Israel ermordet weiterhin Journalist:innen

Sowohl in Gaza als auch im Libanon kam es in den vergangenen Wochen wiederholt zur Ermordung von Journalist:innen durch israelische Luftangriffe. Gezielte Angriffe auf Medienschaffende durch die IDF ist eine bekannte Strategie Israels.

Im Rahmen des Gaza-Kriegs ermordete Israel mehr als 270 Journalist:innen, die in Gaza über den Krieg und den Völkermord an Palästinenser:innen berichteten. Zwar herrscht seit September letzten Jahres eine Waffenruhe – die von Israel immer wieder missachtet wird –, trotzdem geht die Praxis weiter.

Journalist in Gaza ermordet

So ist Anfang April der Al Jazeera Journalist Mohammed Wishah durch einen israelischen Drohnenangriff getötet worden. Zum Zeitpunkt des Angriffes fuhr er mit einer weiteren Person in einem Auto auf der al-Rashid Straße westlich von Gaza-Stadt. Dementsprechend ist von einem gezielten Luftangriff auf das Fahrzeug auszugehen.

Al Jazeera verurteilte die Tötung als „neue und eklatante Verletzung aller internationaler Gesetze und Normen“. Zudem spiegele der Angriff „eine kontinuierliche, systematische Politik, Journalist:innen ins Visier zu nehmen und die Stimme der Wahrheit zum Schweigen zu bringen“, wider.

Für Al Jazeera ist diese Ermordung also kein Einzelfall, sondern als Teil einer weitreichenden israelischen Strategie zu betrachten: „Seine Tötung war keine zufällige Handlung, sondern ein absichtliches und gezieltes Verbrechen, das Journalist:innen einschüchtern und sie an der Ausübung ihrer beruflichen Pflichten hindern soll.“

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Auch Reporter ohne Grenzen verurteilte die Ermordung und das Vorgehen Israels. Mindestens 70 Journalist:innen seien laut der Medienrechtsorganisation im Zusammenhang mit der Ausübung ihrer Tätigkeiten getötet worden.

Gezielte Angriffe auf libanesische Journalist:innen und Rettungskräfte

Mit der Offensive der israelischen Armee im Libanon geht nicht nur die Tötung hunderter Zivilisten einher – auch Journalist:innen und Rettungskräfte werden erneut gezielt angegriffen.

So zum Beispiel Ende März, als bei einem gezielten Luftangriff drei Journalist:innen ums Leben kamen. Ziel des Angriffes war ein Fahrzeug, das klar als Pressefahrzeug gekennzeichnet war. Vier Raketen töteten Fatima Ftouni, Mohammed Ftouni und Ali Shuaib. Andere Journalist:innen wurden durch den Angriff verletzt.

Israel streitet den gezielten Angriff nicht ab, sondern rechtfertigt ihn. Shuaib sei Teil der Nachrichtendienste der Hisbollah, verbreite Propaganda und verfolge israelische Truppenbewegungen. Al-Manar – das Medienunternehmen das Shuaib anstellt – bestreitet diese Vorwürfe vehement und beschreibt ihn als einen der prominentesten Kriegskorrespondenten, der jahrzehntelang israelische Angriffe dokumentierte. Israel legitimiert Angriffe auf Journalist:innen im Nachhinein häufig mit einer vermeintlichen Angehörigkeit terroristischer Gruppen – auch in diesem Fall gibt es für diese Anschuldigung keine Beweise.

Am gleichen Tag starben neun Sanitäter:innen im Zuge der israelischen Luftangriffe. Ein Sanitäter wurde im Kontext des Angriffs auf die Journalist:innen ermordet – Israel hat laut Augenzeugenberichten dabei auch auf Krankenwägen, die zur Hilfe eilten, gezielt. Darüber hinaus wurden fünf Sanitäter:innen in Zoutar al-Sharqiya getötet, ein weiterer in Kfar Tibnit und ein weiterer bei einem Angriff auf eine Gesundheitseinrichtung in Ghandouriyeh.

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Israel verhindert Berichterstattung

Am Mittwoch wurde nun eine weitere Journalistin – Amal Khalil von der libanesischen National News Agency (NNA) – durch die israelische Armee getötet. Sie war zusammen mit einer Kollegin nach at-Tiri gefahren, nachdem es dort einen Luftangriff auf ein Fahrzeug gegeben hatte.

Dort suchten sie dann in einem Gebäude Schutz, welches anschließend von Israel bombardiert wurde. Beide wurden unter Schutt begraben und Khalil starb. Ihre Kollegin Zeinab Faraj wurde schwer verletzt und musste operiert werden, befindet sich aber inzwischen in stabilem Zustand.

Sanitäter:innen vom Roten Kreuz versuchten stundenlang, die Journalist:innen zu erreichen; dies wurde allerdings durch anhaltende israelische Angriffe auf das Gebiet unmöglich gemacht. NNA berichtet sogar davon, dass die IDF gezielt Straßen angriff, „um Krankenwagen daran zu hindern, die beiden Journalistinnen zu erreichen“.

Die libanesische Regierung ordnet die Angriffe ebenfalls als gezielt ein und verurteilt sie scharf. Während das Gesundheitsministerium davon spricht, dass Israel Khalil und Faraj „verfolgte“, indem man das Gebäude, in dem sie Schutz suchten, „gezielt“ angriff, ging Premierminister Nawaf Salam noch einen Schritt weiter:

„Auf Journalist:innen zu zielen, den Zugang von Rettungsteams zu behindern und diese dann erneut gezielt anzugreifen, nachdem sie ankommen, stellen Kriegsverbrechen dar“, erklärt er auf X. Des Weiteren handle es sich nicht mehr um „isolierte Einzelfälle“, sondern eine „etablierte Methode, die wir verurteilen“.

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