Gefangen in Aleppo: Eva und Ahmet leben!

Von der deutschen Journalistin Eva Maria Michelmann und ihrem Kollege Ahmet Polad fehlte seit drei Monaten jede Spur. Nun ist klar: die beiden sind am Leben und werden von der syrischen Übergangsregierung gefangen gehalten. Eine Kampagne setzt sich seit Wochen für ihre Freilassung ein.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Etha sind die am 18. Januar in Raqqa entführten Journalist:innen Eva Maria Michelmann und Ahmet Polad (Mehmet Nizam Aslan) am Leben und werden im Gefängnis von Aleppo festgehalten, das unter Kontrolle des syrischen Staats steht. Diese Information wird durch mehrere Zeugenaussagen gestützt, darunter auch eine Videoaussage, die dem Anwalt von Michelmanns Familie, Roland Meister, übermittelt wurde.

Die beiden Journalist:innen waren im Januar im Zuge der Angriffe der HTS auf die kurdische Selbstverwaltung in Rojava während ihrer journalistischen Arbeit festgenommen worden. Polad, der auch als Moderator bei Özgür TV tätig ist, und Michelmann, die als internationale Journalistin und ehrenamtliche Korrespondentin für Etha arbeitet, befinden sich demnach weiterhin in Haft.

Journalist:innen in Syrien verschleppt: Wir wollen Eva und Ahmed zurück!

Zeugenaussage von ehemaligem Gefangenen

Ein ehemaliger Gefangener und Kämpfer der Syrian Democratic Forces (SDF), der im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freikam, gab an, Ahmet Polad im Gefängnis von Aleppo persönlich gesehen zu haben. Laut seiner Aussage war Polad zuvor längere Zeit in Einzelhaft und wurde kurz vor dem Gefangenenaustausch am 11. April für einige Tage in eine Gemeinschaftszelle verlegt. Dort hätten sie gemeinsam mit etwa 200 weiteren Gefangenen unter schwierigen Bedingungen gelebt. Der Zeuge berichtete zudem, dass Polad bei Angriffen verletzt, medizinisch behandelt worden sei und sich aktuell aber in stabilem Zustand befinde.

Die Videoaussage beschreibt außerdem die Haftbedingungen als von Folter, Misshandlungen und Hunger geprägt. Gefangene seien regelmäßig von bewaffneten Gruppen angegriffen und beleidigt worden, viele hätten Verletzungen durch Folter erlitten.

Zur Situation von Eva Maria Michelmann liegen laut Etha keine direkten Sichtungen desselben Zeugen vor. Allerdings hätten andere freigelassene Gefangene bestätigt, dass sich eine „deutsche Journalistin“ im Frauentrakt des Gefängnisses befinde. Kurz vor ihrer Freilassung hätten weibliche Häftlinge angegeben, dass sich noch rund 40 Frauen in Haft befänden, darunter auch die genannte „deutsche Journalistin“, bei der es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Michelmann handle.

Kampagne fordert Freilassung

Die gesammelten Belege, insbesondere die Videoaussage, sollen laut Etha durch Anwalt Roland Meister an deutsche Behörden weitergeleitet werden. Damit kann nun weiter Druck auf den deutschen Staat ausgeübt werden, sich gegenüber der syrischen Übergangsregierung für eine Freilassung von Eva Maria Michelmann einzusetzen. Dafür machte sich in den letzten Wochen bereits die Kampagne „Wo sind Eva und Ahmet?“ stark.

Deutsche Journalistin Eva Maria Michelmann weiter vermisst

Am 17. März, knapp zwei Monate nach der Entführung, hatten Angehörige und Unterstützer:innen vor dem Auswärtigen Amt demonstriert, darunter auch Eva Maria Michelmanns Mutter: „Ich möchte natürlich wissen, ob meine Tochter noch lebt zuallererst. Und zum zweiten: Falls sie noch lebt, möchte ich natürlich, dass sie so schnell wie möglich freigelassen wird“, erklärte sie. Ende März protestierten dann zahlreiche Menschen während des Besuchs des syrischen Übergangspräsidenten al-Sharaa vor dem Kanzleramt.

Neben verschiedenen Aktionen in ganz Deutschland über die letzten Wochen hinweg versammelten sich am vergangenen Samstag erneut rund 50 Menschen am S-Bahnhof Gesundbrunnen in Berlin. 90 Tage war es da her, dass es den letzten Kontakt zu Michelmann und Polad gab. Die Sprecherin der Plattform Stimme der Gefangenen forderte in ihrer Rede: „Die syrische Übergangsregierung muss zur Rechenschaft gezogen werden, wir fordern alle EU-Länder dazu auf, diese Rechenschaft einzufordern und sich für Eva und Ahmet einzusetzen.“

Perspektive Online
Perspektive Onlinehttp://www.perspektive-online.net
Hier berichtet die Perspektive-Redaktion aktuell und unabhängig

MEHR LESEN

PERSPEKTIVE ONLINE
DIREKT AUF DEIN HANDY!