Global Sumud Flotilla erneut von IDF angegriffen

Vor wenigen Tagen machten sich hunderte Aktivist:innen erneut auf den Weg, um die illegale Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Nun wurden 22 Boote der Flotilla vor Kreta von der IDF überfallen.

Unter dem Banner der Global Sumud Flotilla begaben sich vor wenigen Tagen 60 Boote auf die Seereise nach Palästina. Die Aktivist:innen wollen die Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen – diese ist nicht nur nach internationalem Recht illegal, sondern spielt auch eine entscheidende Rolle in der Aushungerung und dem Genozid an Palästinenser:innen in Gaza.

Die Flotilla hat dabei nicht nur das Ziel, die Seeblockade zu brechen, sondern möchte vor allem auch Aufmerksamkeit auf Israels Machenschaften in Gaza zu lenken. „Das Ziel der Mission ist es, die Komplizenschaft zu entlarven, die Gaza-Blockade zu brechen und den Genozid zu beenden“, erklärt der Aktivist Saif Abukeshek. Neben den Booten beteiligen sich auch Überlandkonvois, unter anderem aus Asien und Nordafrika – insgesamt sind mehrere tausend Menschen auf dem Weg in Richtung Gaza.

Die Global Sumud Flotilla ist nicht der erste Anlauf, die Gaza-Blockade zu durchbrechen. Seit 2011 gab es diverse Versuche, per Seeweg nach Gaza zu gelangen und Hilfsmittel an die Bewohner:innen zu liefern. Es handelt sich ebenso wenig um die erste Global Sumud Flotilla – bereits im vergangenen Jahr versuchten hunderte Aktivist:innen unter diesem Banner nach Gaza zu gelangen.

Neue Sumud Flotilla mit bis zu 100 Schiffen auf dem Weg nach Gaza

IDF überfällt 22 Boote der Global Sumud Flotilla

Für 22 der Boote endete die Reise nun genau wie alle vorherigen Versuche: Das israelische Militär überfiel diese am Donnerstag und entführte die Aktivist:innen. „Militärschnellboote, die sich selbst als ‚Israel‘ identifizierten, näherten sich unseren Booten, richteten Laser und semi-automatische Waffen auf sie, und befahlen den Teilnehmenden, sich vorne im Boot auf Händen und Knien zu platzieren“, teilte die Gruppe mit.

In einem Social Media Post erklärte die Flotilla außerdem: „Israelische Militärboote haben uns in internationalen Gewässern illegal umzingelt und mit Entführung und Gewalt gedroht.“

Es ist dabei wenig überraschend, dass das israelische Militär erneut illegalerweise auf internationalem Gewässer operiert, um Aktivist:innen festzunehmen. Das streitet auch Israel selbst nicht ab – UN-Botschafter Danny Danon erklärt lediglich, die Boote würden „gestoppt, bevor sie unser Gebiet erreichen“.

Mehr als 1.000 Kilometer von der Küste entfernt

Dennoch ist in diesem Fall besonders schockierend, wie weit abseits der palästinensischen Küste der Überfall auf die Flotilla stattfand. Während die letzten Versuche wenige hunderte Kilometer vor der Küste abgefangen wurden, griff die IDF die Flotilla in diesem Fall in der Nähe der griechischen Insel Kreta an. Das israelische Militär sieht sich also berechtigt, mehr als 1.100 Kilometer entfernt vom eigenen Staatsgebiet in internationalen Gewässern Militäroperationen durchzuführen.

Al Jazeeraa, CC BY-SA-NC 4.0

Den Umstand der erneuten illegalen Überfälle und Entführungen auf internationalen Gewässern prangert die Global Sumud Flotilla dabei besonders an. So benannte Gur Tsabar, ein Sprecher der Gruppe, die Operation als „einen direkten Angriff auf unbewaffnete Zivilist:innen in internationalen Gewässern“.

„Das ist nach internationalem Recht verboten. Israel hat keine rechtliche Zuständigkeit in diesen Gewässern. Das Betreten der Boote stellt eine illegale Inhaftierung dar – potentiell sogar Entführung auf hoher See“, erklärt Tsabar weiter und fordert die Verurteilung des Vorgehens: „Es ist entscheidend, dass alle Regierungen jetzt reagieren. Jede Regierung hat die Pflicht, die mehr als 400 Zivilist:innen an Bord zu beschützen und internationales Recht aufrecht zu erhalten. Schweigen in diesem Moment bedeutet absolute Mittäterschaft.“

Aktivist:innen droht Gewalt und Misshandlung

Es ist derzeit unklar, wie es nun für die entführten Aktivist:innen weitergeht. Schaut man aber auf die vorherigen Überfälle, ist zu erwarten, dass sie in ein israelisches Gefängnis gebracht werden, bevor der israelische Staat sie abschiebt. Dort waren Aktivist:innen wiederholt menschenrechtsfeindlicher Behandlung sowie psychischer, physischer und sexualisierter Gewalt ausgesetzt.

Vergewaltigung in israelischer Gefangenschaft: „Es hat meinen Willen nicht gebrochen“

Auch ist noch nicht abzusehen, was mit den restlichen Booten und den Überlandkonvois der Flotilla geschehen wird. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass sie den Gazastreifen erreichen werden.

Perspektive Online
Perspektive Onlinehttp://www.perspektive-online.net
Hier berichtet die Perspektive-Redaktion aktuell und unabhängig

MEHR LESEN

PERSPEKTIVE ONLINE
DIREKT AUF DEIN HANDY!