Kriegspropaganda auf der Hannover Messe

Seit 1947 findet jährlich die Hannover Messe statt. In dieser Zeit hat sie sich zu einer der bedeutendsten Messen der produzierenden Industrie entwickelt. In diesem Jahr sind zum ersten Mal auch Rüstungskonzerne vertreten, woraufhin Protest folgte.

Seit Sonntag läuft, wie jedes Jahr, die Hannover Messe. Selbst im internationalen Rahmen ist sie eine der relevantesten Industriemessen. Unter dem Motto „Industrial Transformation“ geht es in diesem Jahr viel darum, wie die Produktion durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz optimiert werden kann.

Neben zahlreichen Konzernen sind auch verschiedene Politiker:innen vertreten, die die Messe auch für politischen Austausch nutzen. Neben Wirtschaftsministerin Katharina Reiche und Verteidigungsminister Boris Pistorius sind auch der Bundeskanzler Friedrich Merz sowie der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva vertreten. Letztere beiden haben sich bereits im Vorfeld zu Gesprächen getroffen. Die Ergebnisse dieses Austauschs wurden dann am Sonntagabend auf der Messe bekannt gegeben.

Hannover Messe: Ausdruck der deutschen Geostrategie

Inhaltlich ging es in der gemeinsamen Pressekonferenz auch um die Energieversorgung und wie Deutschland mit Hilfe von Brasiliens seltenen Erden unabhängiger von den USA und China werden könne. Durch Brasiliens Rohstoffe würde Deutschland einfacher in der Lage sein, Elektrogeräte wie Smartphones oder Laptops herzustellen. Brasilien ist zusätzlich weltweiter Vorreiter in der Herstellung von Biotreibstoffen, was dem deutschen Staat ebenfalls zugutekommen wird.

Deutschland und Brasilien schwören sich auf mehr Zusammenarbeit ein

Zum Thema der Energieversorgung teilte Merz außerdem die Einberufung eines „Nationalen Sicherheitsrats zu dem Thema Versorgungssicherheit“ mit. Als Grund für diese Entscheidung nannte er den drohenden Mangel an Kerosin. Aktuell sei die Versorgung zwar gesichert, jedoch müsse man sich auf Maßnahmen vorbereiten.

Der Ausbruch des Kriegs im Iran, vor allem die Blockade der Straße von Hormus, wirkt sich auf die Versorgung mit Treibstoffen aus. Über die Straße von Hormus läuft über ein Viertel des weltweiten Ölhandels und knapp ein Fünftel des weltweiten Flüssigerdgashandels. Die Frage der Energieversorgung beschäftigt den deutschen Staat jedoch nicht erst seit diesem Jahr.

Bereits länger möchte Deutschland sich unabhängiger von anderen Staaten – wie den USA oder auch China – machen, um im Kriegsfall nicht unterzugehen. Dazu gehört eben auch eine unabhängige Energieversorgung.

Zum ersten Mal Rüstungskonzerne auf der Hannover Messe – Protest folgt

Die Kriegsvorbereitungen machen sich nicht nur durch eine immer größere angestrebte Eigenständigkeit in der Produktion, sondern vor allem durch eine zunehmende Präsenz des deutschen Kriegsapparats bemerkbar. Das Thema Krieg wird immer offener behandelt. Immer häufiger tritt die Bundeswehr bei öffentlichen Veranstaltungen oder in Schulen auf. Aber auch solche Messen werden durch die Bundeswehr gut besucht. Neben Jobmessen betrifft das zum Beispiel auch die Gamescom, auf der man mittlerweile jedes Jahr einen Bundeswehrstand vorfindet.

Bundeswehr auf der Gamescom: Zocken für den Krieg

Auf der Hannover Messe gibt es zwar keinen Bundeswehrstand, dafür sind aber zum ersten Mal Rüstungskonzerne vor Ort vertreten. Im „Defense Production Parc“ liegt der Fokus darauf, wie sich die Produktion von Rüstungsgütern künftig anziehen lässt. 40 Rüstungskonzerne präsentieren von Sonntag bis Freitag auf der Messe ihre Angebote.

Bei den Konzernen, die dieses Jahr auf der Messe vertreten sind, handelt es sich vor allem um Konzerne, die sich um Teilaspekte der Kriegsproduktion, wie Logistik, Optimierung mit Hilfe von KI oder Ähnlichem, befassen. Aber auch der Rheinmetall-Chef Armin Papperger ist vor Ort.

Die Hannover Messe wird also vermehrt zum Schauplatz der imperialistischen Kriegspolitik. Genau diese Entwicklung wurde als Anlass genommen, um einen Gegenprotest gegen die Hannover Messe zu organisieren. Am Montagabend versammelten sich zahlreiche Jugendliche, die gemeinsam gegen die Kriegsvorbereitung des deutschen Staates demonstrierten. Am Dienstag kam es außerdem noch zu Störaktionen bei einem Auftritt vom Rheinmetall-Chef Armin Papperger.

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