Nach faschistischem Machetenangriff: Berlin wehrt sich

Ende März griffen Neonazis zwei Jugendliche in Berlin lebensbedrohlich mit einer Machete an. Am Sonntag zeigten hunderte Demonstrierende in Friedrichshain, dass sie sich die faschistische Bedrohung nicht gefallen lassen wollen.

Nicht einmal zwei Wochen ist es her, dass in Berlin-Friedrichshain zwei antifaschistische Jugendliche von Faschisten angegriffen wurden. Erst pöbelten die Neonazis sie an und beleidigten sie, anschließend zückten sie eine Machete und schlugen auf die Jugendlichen ein.

Dabei nahmen sie auch lebensbedrohliche Folgen in Kauf, als sie mit der scharfen Seite der Waffe auf den Kopf einer der beiden Jugendlichen zielten. Nur durch das schnelle Hochreißen der Arme konnte die Angegriffene schlimmeres verhindern. Trotzdem erlitt sie schwere Verletzungen und musste im Krankenhaus behandelt werden – ein Schnitt am Arm reichte bis zum Knochen.

Berlin antwortet: Mobilisierung zu Großdemonstration

Diesen Angriff ließen sich Antifaschist:innen nicht gefallen. Die Internationale Jugend (IJ), in der eine der beiden Angegriffenen aktiv ist, kündigte zusammen mit der Föderation Klassenkämpferischer Organisationen (FKO) prompt eine Großdemonstration am Ostersonntag an und mobilisierte dafür in Berlin.

Berliner Faschisten greifen antifaschistische Jugendliche mit Machete an und verletzen sie schwer

Mit einem Lautsprecher auf einer Sackkarre befestigt zogen am vergangenen Dienstag dazu Aktivist:innen durch Friedrichshain und informierten die Anwohner:innen über den Angriff. Leonie Mirkos von der Internationalen Jugend berichtete: „Etwa die Hälfte der Menschen im Kiez wissen mittlerweile über den Angriff bescheid. So schockierend die Tat für viele Menschen aus dem Stadtteil ist, liegt es auch an uns, uns nicht einschüchtern zu lassen, sondern die sich verschärfende faschistische Gewalt mit Widerstand zu beantworten.“

Aktivisten markierten das Gebiet um den Tatort mit Plakaten mit der Aufschrift: „Hier hat ein faschistischer Angriff stattgefunden.“ Plakate mit Demonstrationsaufruf kleben an Stromkästen in Friedrichshain und Flyer werden auf dem Boxhagener Platz verteilt.

In den Sozialen Medien gab es außerdem Solidaritätsbekundungen von verschiedenen antifaschistischen Gruppen aus ganz Deutschland, sowie aus England, Frankreich und Portugal. „Auch ein handgeschriebener Brief hat uns erreicht“, erklärt Leonie Mirkos. „Die breite Solidarität gibt uns und den Betroffenen aktuell viel Kraft.“

„Greift ihr eine an, antworten wir alle“

Diese Mobilisierung zeigte offensichtlich Wirkung: Am Sonntag versammelt sich zwischen 700 Menschen am Frankfurter Tor, um dort lautstark Solidarität und Widerstand gegen die faschistische Bedrohung kundzutun. Die Demo stand unter dem Motto „Greift ihr eine an, antworten wir alle“, wie auf dem Transparent an der Spitze der Demo zu lesen war.

Geprägt war die Demonstration auch von Parolen, wie „Siamo tutti Antifascisti“, „Alle zusammen gegen den Faschismus“ oder „Berlin, Berlin, Antifa“. Insgesamt herrschte eine kämpferische Stimmung, besonders laut wurde es unter der S-Bahn-Brücke an der Frankfurter Allee.

Neben Parolen fanden in der Demonstrati onauch viele Redebeiträge Platz. So etwa von der FKO, die zur Demo aufgerufen hatte. Der Sprecher der FKO bedankte sich bei den Demoteilnehmer:innen und allen, die in den vergangenen Wochen Solidarität zeigten.

„Doch ich bin nicht nur hier, um mich für die Solidarität zu bedanken. Ich möchte auch darauf eingehen, dass der Angriff letzte Woche uns eines gezeigt hat. Selbst in unseren Kiezen, in welchen wir uns sonst so sicher fühlen wie hier in Friedrichshain, ist die faschistische Gefahr wieder angekommen“, erklärte er weiter.

„Deshalb stehen wir hier und heute gemeinsam auf der Straße und zeigen: Gegen den Faschismus hilft nur selbst organiserter Antifaschismus. Wir können uns nicht auf diesen Staat verlassen, der die Faschist:innen schützt und stützt. Deshalb halten wir zusammen und stehen zusammen. Und wann immer die Faschist:innen eine Person von uns angreifen, antworten wir alle laut, kämpferisch und vereint.“

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„Hinter dem Faschismus steht das Kapital“

Auch die Verbindung zwischen Faschismus und dem Kapitalismus wurde aufgegriffen. Dies geschah zum Beispiel in Form vieler Reden, die klarmachten, dass sich Antifaschist:innen nicht auf Staat und Polizei verlassen können, aber auch in Parolen wie: „Hinter dem Faschismus steht das Kapital. Der Kampf um Befreiung ist international!“

Eine weitere Rede griff dies auf und benannte den Kapitalismus als die Wurzel des Nazi-Problems: „Faschistische Handlungen und Forderungen sind schon lange nicht mehr nur innerhalb rechtsextremer Parteien zu vernehmen. Probleme kapitalistischen Ursprungs, welche uns in Zeiten der Aufrüstung durch Kürzungen, Preiserhöhungen, oder die Wiedereinführung der Wehrpflicht immer breiter betreffen, sind nicht über den parlamentarischen Weg zu bekämpfen, sondern als eine kollektive, militante und zielgerichtete Arbeiter:innenbewegung.“

Darüber hinaus gab es Redebeiträge, in denen besondere Aspekte der faschistischen Bedrohung erläutert wurden. So prangerte etwa das Frauenkollektiv an, wie mit der zunehmenden Faschisierung auch patriarchale Gewalt und Machtstrukturen immer mehr zunehmen. Pride Rebellion erklärte derweil, wie LGBTI+ immer mehr rechte Gewalt erfahren und unter der faschistischen Bedrohung leiden.

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