Gentests beim Sport: Ausschluss von trans Frauen bei Olympia

Am 26. März wurde durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine neue Richtlinie veröffentlicht, die es trans Frauen verbietet in Frauenkategorien bei den Olympischen Spielen teilzunehmen. Außerdem werden mit dieser neuen Richtlinie auch Tests eingeführt, die das Geschlecht der Sportlerinnen ermitteln sollen.

Die Debatte über transgeschlechtliche Personen im Sport wird immer wieder aufgeworfen. Es ginge darum, einen fairen Wettbewerb zu ermöglichen, was jedoch von vielen Seiten kritisiert wird. Auch bei den vergangenen olympischen Spielen im Jahr 2024 ist die Debatte erneut aufgeflammt. Die Teilnahme der beiden Boxerinnen Imane Khelif und Lin Yu‑ting sorgte für Aufschrei. Im Internet wurde den beiden nachgesagt, dass sie „biologische Männer“ seien.

Im Jahr 2023 wurden die beiden bereits von der Boxweltmeisterschaft disqualifiziert. Zunächst wurde darüber berichtet, dass ein Test ergeben habe, dass die beiden über XY-Chromosomen verfügen. Dieses Ergebnis wurde an einer anderen Stelle jedoch dahingehend angepasst, dass der Testosteronwert der beiden zu hoch gelegen hätte. Als bekanntgegeben wurde, dass die beiden an den Olympischen Spielen teilnehmen würden, ist die Diskussion erneut aufgeflammt. In einer Erklärung des IOC wurde damals festgehalten, dass es keinen Zweifel daran gäbe, dass es sich bei Khelif und Yu-ting um Frauen handele und dass sie des Weiteren alle Teilnahmebedingungen erfüllten.

Gentests bei den Olympischen Spielen

Nach den vergangenen Olympischen Spielen entschloss sich das IOC, ihre Teilnahmekriterien anzupassen. Unter der neuen IOC-Präsidentin Kirsty Coventry wurde die neue Richtlinie beschlossen, die zu den olympischen Spielen 2028 in Los Angeles umgesetzt werden soll. Diese betrifft dabei nur trans Frauen. Trans Männer sind von dieser Regel ausgeschlossen.

Wie weiter oben erwähnt, beinhaltet die neue Richtlinie auch einen Geschlechtstest, den SRY-Gentest, der bereits bei der Leichtathletikmeisterschaft 2021 genutzt wurde. Dieser Test prüft auf Gene, die auf Y-Chromosomen liegen, die für die Herausbildung männlicher körperlicher Merkmale zuständig sind.

Massive Eingriffe in die Privatsphäre

Die Einführung des Tests bleibt nicht unkommentiert und recht schnell kommen erste Kritiken auf. Der Test sei ein Angriff auf die Privatsphäre und würde der Komplexität vom menschlichen Geschlecht nicht gerecht werden.

Bereits bei Imane Khelif hat sich die Verletzung der Privatsphäre deutlich gemacht. Öffentlich wurde über ihr mögliches Geschlecht diskutiert und bspw. auch Kindheitsfotos rausgesucht, um die eigene Theorie zu bestärken. Solche öffentlichen Outings, selbst wenn sie nicht der Wahrheit entsprechen, können große Gefahren mit sich bringen. Je nach Herkunftsland könnten Frauen mit großen Strafen rechnen.

In den USA werden seit Amtsantritt die Rechte von transgeschlechtlichen Personen immer weiter eingeschränkt, auf Pässen muss das körperliche Geschlecht angegeben werden und nichtbinäre Menschen werden vom Staat erst gar nicht anerkannt. Hinzu kommt, dass auch die Gewalt gegen LGBTI+ Personen im Allgemeinen immer weiter ansteigt. Laut dem Bundeskriminalamt gab es im Jahr 2023 beispielsweise 1785 Straftaten gegen LGBTI+, wobei mit einer weitaus höheren Dunkelziffer gerechnet wird.

Ein weiterer kritikwürdiger Aspekt des Tests ist, dass er nicht wirklich aussagekräftig ist. Durch den Test sollen unfaire Vorteile in Wettkämpfen unterbunden werden. Das Vorhandensein von einem Y-Chromosom ist dafür jedoch noch kein wirklicher Anhaltspunkt.

Olympische Spiele in Zeiten des Rechtsrucks

Dass dieser Test eben nicht den gewünschten Effekt erzielt, zeigt auch die Tatsache, dass das IOC selbst vor 30 Jahren genau aus diesem Grund den Test eingestellt hat. Der Einsatz vom SRY-Test bei den Olympischen Spielen beruht auf einem binären Geschlechterverständnis, wie es auch die aktuelle US-Regierung proklamiert. Es gibt in dieser Ansicht nur die klaren Bilder von Mann und Frau. Wer davon abweicht, darf sich nicht beteiligen.

In Wirklichkeit ist das Geschlecht eines Menschen aber weitaus komplexer. Allein körperlich gibt es große Differenzen. Sei es ein verschieden hoher Testosteronspiegel oder von der Norm abweichende Chromosomenpaare. Hinzu kommen noch weitere Dimensionen, die zum menschlichen Geschlecht hinzukommen, die durch solch einen Test nicht weiter beachtet werden.

Ideologisch steht diese neue Richtlinie der politischen Entwicklung in den USA, wo die nächsten Olympischen Spiele stattfinden werden, sehr nahe. Auch Donald Trump hat sich bereits mehrfach dafür ausgesprochen, dass trans Frauen nicht an sportlichen Wettkämpfen teilnehmen, und hat auch entsprechende Gesetze verabschiedet.

Perspektive Online
Perspektive Onlinehttp://www.perspektive-online.net
Hier berichtet die Perspektive-Redaktion aktuell und unabhängig

MEHR LESEN

PERSPEKTIVE ONLINE
DIREKT AUF DEIN HANDY!