Erneute Bundeswehrübungen mit zivilen Stellen in Hessen und Thüringen

In Hessen und Thüringen trainierte die Bundeswehr in der vergangenen Woche die Truppen- und Materialverlegung über die deutsche Autobahn. Die Übung ist Ausdruck der fortschreitenden Verschmelzung militärischer und ziviler Strukturen.

Mehrere Tage trainierte die Bundeswehr Ende April die Verlegung von Soldaten und Kriegsgeräten über deutsche Straßen unter dem Namen „Hessen-Thuringia-Exercise“ (Hethex). Ein Teil der Übung fand in der Autobahnmeisterei Breitenworbis im nördlichen Thüringen statt.

Die Übung ist die erste dieser Art und soll die Zusammenarbeit zwischen zivilen Stellen und der Bundeswehr trainieren. Dazu gehören zum Beispiel die Versorgung der Marschkolonnen mit Sprit und Verpflegung. Neben der Autobahnmeisterei spielten  Polizei, Feuerwehr und örtliche Landratsämter eine wichtige Rolle bei der Übung. Knapp 1000 deutsche und US-amerikanische Soldat:innen nahmen daran teil.

Solche Übungen sollen laut Thüringens Regionalchef der Autobahn GmbH, welche eine wichtige Rolle bei der Übung spielte, regelmäßiger stattfinden, „um die Abläufe zu schärfen“.

Operationsplan Deutschland und zivile Stellen

Das geprobte Szenario der Truppenverlegung auf deutschen Autobahnen soll zivile Behörden, Organisationen und Unternehmen auf die Rolle vorbereiten, die der sogenannte „Operationsplan Deutschland“ für sie vorgesehen hat.

Der Operationsplan Deutschland ist ein etwa 1.000 Seiten langes Strategiepapier der Bundeswehr, welches vor knapp eineinhalb Jahren öffentlich wurde und Deutschland auf einen Krieg mit Russland vorbereiten soll. Neben der Rolle von Unternehmen wird darin auch die Wichtigkeit von zivilen Strukturen betont.

Laut dem Papier sei Deutschland im Spannungs- oder Verteidigungsfall „Drehscheibe“, um die Verlagerung von Truppen, Kriegsmaterial, Medikamenten oder Lebensmitteln in Richtung der NATO-Ostfront zu gewährleisten.

Erst letzten Monat führte die Bundeswehr eine andere Übung, zur Versorgung verwundeter Soldat:innen durch. An dieser Übung mit dem Namen „Medic Quadriga“ beteiligten sich auch zivile Strukturen und Verteidigungsminister Pistorius betonte, dass die Zusammenarbeit der Bundeswehr mit Hilfsorganisationen und zivilen Krankenhäusern ausgebaut werden müsse.

„Operationsplan Deutschland“: Wenn Unternehmen auf ihre Rolle im Krieg gegen Russland vorbereitet werden

Bundeswehrübungen mitten in der Großstadt

Die Bundeswehrübungen finden nicht immer auf abgelegenen Raststätten statt, sondern auch vermehrt mitten in Großstädten. So trainierte die Bundeswehr zum Beispiel Ende letzten Jahres unter dem Namen „Bollwerk Bärlin III“ in einem U-Bahnhof mitten in Berlin.

Auch in Hamburg trainierte die Bundeswehr letztes und vorletztes Jahr. Neben der Sicherung des Hafens sowie der Truppen- und Materialverlegung vom Hafen aus in Richtung Osten der Stadt wurde auch geübt, gewaltsam gegen antimilitaristischen Protest vorzugehen. „Red Storm Bravo“ war die größte militärische Übung in der Stadt Hamburg seit dem Kalten Krieg.

Red Storm Bravo: Simulierter und echter Protest gegen die Zeitenwende in Hamburg

Für dieses Jahr ist bereits wieder eine Übung in Hamburg unter dem Namen „Red Storm Charly“ vorgesehen. Es wurde bereits Gegenprotest angekündigt. So plant etwa das antimilitaristische Bündnis „Rheinmetall Entwaffnen“, vom 24. bis 26. September 2026, Aktionstage gegen das NATO-Manöver durchzuführen.

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