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